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Fußballprofis:Angstzustände und depressive Symptome

Laut einer Studie der Fußballer­gewerkschaft Fifpro hat sich die Zahl der betroffenen Fußballer seit der Corona-Krise verdoppelt. Besonders hart trifft es junge Profis im Ausland.

Von Javier Cáceres, Berlin

Die internationale Fußballergewerkschaft Fifpro sorgt sich im Zuge der Corona-Pandemie über die Zunahme von Angstzuständen und depressiver Symptome unter Fußballprofis. Man sei sich darüber im Klaren, dass in der breiten Öffentlichkeit das Bild von millionenschweren Superstars dieser Sportart vorherrsche, und man sei sich auch bewusst, dass Arbeiter aus anderen Branchen unvergleichlich größeren Belastungen ausgesetzt seien, etwa aus dem Gesundheitswesen, erklärte der Fifpro-Generalsekretär Jonas Baer-Hoffmann am Montag. Doch längst nicht alle Profis verdienen so viel Geld wie die jüngsten Weltfußballer Cristiano Ronaldo (Juventus Turin), Lionel Messi (FC Barcelona) oder Luca Modric (Real Madrid). Sondern sie sind viel näher an der gesamtgesellschaftlichen Realität als viele glauben.

Schon Ende des vergangenen Jahres hatte die Fifpro eine Studie begonnen, um die mentale Gesundheit der Fußballprofis zu ermitteln, nun hat man sie nach dem Ausbruch der Pandemie neu aufgesetzt - weltweit. In 16 Ländern (Deutschland war im Gegensatz zu Frankreich, England oder die Niederlande nicht dabei) wurden 1602 Profifußballer befragt. Rund 13 Prozent der 1 134 männlichen Spieler und 22 Prozent der 468 Fußballerinnen hätten depressive Symptome angezeigt. Über Angstzustände klagten 18 Prozent der weiblichen und 16 Prozent der männlichen Profis. Das seien doppelt so viele wie noch vor Ausbruch der Pandemie, als die Werte sich weitgehend im Einklang mit den gesamtgesellschaftlichen Zahlen befanden.

Die Studie wurde von Vincent Gouttebarge geleitet, Assistenzprofessor am Akademischen Medizinzentrum von Amsterdam. Er gab zu bedenken, dass von heute auf morgen "junge, gesunde Menschen mit sozialer Isolation, der Unterbrechung ihres Arbeitslebens und Zukunftszweifeln umgehen" müssten. Besonders hart träfe es junge Profifußballer, die mitunter fern ihrer Heimatländer und Familien mit wirtschaftlichen Unwägbarkeiten zurecht kommen müsste, verdeutlichte der medizinische Berater der Fifpro.

Deren Generalsekretär Baer-Hoffmann sagte, aus den Ergebnissen der Studie folge kein Plädoyer für eine rasche Neuaufnahme des Spielbetriebs, der im Grunde weltweit unterbrochen ist. An eine Rückkehr zu Fußballspielen könne nur gedacht werden, wenn ein "sicheres Umfeld" gewährleistet sei, in dem sich die Fußballer wohl und sicher fühlen. Positiv sei, dass vielen Fußballern seitens ihrer Klubs bereits jetzt psychologische Hilfe angeboten werde. Auch die Fifpro gehe proaktiv auf die Fußballer zu - nicht zuletzt, um ihnen die Scheu zu nehmen, psychische Probleme einzugestehen, die durch die Coronakrise aufgetreten seien. Darunter würden auch ganz praktische Alltagshilfen fallen, von Ratschlägen zur Bekämpfung von Schlafstörungen bis zu Kochtipps.

© SZ vom 21.04.2020
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