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Futsal:Ein ganzer Block fehlt

Zeitplan der Futsal-DM

Donnerstag, 13. August - Vorrunde

Partie 1 (11 Uhr): SSV Jahn 1889 Regensburg Futsal - TSG 1846 Mainz-Bretzenheim; Partie 2 (14 Uhr): FC Fortis Hamburg - Futsal Panthers Köln.

Freitag, 14. August - Viertelfinals

Viertelfinals: Futsal Club Bielefeld-Sennestadt - HSV Panthers (11 Uhr); Sieger Vorr. 1 - FC Meisenheim (12 Uhr); Sieger Vorr. 2 - Hohenstein-Ernstthal (15 Uhr); 1894 Berlin - Weilimdorf (16 Uhr).

Samstag, 15. August - Halbfinals ab 15 Uhr.

Sonntag, 16. August - Finale ab 14 Uhr.

DFB.tv zeigt alle Partien online im Livestream.

Die deutsche Meisterschaft wird binnen weniger Tage durchgezogen - die Regensburger wissen nicht so recht, was sie erwartet.

Von Johannes Kirchmeier

Natürlich haben sie noch einmal an die Bilder aus dem April 2017 gedacht. "Bei vielen, die damals dabei waren, ist das immer noch präsent", sagt Oliver Vogel. Er erinnerte sich an die feinen Tore des Futsal-Teams vom SSV Jahn 1889 Regensburg in der Zwickauer Stadthalle. Und natürlich an die Szenen nach dem 7:4 im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen den VfL Hohenstein-Ernstthal, als der Sekt durch die Halle spritzte, als der damalige FC-Bayern-München-Fußballer und Regensburger Edelfan Douglas Costa gemeinsam mit den siegreichen Spielern die Meisterschale in die Höhe streckte und feierte.

Bereits in seinem ersten Erstliga-Jahr gewann der SSV Jahn die Meisterschaft. "Da haben wir den Grundstein für unsere Entwicklung gelegt", sagt der Teammanager Florian Roth, dem die Bilder von damals auch in den Sinn kamen. "Was wir da an Wissen aufgebaut haben, davon zehren wir heute noch."

Seither waren die Jahn-Futsaler mit ihrem Abteilungsleiter Vogel immer dabei, wenn es um die Wurst ging. Sie spielten in jeder Endrunde mit, den Titel konnten sie bisher allerdings nicht mehr holen. Doch die nächste Chance wartet bereits. An diesem Donnerstag um 11 Uhr starten die Regensburger mit der Vorrundenpartie gegen die TSG 1846 Mainz-Bretzenheim in die Meisterschaftsendrunde 2020. "Unser Ziel ist das Halbfinale", sagt Vogel. Gegen ein weiteres Spiel hätte er aber natürlich auch nichts einzuwenden. Nur so richtig einschätzen kann er noch nicht, was auf seinen Jahn zukommt. Das Turnier startet wie die Entscheidungen in allen anderen Sportarten in diesen Tagen unter geänderten Vorzeichen: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zieht die Endrunde nun nicht über Wochenenden hinweg durch, sondern lediglich bis Sonntag. Gekickt wird in der Sportschule Wedau in Duisburg - mitsamt Hygienekonzept und ohne Fans natürlich. "Ich kann auch nur unsere Spiele in der Halle anschauen", sagt Vogel. Die Teams ziehen sich in eigenen Kabinen um und nutzen eigene Eingänge zur Halle.

Seit vier Wochen trainieren die Jahn-Futsaler wieder, anfangs hat es noch etwas gehapert nach der fast halbjährigen virusbedingten Pause, in der die Hallensportart ruhen musste. "Die erste Trainingseinheit war eine Katastrophe", berichtet Vogel mit einem Lachen. Nach und nach saßen die Spielzüge aber wieder, das Team kennt sich zu großen Teilen seit Jahren. Es ist als Zweiter der abgebrochenen Regionalliga Süd das einzige bayerische unter den zehn Qualifizierten. "Wir versuchen, Bayern bestmöglich zu vertreten", sagt Roth. Aus der eigenen Liga kommt noch der Titelverteidiger TSV Weilimdorf (Stuttgart) dazu, der im Viertelfinale am Freitag einsteigt und wie der letztjährige Finalgegner HSV Panthers erneut zu den Favoriten gehört.

Am Mittwochnachmittag kamen die Oberpfälzer am Spielort an - sie hatten die weiteste Anreise dorthin. Nun wartet im besten Falle täglich ein K.o.-Spiel auf sie. Vorbereitet haben sie sich dafür zum Beispiel mit drei eng getakteten Trainingseinheiten von vergangenem Donnerstag bis Samstag. Im schlechtesten Falle müssen sie nun nach einer Partie wieder abreisen. Nicht nur diese Unsicherheit erschwert die Bedingungen. Die Regensburger können sich eigentlich auch nur auf die ersten beiden Gegner vorbereiten, der Rest ergibt sich im Turnierverlauf. Spielertrainer Lucas Silveira Kruel hat zumindest die Mainzer per Video studiert. Es sind vor allem gelernte Fußballer, was sie von Kickern wie Kruel unterscheidet, der in Brasilien mit dem Hallensport Futsal aufgewachsen ist.

Auch er, der damals Costa als Personal Trainer coachte, war vor drei Jahren mit von der Partie. Dieser Geist von 2017 - irgendwie soll er in Duisburg dabei sein. "Natürlich spielt das immer mit", sagt Roth. "Wir wollen irgendwann mal wieder da hin, um das Ding zu gewinnen." Eine Kernkompetenz dafür brachte Kruel jüngst im Training auf den Punkt: "Es muss einfach unglaublich schwer sein, uns zu schlagen."

Trotzdem gehen die Jahn-Futsaler anders als vor drei Jahren dieses Mal nicht favorisiert in die Endrunde. "Da muss schon sehr, sehr viel zusammenkommen, dass wir da gewinnen", sagt der Teammanager Roth. Seine Regensburger treten mit dem wohl kleinsten Kader zum Blitzturnier an, zwei Torhüter und acht Feldspieler sind dabei, was auch heißt: Vier Spieler fehlen aus Berufs- und Verletzungsgründen. Das kommt im Futsal dem Wegfall eines ganzen Blocks gleich, der beim Wechseln fehlt. Recht viel durchgeschnauft wird also eher nicht. "Vielleicht können wir dann von der Luft her in einem Finale gar nicht mehr", mutmaßt Roth. Er hat allerdings auch etwas vorgesorgt: Zwei Physiotherapeuten sollen seine Spieler nach den Partien wieder flink fit pflegen, um sich so eine kleine Resthoffnung auf den Sieg in Duisburg zu erhalten.

© SZ vom 13.08.2020

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