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Futsal:Pioniere in Schweden

Futsal

Meister SSV Jahn Regensburg

(Foto: oh)

Meister SSV Jahn Regensburg startet in den Uefa Futsal Cup - langfristig möchte sich der Verein als Standort für die Sportart etablieren, die in Deutschland ein Dasein in den Nischen führt. Dabei hilft auch der frühere Fitnesstrainer von Douglas Costa.

Von Johannes Kirchmeier

Oliver Vogel wollte sich in den vergangenen Tagen noch einmal über die Gegner beim Uefa Futsal Cup informieren. Als erste bayerische Mannschaft vertritt der SSV Jahn 1889 Regensburg Futsal Deutschland beim Futsal Cup, sozusagen der Champions League der Hallenfußballvariante. Also startete Abteilungsleiter Vogel, 47, seinen Computer. In der Zeit des weltweiten Netzes, dachte er sich, sei es ja bestimmt recht einfach, Videos von anderen Mannschaften zu finden. Doch da täuschte er sich: Er fand nur von den gastgebenden Schweden IFK Uddevalla Sequenzen, über den Tre Fiori FC aus San Marino und den FC Encamp aus Andorra war nichts zu finden. In die ersten beiden Partien in Schweden mussten die Regensburger also ohne Vorkenntnisse gehen.

Eine neue Regel des DFB macht den Regensburgern zu schaffen

Wie sich herausstellte, war das kein Problem. Am Mittwoch besiegten die Regensburger bei ihrem ersten internationalen Auftritt Tre Fiori 8:1, am Donnerstag Encamp 5:0, so kommt es am Samstag gegen Uddevalla zum Endspiel um den Einzug in die zweite Runde des Pokals. "Hier weiterzukommen ist auf jeden Fall unser Wunsch", sagt Vogel.

Deutschland ist Futsal-Entwicklungsland, noch nie ist ein Team weiter als in die dritte Runde gekommen. Auch daher vermeidet Vogel forsche Ansagen. Regensburg konnte immerhin das Team aus der Meistersaison weitgehend zusammenhalten, den Stamm bilden weiterhin neun Brasilianer. Diesen hat der Klub ein paar deutsche Spieler hinzugefügt, darunter Luca Piga vom TSV 1860 München, dem einige bereits eine Karriere in der Nationalmannschaft prophezeien.

Das Jahn-Team ist auch deshalb zusammen geblieben, weil Spielertrainer Lucas Kruel, 27, geblieben ist. Kruel war der Fitnesstrainer von Fußballprofi Douglas Costa, als dieser noch für den FC Bayern München spielte. Da Costa im Sommer nach Turin gewechselt ist, hatten manche befürchtet, Kruel könnte mit ihm mitziehen. Doch Kruel hat sich in Deutschland eingelebt, er trainiert auch andere Fußballer des FCB. Und das Projekt SSV Jahn Futsal ist ihm zu wichtig geworden. "Das rechne ich ihm hoch an, dass er da Wort gehalten hat", sagt Vogel. Als Ersatz für den bisherigen Glücksbringer Costa will er künftig den Neu-Münchner James Rodriguez gewinnen.

Futsal ist in Deutschland eine Nischensportart, die Vereine spielen ihre Meisterschaft erst in Regionalligen und dann in einer bundesweiten Endrunde aus. Doch in Regensburg wird der Nischensport von Jahr zu Jahr professioneller. Eine halbe Stunde nach dem Titelgewinn im April meldete sich ein Trikothersteller, der den Klub nun sponsert. Es hat sich herumgesprochen, dass Regensburg nicht nur Fußball, sondern auch Futsal spielen kann. Weitere Geldgeber kamen hinzu, so dass Vogel sagt: "Jetzt haben wir ein richtig schönes Budget." Davon werden die Auswärtsfahrten bezahlt, der Klub lebt also nicht mehr "von der Hand in den Mund", wie noch im April. Zudem hat der SSV nun eine feste Heimhalle. Das Team trainiert allerdings weiter in Regensburg und in München, wo Kruel und weitere Spieler wohnen.

Ganz glücklich ist Vogel trotzdem nicht. Denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat im Sommer eine Regel eingeführt, die dem Jahn weiteren Erfolg erschweren dürfte. Dass die Regensburger ihre Meisterschaft mit Hilfe einiger Brasilianer erreichten, stieß auf Kritik. In den Playoffs um die Meisterschaft im kommenden Frühjahr dürfen daher anders als beim Uefa Futsal Cup in diesen Tagen nur noch drei Nicht-EU-Spieler mitspielen. "Das trifft uns natürlich", sagt Vogel. Sein Ziel ist es aber ohnehin, Futsal langfristig in Regensburg zu etablieren. Daher müsse nun die Nachwuchsarbeit umso stärker vorangetrieben werden. Und mit einem erfolgreichen Abschneiden im Futsal Cup könnte der Jahn schon bald weitere Kinder für den Sport begeistern.

© SZ vom 25.08.2017

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