Fußball-WM: Spanien - Deutschland:Müller fehlt

Lesezeit: 4 min

Was der Mannschaft fehlte, ist in zwei Wörtern gesagt: Thomas Müller. Nicht, dass sein Vertreter Piotr Trochowski schlecht spielte, er zwang sogar nach gut einer halbe Stunde mit einem Fernschuss Spaniens Torwart Iker Casillas zu einer schönen Parade. Doch Trochowski fehlt meist das Unberechenbare, das Kantige von Thomas Müller, der dem deutschen Spiel zuletzt immer wieder die besondere Note gegeben hatte. Jene Note, die Beobachter in der ganzen Welt zunächst erstaunt und dann bezaubert hatte.

WM 2010: Deutschland - Spanien

Knuddeleien für den Toschützen: Es war nicht David Villa, sondern Carles Puyol, der den Siegtreffer für Spanien erzielte.

(Foto: ag.ddp)

Spanien blieb engagierter, selbstbewusster, sicherer, auch in der zweiten Halbzeit, in der die Auswahl einen ganz eigenen Zauber entfaltete: Es war der Zauber des Seitlich-rechts-Vorbeischießens. Xabi Alonso machte aus 20 Metern den Anfang (50. Minute), David Villa setzte die Serie aus 18 Metern fort (55. Minute), während den Deutschen nicht viel mehr einzufallen schien, als darauf zu hoffen, dass auch weiterhin jeder Schuss der Spanier rechts am Tor vorbeizischen würde. Immerhin, Iniesta schoss nach 58Minuten so weit nach rechts, dass der Ball fast parallel zur Torlinie rollte und gleich mehrere Spanier zu spät kamen, um die gewünschte Richtungsänderung gen Netz zu bewirken. Es folgte, in der 59. Minute, ein Schuss von Pedro, der rechts am Tor der Deutschen vorbeiflog.

Die Spanier waren drückend überlegen, das Ganze erinnerte nun zunehmend an das EM-Finale von 2008, das sie 1:0 gegen die Deutschen gewonnen hatten, ohne dass diese zu einer Torchance gekommen waren. Die Spanier gaben die Kugel nicht mehr her, und das war nicht ein bisschen unfair, wie man aus deutscher Sicht bemängeln könnte, das war ganz einfach sehr guter Fußball.

Doch die deutsche Elf von 2010 hatte sich geschworen, ganz anders als zu sein als die von 2008. Nie wieder wollten sie so vorgeführt werden, und also reagierte die Elf von 2010: Mesut Özil spielte Lukas Podolski auf dem linken Flügel frei, der flankte mit viel Gefühl auf den eingewechselten Toni Kroos, und der fand sich frei vor dem Tor, acht Meter Entfernung - doch sein Volleyschuss prallte ab vom Körper von Iker Casillas.

Wie Spanien dann zum Torerfolg kam, musste den Deutschen als schlechte Pointe erscheinen. Carles Puyol wuchtete den Ball nach einer Ecke per Kopf ins Tor (73.); alles Schönspielen hatte keinen Erfolg gebracht, und so war es ein Verteidiger, der dieses Halbfinale nach einer Standardsituation zugunsten der besseren Elf entschied.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema