USA gegen Iran:Pulisic findet den Schlüssel

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USA gegen Iran: Der entscheidende Treffer: Christian Pulisic setzt sich durch, prallt kurz darauf jedoch mit Irans Torwart Ali Beiranvand zusammen - und muss verletzt aufhören.

Der entscheidende Treffer: Christian Pulisic setzt sich durch, prallt kurz darauf jedoch mit Irans Torwart Ali Beiranvand zusammen - und muss verletzt aufhören.

(Foto: Sipa USA/Imago)

In einem politisch aufgeladenen Spiel setzen sich die USA 1:0 gegen Iran durch. Die große Frage ist nun, was nach ihrer Heimreise mit den iranischen Fußballern passiert.

Von Holger Gertz, Doha

Auch eine hochpolitische Weltmeisterschaft kennt immer noch Steigerungen, was die Politisierung angeht. Das letzte Spiel in Gruppe B brachte im Duell um den Achtelfinaleinzug die Mannschaft aus Iran in Berührung mit dem Team aus den USA, sportlicher Erzrivale und politischer Feind des Mullah-Regimes - seit 1980 liegen die diplomatischen Beziehungen auf Eis. Der Sieger waren schließlich die USA, mit einem 1:0, das das Weiterkommen sicherte.

Schon vor diesem geopolitischen Clásico hatte es die entsprechende Aufregung gegeben, der US-Verband postete die Iran-Flagge ohne kalligrafisches Zeichen für das Wort "Allah" - angeblich als Bekenntnis der Solidarität mit den protestierenden Frauen in Iran. Der Fußballverband Irans beschwerte sich bei der Fifa, und während der Pressekonferenz vor dem Spiel hatte US-Trainer Gregg Berhalter, früher Profi in Cottbus und bei 1860 München, eine Art Entschuldigung in den Raum gestellt: "Ich kann nur wiederholen, dass die Spieler und der Staff nichts von dem wussten, was gepostet wurde." Und: "Manchmal liegen die Dinge außerhalb unserer Kontrolle" - eine über dieses Spiel und über diese Weltmeisterschaft hinausweisende Erkenntnis.

Würden die Iraner bei der Nationalhymne im Al-Thumama-Stadion schweigen, wie im ersten Gruppenspiel? Oder würden sie, doch wohl unter dem Druck des Regimes, mitsingen wie im zweiten? Die Deutung der Ereignisse beginnt bei einer hochpolitischen Weltmeisterschaft schon lange, bevor der Ball rollt, und die Signale, die noch vor dem Anpfiff gesetzt werden, sind mindestens so weitreichend wie die auf dem Platz. Die Iraner sangen, aber sie sangen leise, dann begann das, was vorab Showdown genannt wurde. Es ließ sich aber dann doch erstmal an wie ein Fußballspiel, natürlich ein spezielles.

Die Amerikaner machen es geschickt und lassen den Druck nicht zu groß werden

Die Amerikaner zunächst im Vorteil. Irans Trainer Carlos Queiroz hatte seinen Torwart gewechselt. Für Hossein Hosseini kam, nach seiner Kopfverletzung im Auftaktspiel gegen England, Alireza Beiranvand zurück, ein spindeldürrer Mensch in Neongrün, der aber imstande ist, die Kugel bis weit in die gegnerische Hälfte zu werfen. Diese Gelegenheit ergab sich vorerst nicht, Beiranvand wurde von den Amerikanern warmgeschossen, aber auf eher fürsorgliche Art. Kopfball von Christian Pulisic (11. Minute), Flanke Sergiño Dest (17.), Kopfball Timothy Weah nach einem abgeblockten Versuch von Josh Sargent (27.) - Beiranvand war jeweils da.

Die Amerikaner - sie brauchten einen Sieg fürs Achtelfinale - waren noch nicht zwingend, ließen aber kein bisschen nach in ihren Bemühungen, suchten beharrlich nach dem Schlüssel und fanden ihn in der 38. Minute. Diagonalball von Weston McKennie, rechts raus zum starken Dest, der mit einer Kopfballflanke nach innen, Pulisic brachte den Ball aus kurzer Distanz an Beiranvand vorbei zum verdienten 1:0 für die entschlosseneren Amerikaner. Die waren dann kurz vorm Halbzeitpfiff auch der Vorentscheidung nahe, aber der steil geschickte Weah stand knapp im Abseits. Zuvor war Pulisic bei seinem Tor mit Beiranvand zusammengeknallt. Nach der Pause konnte er wegen einer Bauchverletzung nicht weitermachen, sein Einsatz im Achtelfinale ist gefährdet.

Iran musste etwas tun, um zum ersten Mal in ihrer Fußballgeschichte ein WM-Achtelfinale zu erreichen, sie entwickelten jetzt einen gewissen Druck nach vorne und suchten ihrerseits den Schlüssel. Saman Ghoddos übers Tor (65.), Saeid Ezatolahi übers Tor (70.). Aber die Amerikaner machten es geschickt, ließen den Druck nicht zu groß werden. "Manchmal liegen die Dinge außerhalb unserer Kontrolle" - Coach Berhalters Satz sollte nicht für dieses Spiel gelten. Nochmal Iran, in der dritten Minute der Nachspielzeit, die allergrößte Chance, Morteza Pouraliganji nach einem Freistoß: Beinahe am Boden liegend beförderte er den Ball knapp am linken Pfosten vorbei. Und schließlich wurde Taremi von Carter-Vickers im Strafraum leicht gehalten, den Elfmeter bekam er nicht. Das wird noch Diskussionen geben.

Die Amerikaner sind weiter, 1:0, Iran ist draußen. Zu einer hochpolitischen Weltmeisterschaft gehört, dass die Fragen danach relevanter sind als alle Fragen, die die Partie selbst aufwirft. Nachdem die Iraner aus Sicht der Protestierenden zuhause bei der WM zu angepasst aufgetreten sind, aus Sicht des Regimes aber zu aufrührerisch - was wird jetzt aus den Fußballern? Es ist eine bedrohlich ernste Frage, am Ende eines Fußballspiels.

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