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US-Fußballerin Megan Rapinoe:Sie sagt, was sie anwidert

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Sammelklage am Weltfrauentag: Megan Rapinoe und ihre Kolleginnen gehen gegen Diskriminierung vor.

(Foto: imago)
  • Megan Rapinoe ist schon jetzt eine der Figuren der Fußball-WM.
  • Sie wirbelt auf dem linken Flügel, auch politisch - und legt sich mit Donald Trump an.
  • Sie sagt, sie habe erst spät verstanden, wie mächtig ihre eigene Stimme ist.

Megan Rapinoe schnürte sich gerade die Schuhe, als sie den Präsidenten der USA provozierte. Sie hatte ihr Trikot an, mit dem Wappen des Verbandes und drei Sternen auf der linken Seite, einen für jede gewonnene Weltmeisterschaft. Das US-Fußballmagazin Eight By Eight fotografierte die Co-Kapitänin und andere Spielerinnen der Nationalmannschaft für eine neue Ausgabe, das war kurz vor dem Start der WM in Frankreich, und dabei wurde gefilmt. Die Kamera ist dicht ran an Rapinoe, im Hintergrund ist das Klicken eines Fotoapparats zu hören.

Und dann wird ihr diese Frage gestellt: "Freust du dich darauf, ins Weiße Haus zu gehen?" Eine Steilvorlage, Rapinoe verwandelt: "Oh, I'm not going to the fucking White House", sagt sie - ich werde nicht in das, nun ja, verdammte Weiße Haus gehen -, und mit hochgezogenen Augenbrauen fügt sie an: "Wir werden eh nicht eingeladen, das bezweifle ich."

Das Magazin hat das Video diese Woche im Internet veröffentlicht. Frei verfügbar, auch für Donald Trump. Und es dauerte nicht lange, bis sich der 45. Zwischenmieter des historischen Gebäudes in Washington DC auf Twitter meldete. Für Trump ist das kein neues Thema: Schon einige Sportler und Teams haben die zur Tradition gewordene Einladung des Präsidenten nach großen Erfolgen ausgeschlagen, seit dieser Trump heißt. "Ich bin ein großer Fan des amerikanischen Teams und des Frauenfußballs, aber Megan sollte erst gewinnen, bevor sie redet! Bring den Job zu Ende", schrieb Trump, der die Nationalmannschaft trotzdem einlud, egal, wie sie bei der WM abschneidet. "Megan sollte nie unser Land, das Weiße Haus oder unsere Flagge missachten. Insbesondere, weil so viel für sie und das Team getan wurde."

Rapinoe schweigt, wenn die Teamkolleginnen singen

Rapinoe, 33, lässt sich von solchen Aufforderungen nicht beeinflussen, vor allem nicht von Donald Trump. Die Kalifornierin zeigt auch in der Öffentlichkeit keine Scheu, Kritik zu gesellschaftspolitischen Themen zu äußern. Ob sie für das ganze Team spreche, wurde Rapinoe von Eight by Eight gefragt. Ihre Antwort: "Ich weiß nicht von allen, wen sie wählen, aber ich hoffe, keine hat für ihn gestimmt." Mit seiner rechtskonservativen Politik vertritt Trump so ziemlich alles, was Rapinoe ablehnt. Sie wirbelt auf dem linken Flügel, auch politisch. Für ihre Überzeugungen steht sie mit allen Konsequenzen ein. Damit ist sie zu einer Ikone im US-Fußball, im Sport überhaupt geworden - weil Athletinnen und Athleten mit einer solch klaren politischen Haltung immer noch Ausnahmen sind. Erst recht solche wie Rapinoe.

Sie nutzt die Möglichkeiten, die ihr gegeben sind, inzwischen vor jedem Spiel. Manchmal muss man gar nicht viel tun, um viel zu bewirken. Wenn bei der WM die Hymne aus den Lautsprechern schallt und ihre Mitspielerinnen anfangen das Star-Spangled Banner zu singen, schweigt Rapinoe, die Arme hinter den Rücken. So will sie auf Ungerechtigkeiten gegen Minderheiten aufmerksam machen - und erst wieder mitsingen, wenn das Strafrecht in den USA reformiert und die Rechte von Lesben und Schwulen gestärkt werden. "Wahrscheinlich werde ich nie mehr meine Hand über mein Herz legen", sagt sie dazu, "ich werde wahrscheinlich nie wieder die Nationalhymne singen."

Viertelfinale

Frankreich - USA Fr. 21.00, TV: ZDF / in Paris, Prinzenpark

Auch nicht am Freitagabend (21 Uhr), wenn Rapinoe mit den USA gegen Frankreich um den Einzug ins Halbfinale spielt. Es ist der vorweggenommene Höhepunkt dieser WM, der große Favorit USA trifft in Paris auf den Gastgeber. Das Stadion Prinzenpark ist ausverkauft, die Einschaltquoten werden hoch sein, die Partie umkämpft. Beide Teams stehen für große Präsenz auf dem Platz, für gesundes Selbstbewusstsein und hohe Qualität mit erfahrenen Spielerinnen. Frankreich könnte erstmals eine Weltmeisterschaft gewinnen und so als erste Nation bei den Männern und bei den Frauen amtierender Weltmeister sein. Die USA wollen ihren Titel von 2015 verteidigen.

Die US-Spielerinnen würden damit ihre Forderungen unterstreichen, zu deren Durchsetzung sie im März vor Gericht gezogen sind, mit einer Sammelklage. Erst waren es fünf Spielerinnen, angeführt von Rapinoe und Alex Morgan (die eine Einladung ins Weiße Haus ebenfalls boykottieren will), dann schloss sich die ganze Nationalelf an und verklagte am Weltfrauentag den US-Fußballverband - wegen Diskriminierung: Die Frauen bekommen nur 38 Prozent des Männerlohns im US-Fußball, und es geht auch um infrastrukturelle Bedingungen und Gleichbehandlung. Die Spielerinnen sehen sich als Pionierinnen, die Grenzen verschieben wollen, in den USA, aber auch weltweit. Als dreimalige Weltmeisterinnen und viermalige Olympiasiegerinnen, die viel erfolgreicher sind als die Fußball-Männer ihres Landes, führen sie den Kampf um Veränderungen aus einer starke Position heraus.

Aber wie kann Rapinoe auf dem Platz ein Land repräsentieren, das von einer Regierung geführt wird, die sie anwidert? Wie kann sie für einen Verband spielen, von dem sie ihre Rechte missachtet sieht?

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