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Fußball-WM:Fulminantes Führungstor

Ganz allmählich fanden Bafana Bafana besser ins Spiel, im Mittelfeld zeigten der ehemalige Dortmunder Steven Pienaar und Siphiwe Tshabalala, dass sie nicht nur mit dem Ball umgehen können, sondern auch imstande sind, das Spiel in ihrem Sinne zu lenken. Der Abwehr gelang es im Verbund mit dem Pressing spielenden Mittelfeld, die Mexikaner weit vom eigenen Strafraum wegzuhalten. Den hohen Favoriten aus Südamerika schien das nicht viel auszumachen. Geduldig passten sie den Ball zurück und zurück und zurück, sie warten ab, sie schienen den Eindruck zu haben, diese Partie nötigenfalls auch mit einem späten Tor für sich entscheiden zu können. Ein frühes hatten sie ja bereits erzielt, in der 37. Minute, doch der Treffer wurde wegen Abseits nicht gegeben. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes, aber weder ein gutes noch ein aufregendes Spiel; aber auch das sollte sich ändern.

In der zweiten Halbzeit griffen die Südafrikaner entschlossener an, vielleicht hatte Trainer Carlos Alberto Parreira ihnen gesagt, dass diese Mexikaner das gleiche flaue Gefühl im Bauch haben und man sie durchaus mal unter Druck setzen könne. In der 55. Minute dann setzte sich Tshabalala auf der linken Seite durch, er lief in den Strafraum, und im Stadion wummerten sich die Vuvuzelas in neue Höhen; da war sie, die große Chance, Soccer City schaute auf Siphiwe Tshabalala, und der jagte den Ball mit Wucht und Macht und Präzision zum 1:0 in den rechten Torwinkel, und dann hob das Stadion kurz ab und flog zum Mars. Nunja, zumindest wurde es von einer Explosion des Jubels so sehr erschüttert, dass es sich vielleicht einen Millimeter über den Boden erhoben hat, ganz kurz nur. Es war wie ein Traum für die südafrikanischen Fans. Und jetzt wollte auch die Mannschaft alles.

Teko Modise vergab eine Riesenchance aus sechs Metern Entfernung, Soccer City stöhnte (66. Minute), wenig später lief Modise schon wieder in den Strafraum, er wurde umgerissen, Schiedsrichter Ravshan Irmatov ließ weiterspielen (70. Minute). Zwei so große Chancen ausgelassen, natürlich rächt sich das, sonst wäre Fußball nicht Fußball: In der 79. Minute verschätzte sich Kapitän Aaron Mokoena bei einer Flanke, hinter ihm hatte sich Rafael Marquez davongestohlen und drosch die Kugel aus kurzer Distanz zum 1:1 ins Netz. Erleichtert gratulierten die Mexikaner einander, zehn bange Minnuten mussten sie noch überstehen, dann durften sie mit dem Unentschieden sehr zufrieden sein. Als beide Teams vom Platz geschritten waren, dröhnten die Vuvuzelas einfach weiter durch die Nacht.

© SZ vom 12.06.2010/jüsc

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