Fußball-WM in Brasilien:England erwartet ein schrecklicher Sommer

Doch von Suárez war wenig zu sehen. Etwas weniger sogar noch als von Wayne Rooney, der ebenfalls eher dezent im Hintergrund wirkte. Zunächst. Wenn die Engländer jemand spielerisch nach vorne trieb zum Auftakt, dann war es Raheem Sterling mit seinen Sturmläufen, mal durch die Mitte, doch meist über rechts. Doch erstmals gefährlich wurde es erst, als sich Rooney zurecht machte für einen Freistoß, nach zehn Minuten.

Rooney stemmte also die Hände in die Hüften, er schnaufte dreimal tief durch, dann lief er an, zog ab, und der Ball: ganz knapp über die Latte. Gar nicht schlecht. Andererseits wünscht man keinem das, was Rooney in diesen Tagen widerfährt. Mit 39 Treffern ist er der fünftbeste Schütze der englischen Länderspiel-Historie, doch die Medien richteten ihn schon vor der Pleite gegen Uruguay mal wieder gnadenlos. Also probierte es Rooney erneut.

Diesmal, es lief die 30. Minute, nahm er noch mehr Anlauf, er schraubte sich in die Lüfte nach einem Eckball von Steven Gerrard, dann hämmerte er seinen Schädel gegen Ball, doch die Distanz zum Tor war fürchterlich knapp bemessen, weswegen der Ball nur gegen die Latte flog. So lief es für Rooney in der ersten Hälfte, gefährlich war er nur bei zwei Standardsituationen. Dabei hatte ihn Trainer Hodgson im Vergleich zur ersten Partie vom Flügel zurück verlagert auf seine Lieblingsposition hinter Stürmer Sturridge, doch gestalterisch fehlte ihm die Bindung ans Spiel.

Und dann schlug Luis Suárez erstmals zu. Nicolas Lodeiro umkurvte im Mittelfeld Gerrard, dann passte er nach vorne auf Edinson Cavani. Und Cavani ließ sich jetzt Zeit. Sehr viel Zeit. Er wartete auf Suárez, den sie in der Heimat "El Pistolero" nennen, denn er wusste: El Pistolero wird noch weiter nach vorne stürmen. So war das auch. Suárez lief, er köpfte, er traf (38.).

Wer nun dachte, England würde nach der Pause wie eine Furie den Ausgleich suchen, der sah sich zunächst getäuscht. Suárez versuchte Englands Torwart Joe Hart mit einem direkt getretenen Eckball zu überlisten (49.), dann vergab Cavani freistehend vor Hart, wenngleich aus spitzem Winkel (52.). Der Rest ist Geschichte. Erst traf Wayne Rooney, dann abermals Luis Suárez.

"Es könnte ein schrecklich langer, frustrierender Sommer werden, wenn wir es am Donnerstag nicht richtig machen", hatte Englands Kapitän Gerrard prophezeit. Und Roy Hodgson befand: "Ein ganz schlechtes Resultat für uns. Jetzt müssen wir darauf hoffen, dass Italien beide Partien gewinnt." Tja. Aller Wahrscheinlichkeit nach erwartet die Engländer eher ein schrecklicher Sommer. Obwohl Rooney diesmal ziemlich viel richtig machte.

© SZ vom 20.06.2014/bero
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