Fußball-WM alle zwei Jahre:Schnell zurück in den Tresor

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Fußball-WM alle zwei Jahre: Findet Fifa-Präsident Gianni Infantino den Weg zum Tresor?

Findet Fifa-Präsident Gianni Infantino den Weg zum Tresor?

(Foto: AFP)

Bei der geplanten WM-Reform der Fifa geht es um Geld und Macht - aber auch inhaltlich wäre eine Endrunde alle zwei Jahre unangebracht und unverantwortlich.

Kommentar von Johannes Aumüller

Der Präsident des Fußball-Weltverbandes war gerade frisch im Amt, als er mit einer spektakulären Idee um die Ecke kam. Wenn es nach seinem Willen gehe, so teilte es Sepp Blatter der globalen Sportgemeinde im Januar 1999 mit, solle es künftig nicht nur alle vier, sondern alle zwei Jahre eine Fußball-WM geben. Die Reaktionen waren eindeutig: Die großen Klubs protestierten scharf, und der Chef von Europas Fußball-Union (Uefa) brachte öffentlich einen WM-Boykott seiner Mitgliedsländer ins Spiel, falls es zur Umsetzung des Planes kommen sollte. Ein paar Monate später beendete Blatter die Diskussionen selbst. "Das Thema des Weltcups alle zwei Jahre liegt in einem sehr gut verschlossenen Tresor, mit einer Geheimzahl, die niemand kennt, und den wir frühestens in fünf bis sechs Jahren öffnen können", teilte er mit.

Nun hat es nicht fünf bis sechs, sondern mehr als 20 Jahre gedauert, bis jemand den Tresor geöffnet hat - und das Spiel wiederholt sich. Unter der Führung von Gianni Infantino forciert die Fifa die Planspiele, alle zwei Jahre eine WM auszurichten, eingebettet in eine Reform des Länderspieljahres. Die Klubs und Ligen wiederum wehren sich vehement, und der amtierende Uefa-Präsident Aleksander Ceferin räsoniert öffentlich über einen möglichen Boykott der europäischen Verbände.

Der Kampf um Macht und Geld läuft im Fußball dieser Tage an vielen Fronten und bei vielen Fragen, aber er dokumentiert sich bei keinem Thema besser als bei der WM-Diskussion. Es geht um den ewigen Konflikt zwischen Europa als dem Kernmarkt des Kickerbusiness und anderen Regionen sowie um das ebenso ewige Spannungsfeld zwischen den Interessen der Nationalmannschaften und denen der Klubs als Arbeitgeber der Profis. Doch ganz besonders geht es um den Fifa-Boss Infantino, der ob seiner vielen Skandale und seines Führungsstils in den vergangenen Jahren so sehr in der Kritik steht - und der nun dringend die Finanzlage seiner Organisation und seinen Rückhalt unter den Nationalverbänden verbessern möchte.

Die Belastungen für die Top-Spieler wären unverantwortlich hoch

Aber die WM-Idee als solche ist ja nicht besser geworden, während sie in den vergangenen Jahren im Tresor ruhte. Es ist schon richtig, wenn die Gegner der Reform hervorheben, dass der besondere Stellenwert der Fußball-WM auch in ihrer seltenen Austragung gründet. Die Fans verbinden mit den gerade mal 21 Turnieren, die es seit 1930 gab, sehr konkrete Erleb- oder Ergebnisse, während es selbst den hartgesottensten Eishockey-Aficionados schwerfallen dürfte, alle 84 Weltmeister der Historie aufzulisten. Es wäre auch nicht gesagt, dass eine Verdopplung der WM-Endrunden zwingend eine Verdopplung der Einnahmen bedeuten würde; irgendwann ist der Markt überreizt.

Zudem würde ein solcher WM-Turnus überhaupt nicht zum übervollen Terminkalender des Fußballs passen, wenngleich den natürlich nicht nur die Fifa zu verantworten hat, sondern auch alle anderen Beteiligten, die unbedingt mehr Champions-League-Spiele oder zu Vermarktungszwecken mehr Sommertouren in die globalen Märkte absolvieren wollen. Aber selbst wenn es der Weltverband wie versprochen schaffen würde, die Zahl der Länderspiele insgesamt nicht zu erhöhen, würde der neue WM-Rhythmus eine größere Belastung für die Top-Kicker bedeuten. Die kämen im Sommer künftig ja gar nicht mehr zur Ruhe.

Nun ist den Projekt-Verantwortlichen der Fifa um den langjährigen Arsenal-Trainer Arsène Wenger zuzugestehen, dass sie einige Probleme des aktuellen Länderspiel-Kalenders zu Recht vorbringen. Die Abstellungsfenster, in denen die Spieler zu ihren Nationalteams reisen, sind ungünstig getaktet, die WM-Qualifikation lässt sich sicher verschlanken, und manche Länderspiele sind tatsächlich "bedeutungslos", wie sie monieren. Doch, psst, großes Geheimnis: Kann man nicht passendere Abstellungsfenster und einen besseren Quali-Modus entwickeln, ohne dass deswegen alle zwei Jahre eine WM stattfinden muss?

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