Dramatisches Elfmeterschießen:Marokko schießt Spanien aus der WM

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Dramatisches Elfmeterschießen: Wird vom ganzen Team gefeiert, nachdem er zwei Elfmeter gehalten hat: Marokkos Torwart Bono.

Wird vom ganzen Team gefeiert, nachdem er zwei Elfmeter gehalten hat: Marokkos Torwart Bono.

(Foto: Robert Michael/dpa)

Als letzte afrikanische Mannschaft steht Marokko im Viertelfinale: Gegen dominierende, aber unkreative Spanier rettet sich das Team zunächst ins Elfmeterschießen- und setzt sich dort am Ende durch.

Das Überraschungsteam Marokko hat in Katar auch den ehemaligen Weltmeister Spanien besiegt und steht nun zum ersten Mal im Viertelfinale einer Fußball-WM. Nach 120 hochspannenden aber torlosen Minuten gewannen die Nordafrikaner am Dienstag im Elfmeterschießen mit 3:0. Ihr Torwart Bono vom FC Sevilla hielt im Education-City-Stadion von Doha zwei Elfmeter, zudem traf der Spanier Pablo Sarabia nur den Pfosten.

Marokko ist erst das vierte afrikanische Land, das es bei einer Weltmeisterschaft unter die besten acht Teams geschafft hat. Das gelang vorher nur Ghana 2010, Senegal 2002 und Kamerun 1990. In der Vorrunde dieses Turniers hatte das Team des Bayern-Profis Noussair Mazraoui und des ehemaligen deutschen U21-Nationalspielers Abdelhamid Sabiri bereits den WM-Zweiten Kroatien und den WM-Dritten Belgien hinter sich gelassen.

Die Spanier dagegen waren bereits im WM-Achtelfinale 2018 (gegen Russland) und im EM-Halbfinale 2021 (gegen Italien) jeweils im Elfmeterschießen gescheitert. Die Mannschaft hatte schon mit der 1:2-Niederlage im letzten Gruppenspiel Zweifel genährt, ob es wirklich zu den ganz Großen dieses Turniers gehören wird.

Die Spanier stürmten wie schon zu Turnierbeginn mit Dani Olmo von RB Leipzig, Marco Asensio von Real Madrid und Ferran Torres vom FC Barcelona. Und sie spielten in ihren hellblauen Ausweichtrikots gegen eine lautstarke marokkanische Mehrheit auf den Rängen an, die die Iberer gnadenlos auspfiff. Marokko zog sich weit zurück mit einer dichten Fünfer-Reihe im Mittelfeld vor der Vierer-Abwehrkette. Ein umstrittener Freistoß, getreten vom Ex-Dortmunder Achraf Hakimi knapp über die Latte, war die erste nennenswerte Offensiv-Aktion.

Die bekanntermaßen gefährliche rechte Seite des Außenseiters mit PSG-Profi Hakimi und Hakim Ziyech vom FC Chelsea deckte vor allem Routinier Jordi Alba als Rückkehrer in der spanischen Startelf erst mal gut zu. Vor der Pause suchte La Roja lange vergeblich Lücken in der Defensive der Nordafrikaner. Die Jungstars Gavi und Pedri taten sich im offensiven Mittelfeld schwer. Nur Asensio mit einem Schuss ans Außennetz erschreckte die Marokkaner.

Gavi setzte aber unabhängig vom Spielverlauf eine bemerkenswerte Marke: Das Supertalent vom FC Barcelona ist nun der jüngste Startelf-Spieler in einem K.o.-Duell bei einer WM seit Pelé 1958. Der legendäre Brasilianer war damals, als seine Mannschaft 5:2 gegen Gastgeber Schweden gewann, 17 Jahre und 249 Tage alt. Gavi lief nun mit 18 Jahren und 123 Tagen auf. Gleichzeitig zog der 34 Jahre alte Kapitän Sergio Busquets mit seinem 17. WM-Spiel für Spanien mit Iker Casillas und Sergio Ramos gleich.

Den Marokkanern brach zum Schluss die halbe Abwehr weg

Zunehmend mutiger setzten die Marokkaner die Akzente: Außenverteidiger Mazraoui vom FC Bayern mit einem scharfen Schuss und Nayef Aguerd mit einem Kopfball sorgten für Gefahr für das Tor von Unai Simon. Auch nach der Pause tat das Team von Trainer Walid Regragui enorm viel dafür, dass die sechste WM-Teilnahme ihres Landes an diesem Abend nicht zu Ende geht.

Spaniens Chefcoach Luis Enrique verzog derweil an der Seitenlinie ein ums andere Mal das Gesicht, weil die Angriffe des EM-Halbfinalisten von 2021 stockten. Bei einem indirekten Freistoß aus spitzem Winkel musste Marokkos Torhüter Bono dann die Fäuste hochreißen, als Olmo abzog. Alvaro Morata kam dann mit der Empfehlung von drei WM-Toren in Katar als frische Sturmspitze für den ausgelaugten Gavi.

Auch der eingewechselte Nico Williams verstärkte noch den Druck, zumal den Marokkanern in der Schlussphase der regulären Spielzeit die halbe Abwehr wegbrach: Der Münchner Mazraoui und West-Ham-Profi Aguerd konnten nicht mehr weiterspielen. Doch die Marokkaner kämpften weiter aufopferungsvoll und hatten Glück, dass der Spanier Sarabia in der Nachspielzeit der Verlängerung nur den Pfosten traf. Im Elfmeterschießen scheiterten die Spanier dann an ihren Nerven.

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