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Fußballer Philipp Wollscheid:"Es ist ein brutal schnelllebiges Geschäft"

Schon im Sommer hatte er Angebote vorliegen, auch aus England. Es zog sich alles hin. Erst nach dem zweiten Spieltag schloss er sich schließlich als Leihspieler dem FSV Mainz an, doch mehr als fünf Spiele machte er dort nicht. Nur zwei über 90 Minuten. Ein Muskelfaserriss hatte ihn gleich zum Tribünenhocker degradiert. Er wechselte nach der Hinrunde zu Stoke City. "Es ist ein brutal schnelllebiges Geschäft", sagt Wollscheid.

Als Getriebener der Branche oder seines Agenten sieht er sich aber nicht. Er habe selbst entschieden, wo er spielt, "ich habe mich von niemandem etwas dirigieren lassen", sagt Wollscheid. Er hatte sich lange mit Mark Hughes unterhalten, dem Trainer von Stoke City. Der frühere Bayern-Profi habe ihn überzeugt, weil er spürte, dass dessen Interesse ein ehrliches war. Wollscheid sagt: "Ich hatte von Beginn an ein gutes Gefühl."

Wegen seiner Grätschen ein Liebling der Fans

Und es hatte ihn nicht getäuscht. Er ist Stammspieler, ein Liebling der Fans, weil er auch die astreine Grätsche im Repertoire hat. Das kommt an in England. Sein Trainer schätzt, dass er zudem einen Spielzug mit einen schönen Pass eröffnen kann. "Ich kann mir vorstellen, hier länger zu bleiben", sagt Wollscheid.

Die Stoke-Verantwortlichen können ihn für rund 3,8 Millionen Euro kaufen, bis 2017 ist er noch vertraglich an Leverkusen gebunden. Doch der 26-Jährige ist vorsichtig geworden. Er weiß, dass es Ende Juni schon wieder vorbei sein kann. Wollscheid würde sicher auch zurück in die Bundesliga gehen, auch Spanisch lernt Wollscheid seit einiger Zeit. Oder in der Premier League bleiben?

Der englische Fußball kommt ihm entgegen. Die Schiedsrichter lassen in den Zweikämpfen mehr durchgehen. Manchmal wundert er sich beim Videostudium anschließend selbst noch, "dass in manchen Szenen kein Foul gepfiffen worden ist", wie er sagt. Wollscheid lebt wie die meisten seiner Klubkollegen im südlichen Teil von Manchester, das eine Zugstunde entfernt ist. "Eine Stadt mit einer schönen Fußgängerzone", schwärmt er. Ihn zieht es trotzdem häufig nach London.

Seine deutschen Kollegen wie Per Mertesacker oder Mesut Özil trifft er dort aber nur auf dem Rasen. Es sind die Spiele gegen den FC Arsenal oder neulich gegen den FC Chelsea, die er herbeisehnt. Die großen Matches, die große Bühne, sie fehlt Philipp Wollscheid.

© Süddeutsche.de/sonn
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