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Fußball-WM in Brasilien:Kameruner Spieler gehen aufeinander los

In der Folge dürften viele Zuschauer vor dem Fernseher das Backgammon-Brett ausgepackt haben. Diese Möglichkeit hatten die Stadionbesucher in Manaus nicht, sie klebten auf ihren Sitzen und atmeten die heiße, feuchte Luft, die Tempo und Kreativität der beiden Teams zu ersticken schien. Abgesehen von zwei harmlosen Distanzschüssen von Ivan Rakitic (17.) und Sammir (39.) zeigten die Kroaten bis zur Pause nichts mehr. Kamerun gelang nicht einmal das.

Was allerdings kurz vor der Halbzeit geschah, lässt sich nicht auf die klimatischen Gegebenheiten schieben: Alexander Song boxte Mandzukic auf Höhe der Mittellinie von hinten in den Rücken. Der sank danieder, als wäre Songs Faust ein Dolch, Kameruns Mittelfeldspieler musste vom Platz (40.). Die Aktion bescherte seinen Kollegen zwar eine Trinkpause; die hätten aber vermutlich lieber noch fünf Minuten bis zur Halbzeit gewartet und die zweite Hälfte vollzählig angetreten. Volker Finke - das weiße Hemd bereits durchsichtig, die Haare klitschnass - schlug die Hände vorm Gesicht zusammen.

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Kameruns Torwart Charles-Hubert Itandje hatte in der Halbzeit womöglich nicht genug getrunken. Kurz nach der Pause fehlte ihm bei einem Abstoß die Kraft, der Ball landete bei Perisic, der von der Mittellinie in den Strafraum sprintete und auch gleich noch selbst vollendete, 2:0. Nur zwei Minuten später hätte Mandzukic noch erhöhen können, doch er zielte knapp rechts vorbei (50.).

Mandzukic will weg aus München, jeder Treffer hilft ihm bei der Jobsuche. Der 28-Jährige kann daher nur hoffen, dass die Vereinsbosse in Europa in der zweiten Halbzeit nicht Backgammon gespielt haben. Denn nach seiner vergebenen Chance demonstrierte Mandzukic zunächst seine Kopfballstärke, als er einen Eckball von Pranjic freistehend über die Linie drückte. Wenig später ließ Itandje einen Schuss des eingewechselten Eduardo abprallen, Mandzukic stand bereit - 4:0.

Benjamin Moukandjo und Pierre Webo hatten in den Schlussminuten jeweils noch die Möglichkeit, wenigstens das erste Tor bei dieser WM für Kamerun zu erzielen, doch beide scheiterten.

Der ganze Frust und Twist innerhalb der Mannschaft entlud sich in einer Szene kurz vor dem Abpfff, als Moukandjo noch Opfer einer Kopfstoßattacke seines Teamkollegen Assou-Ekotto wurde. "Das ist eine Schande", sagt Finke, "ich hasse so etwas zu sehen."

Quelle: Opta

Diese Statistiken finden Sie auch schon während des Spiels im WM 2014 Live-Ticker.

Der frühere Bundesligatrainer will nun die Gründe hierfür herausfinden und kündigte bereits Konsequenzen an. Assou-Ekotto erlebte den Schlusspfiff nur auf dem Rasen, weil Schiedsrichter Pedro Proenca die offen ausgetragenen Streitereien nicht gesehen hatte. Volker Finke, sofern er Trainer in Kamerun bleibt, dürfte seinen Wunsch an den Herrgott für die Zukunft bereits formuliert haben: mehr Disziplin in seinem Team.