Uruguay-Pleite gegen Costa Rica:Technische Pannen aller Art

Uruguay rannte zwar nicht pausenlos an, zeigte aber die strukturierteren Angriffe. Als eine weite Freistoßflanke zu Kapitän Diego Lugano unterwegs war, purzelte der plötzlich unsanft auf die Nase. Der in Mainz aktive Costaricaner Junior Díaz hatte einen grotesken Ringergriff angewendet, den der deutsche Referee Felix Brych korrekterweise ahndete. Es gab Elfmeter, Cavani erklärte die Gelegenheit zur Chefsache und verwandelte resolut (24.) zum 1:0.

Die Überlegenheit der Südamerikaner stand nun auch in Form von Zahlen auf der Anzeigetafel. Die Partie war weiterhin nicht unbedingt ein Glanzstück, doch sie blieb umkämpft und Costa Rica durfte sogar zweimal luftig angreifen. Erst prügelte der junge Angreifer Joel Campbell ein Torpedo-Geschoss aus 30 Metern knapp vorbei, dann versuchte sich Alvaro Gonzalez nach einem Freistoß aus dem allgemeinen Gestocher.

Die größte Attraktion der "Ticos" blieb jedoch ein Mann, den allein sein Name auszeichnete: Mittelfeldrenner Yeltsin Tejeda. Auf jogo bonito verzichteten beide Teams großzügig - das Geschehen prägten vielmehr technische Pannen aller Art.

Mal versprang die Kugel, dann kullerten simpelste Zuspiele zum Gegner, im Fall von Costa Rica bewährte sich zudem die Kerze als Stilmittel. Schön sah das selten aus, zumal hier wie da auch Sinn fürs grobe Grätschwerk herrschte. Aber irgendwie bissen sich die Costa Ricaner immer mehr hinein.

Uruguayischer Untergang

Einen Kopfball aus kürzester Distanz von Abwehrmann Duarte konnte Uruguays Keeper Fernando Muslera gerade noch abwehren, doch in der 55. Minute war er tatsächlich machtlos: Ein himmelhoher Flankenball flitzte über alle Köpfe hinweg und landete genau vor den Füßen von Campbell. Dessen linker Hieb sauste mit geradezu deutscher Geradlinigkeit ins Tor - es stand 1:1 und Uruguay wunderte sich arg.

Es sollte nicht der letzte verwirrende Moment für den Favoriten sein. Nur wenige Momente später erlebte die Partie die nächste krachende Pointe: Costa Ricas Dänemark-Legionär Christian Bolanos zwirbelte einen Freistoß in den Sechzehner, wo zur allgemeinen Verwunderung wieder Duarte frei auftauchte. Per Flugkopfball verlängerte der Verteidiger zum 2:1 ins Tor - mit einem Mal steuerte dieses Duell auf ein kaum vorhersehbares Ende zu.

Die "Urus" reagierten wütend und versuchten, druckvoll zurückzuschlagen. Eine Pleite gegen die kaum bekannten Costaricaner, einen der krassesten Außenseiter dieser WM? Schwer vorstellbar, vor allem für Cavani, der es wenigstens mit Wucht versuchte und mit einem Kopfball an Torsteher Keylor Navas scheiterte (70.).

Und doch passierte das Unmögliche: Ein Steilpass von Campbell fand den eingewechselten Ureña, der Muslera noch ein weiteres Mal überwand. Das 3:1 (84.) und eine überaus verdiente rote Karte für Uruguays sensenden Verteidiger Maxi Pereira (90.) besiegelten den uruguayischen Untergang. Costa Rica erlebte dagegen einen Turnier-Beginn, der in jeder guten Fußball-Geschichtsstunde zukünftig einen Platz finden sollte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB