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Fußball-WM: Trends:3. BALLBESITZ

Argentina v Germany: 2010 FIFA World Cup - Quarter Finals

In Ballbesitz: Bastian Schweinsteiger hat eine formidable Zweikampfquote und sehr gute Passwerte.

(Foto: getty)

3. BALLBESITZ

Viele Wege führen nicht nur nach Rom oder Johannesburg - sondern auch: ins Tor. Bei Deutschland sind Zickzack-Konter ein wichtiges Instrument im Werkzeugkasten, zuweilen aber zeigt die Elf auch längere Passketten, und das sieht dann fast ein wenig wie van-Gaal-Fußball aus, obwohl die DFB-Elf anders spielt, oft direkter und schneller Wege in die Tiefe sucht. Schweinsteiger, die Schlüsselfigur, zieht aber mit derselben Präsenz und Passqualität wie in München die Fäden. Löw sieht im einfachen Fußball den genialen: Wer passt, bleibt in der Vorwärtsbewegung, bietet sich sofort wieder tief an - weiter geht's. Auch die Fitness dafür ist vorhanden.

Lange galten Konterüberfälle und englischer Turbofußball als Vorbild. Teams wie Spanien (EM-Titel 2008), Barcelona und FC Bayern haben als zweiten Weg den ausgiebigen Ballbesitz wieder salonfähig gemacht, auch Brasilien und Argentinien zeigten Ansätze davon. "Den Ball zu haben ist die beste Verteidigung", findet Andrés Iniesta, Spanien - und führt im Idealfall zu Lösungen, wie man spielerisch Abwehrbollwerke knackt. Spanien gelang das, nach 61 Minuten zähen Bohrens, beim 1:0 gegen Portugal: Plötzlich war sie da, die Lücke. Tausendmal nix passiert, und dann über neun Stationen: Tikitaka, Tor. Weil sie stiltreu blieben.

Solch ein Angriffsspiel zu studieren, ist im Training viel schwieriger als Verschieben und Zerstören zu schulen. Aufbaukurse über Monate sind nötig, zumal die Beherrschung des Spielgeräts im Fußball viel mehr Präzision voraussetzt als in anderen Sportarten. Trotzdem lohnt es sich wieder, auch das Spiel mit Ball zu planen. Die DFB-Elf zeigt, dass sogar Nationalteams - mit klaren Vorgaben - ein internes Verständnis erreichen können, das fast an Vereins-Kollektive erinnert.