bedeckt München

Fußballpolitik:Überraschender Rückzug

FILE PHOTO - FIFA executive committee member Sheikh Ahmad Al-Fahad Al-Sabah attends Extraordinary Congress in Zurich

Die Fifa und ihre Funktionäre: Gegen Al Sabah ermittelt das FBI.

(Foto: Arnd Wiegmann/Reuters)

Der mächtige sportpolitische Strippenzieher Al Sabah zieht sich mit sofortiger Wirkung von allen seinen Ämtern im Weltfußball zurück. Der Grund sind die FBI-Ermittlungen in den USA.

Die FBI-Ermittlungen in den USA haben einen der mächtigsten Strippenzieher der Sportpolitik ins Wanken gebracht: Scheich Ahmad Al Fahad Al Sabah (Kuwait) tritt mit sofortiger Wirkung von allen seinen Ämtern im Weltfußball zurück. Der 53-Jährige reagiert damit auf die Vorwürfe, er sei ein "Mitverschwörer" im Korruptionsskandal um Guams früheren Verbandsboss Richard Lai. "Ich weise das energisch zurück und arbeite mit den Behörden zusammen, um diese für mich total überraschenden Anschuldigungen zu widerlegen", schrieb Al Sabah in einer von der BBC veröffentlichten Stellungnahme. Dennoch zog er "im besten Interesse" der Fifa seine Kandidatur zur Wiederwahl ins Fifa-Council zurück - beim Weltverband und der asiatischen Konföderation AFC will Al Sabah erst wieder tätig sein, "wenn die Vorwürfe widerlegt sind".

Diese wiegen aber schwer. Lai hatte sich in den USA der Annahme von Bestechungsgeldern in zwei Fällen schuldig bekannt. Insgesamt erhielt der US-Bürger, der seit 2001 Fußballchef der Pazifikinsel war, rund 950.000 Dollar. Bezahlen lassen hatte sich Lai über Jahre auch, um den Mitverschwörern (drei davon kommen mutmaßlich aus Kuwait) zu mehr Einfluss in der AFC zu verhelfen und weitere "empfängliche" Funktionäre zu identifizieren. Von wem das Geld für Lai stammte, veröffentlichte die New Yorker Staatsanwaltschaft zwar nicht - die Beschreibungen der insgesamt vier "Co-Conspirator" in der Anklageschrift weisen aber auch deutlich auf Al Sabah hin. "Zu verschiedenen, relevanten Zeitpunkten war Mitverschwörer Nummer zwei ein hochrangiger Funktionär bei der Fifa, dem Fußballverband von Kuwait und Asiens Olympischem Rat (...)", steht in dem Dokument ("Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen Richard Lai"). Es gibt nicht viele Funktionäre, die so weit gekommen sind.

Zu seinen Ämtern in Asiens Olympischem Rat (AOC) und in der Vereinigung der olympischen Spitzensportverbände (ANOC), der Al Sabah sogar vorsitzt, äußerte sich der Scheich zunächst nicht. Bei der Wahl von Thomas Bach zum IOC-Präsidenten 2013 galt Al Sabah mit seinem Einfluss als "Königsmacher". Der Rückzug aus dem Fußball am Sonntag kam überraschend, und es war vielleicht ein taktisches Manöver. Die Fifa-Ethikkommission hatte im Fall Lai umgehend auf die Nachrichten aus den USA reagiert und den 55-Jährigen provisorisch gesperrt. Al Sabah selbst hatte die Fifa-Ermittler umgehend angeschrieben und sich für eine Befragung zur Verfügung gestellt, sagte ein IOC-Sprecher - allerdings bevor der Rücktritt des Scheichs bekannt wurde. Fifa-Präsident Gianni Infantino nahm Al Sabahs Schritt zur Kenntnis und dankte ihm für "diese sicher nicht einfache Entscheidung".

Anzeige gegen Infantino

Gegen Gianni Infantino selbst ist anscheinend erneut eine Anzeige bei der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes erstattet worden. Das berichtet "Der Spiegel". Ein formelles Verfahren ist von den Ermittlern aber nicht eröffnet worden. "Es läuft derzeit keine Untersuchung gegen den Fifa-Präsidenten", teilte ein Kammersprecher dem SID am Samstag mit. In der Anzeige geht es laut Spiegel um die Präsidentschaftswahl des afrikanischen Kontinentalverbandes CAF, die von Infantino, 47, angeblich beeinflusst worden sein soll. Die Wahl hatte Mitte März Ahmad Ahmad, 57, aus Madagaskar gewonnen, der damit den bisherigen Amtsinhaber Issa Hayatou, 70, ablöste. Der Kameruner hatte die Afrika-Konföderation seit 1988 angeführt. Infantino soll im Wahlkampf zu viel Stimmung für den späteren Sieger Ahmad gemacht haben, unter anderem auf einer Party in Simbabwes Hauptstadt Harare. Das wäre ein Verstoß gegen den Ethikkodex, der politische Neutralität vorschreibt. Wer die Anzeige gestellt hat, ist offen.

© SZ vom 30.04.2017 / SID
Zur SZ-Startseite