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DFB-Gegner Spanien:Geheimfavorit mit Potenzial für Spektakel

Frauenfußball-WM - Spanien - Südafrika

Jennifer Hermoso (li.) wurde mit 24 Treffern Torschützenkönigin in der spanischen Liga.

(Foto: dpa)
  • Spanien, der nächste Gruppengegner der deutschen Mannschaft, gilt als eine neue Macht im Fußball der Frauen.
  • Dabei hatte die spanische Nationalmannschaft bis 2015 nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen.
  • Die rasante Entwicklung ist jahrelanger Aufbauarbeit in der Jugend zu verdanken.

Querpässe sind Teufelszeug, diabólico! Je länger und langsamer man sie spielt, desto schneller landen sie beim Gegner. Diese Erfahrung mussten die deutschen Fußballerinnen beim glücklichen 1:0-Sieg zum WM-Auftakt gegen China machen, aber auch die Spanierinnen taten sich bei ihrem fragilen 3:1 gegen Südafrika schwer. Dabei spielen sie eigentlich gar keine teuflischen Querpässe, sondern "horizontales Tiki-Taka". So nennt der Trainer Jorge Vilda das kurze Querspiel - aber nicht einmal das gefällt ihm so richtig. Er sieht lieber "vertikales Tiki-Taka", das stationsreiche Spiel in die Tiefe. Man darf also gespannt sein auf die Partie der Spanierinnen gegen Deutschland, auf das Duell zweier Mannschaften, die beide nicht quer spielen wollen. Das müsste ja dann eigentlich ein Spektakel werden.

Spanien gilt als eine neue Macht in der Welt des Frauenfußballs. Dabei hatte die Nationalmannschaft bis 2015 nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen, und bis zum 3:1 gegen Südafrika am vergangenen Samstag hatte sie auch nie ein Spiel bei einer WM gewonnen. "Damit haben wir Geschichte geschrieben", sagt die Mittelfeldspielern Amanda Sampedro von Atlético Madrid. "Wir haben uns in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, sind defensiv stabiler geworden und offensiv aggressiver." Der Frauenfußball macht Fortschritte in Spanien, taktisch wie gesellschaftlich, und Sampedro schlussfolgert aus diesen Entwicklungen, die ungefähr genauso schnell gehen wie das spanische Spiel: "Wir haben das Potenzial, den WM-Titel zu gewinnen."

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Mit solchen Thesen erheben die Spanierinnen sich selbst über die Rolle eines Geheimfavoriten. Als solcher war das Team vor der WM bezeichnet worden, doch mit diesem drückenden Etikett hatte der 13. der Weltrangliste zum Auftakt gegen Südafrika eine Stunde lang richtig Probleme. Südafrika ist die Nummer 49 der Weltrangliste, von allen 24 WM-Teams ist nur Jamaika schlechter platziert. Trotzdem lagen die Spanierinnen 44 Minuten lang zurück, ehe sie zwei Elfmeter bekamen - mit dem zweiten Strafstoß gingen sie acht Minuten vor Schluss erstmals in Führung, um dann noch 3:1 zu gewinnen. Beim WM-Debüt 2015 hatten sie in den drei Gruppenspielen bloß einen Punkt geholt, die Unzufriedenheit im Team war hinterher gewaltig. Die Spielerinnen revoltierten gegen Ignacio Quereda, der damals fast 27 Jahre lang Frauen-Nationaltrainer gewesen war. Jorge Vilda übernahm.

Für den spanischen Nachwuchs war 2018 ein phänomenales Jahr

Vilda hat seitdem viel Schwung in den Frauenfußball gebracht, insofern hört es die spanische Delegation vermutlich nicht so gern, wenn der deutsche Co-Trainer Patrik Grolimund behauptet: "Der spanische Stil ist seit Jahren so ein bisschen der gleiche, den spielen die Frauen ebenso wie die Nachwuchsteams, das ist ihre DNA - aber dafür haben wir Lösungen." Die Lösungsansätze rühren dabei auch aus dem Nachwuchsbereich, dort haben sich deutsche und spanische Teams in den vergangenen Jahren immer wieder bis in diverse Endspiele hinein duelliert.

Für den weiblichen spanischen Nachwuchs war 2018 ein phänomenales Jahr: Die U20 erreichte das WM-Finale gegen Japan. Die U19 wurde zum zweiten Mal nacheinander Europameister (mit einem Finalsieg gegen Deutschland), die U17 Welt- und Europameister (Letzteres mit einem Finalsieg gegen Deutschland). Auch Vilda hat einst diese beiden Teams trainiert, bevor er 2015 Trainer des Frauenteams wurde. Mit beiden Nachwuchsteams gewann er Titel und Medaillen. Er sagt: "Im spanischen Verband haben wir eine ähnliche Spielphilosophie für alle Alterskategorien, um die Wechsel zu erleichtern." Das galt auch für ihn, es erleichterte seinen Wechsel ins Frauenteam. Der 37-Jährige ist der jüngste Trainer bei dieser WM. Sein Vater Ángel hat einst als Konditionstrainer unter Johann Cruyff beim FC Barcelona gearbeitet, unter Jupp Heynckes bei Real Madrid sowie unter Luis Aragonés bei Atlético Madrid. Der Sohn Jorge hat das Wissen des Vaters gierig aufgesogen.

15 der 23 WM-Spielerinnen kommen vom Meister Atlético Madrid oder vom Zweitplatzierten FC Barcelona. Diese beiden Klubs dominieren die spanische Liga und den spanischen Frauenfußball. Atléticos Jennifer Hermoso wurde mit 24 Treffern Torschützenkönigin und hat in ihren 70 Länderspielen auch schon 30 Mal getroffen. Beim 3:1 im Auftaktspiel gegen Südkorea benötigte sie für ihre beiden Tore allerdings zwei Elfmeter. "Wir haben die perfekte Mischung aus erfahrenen Spielerinnen und Talenten", sagt Amanda Sampedro. Ihren Optimismus, was den möglichen Titel angeht, teilt der Trainer Vilda bislang allerdings nur sehr vorsichtig und eher perspektivisch. "Es ist ein Glück für uns, dass wir gegen Deutschland spielen dürfen", sagte er in der Pressekonferenz vor dem Spiel zunächst noch demütig. Doch mit jeder weiteren Frage über die Weiterentwicklung seiner Mannschaft und mit jeder Erinnerung an die Titel der Nachwuchsteams fasste der Trainer mehr Mut und fragte sich irgendwann in Gedanken, warum er eigentlich nicht offensiver über die Zukunft seiner Mannschaft sprechen sollte. Am Ende nahm er all seinen Mut zusammen und sagte: "Eines Tages wollen wir besser dastehen als Deutschland - an diesem Ziel arbeiten wir hart."

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