Fußball-WM 2014 Ein Turnier wie eine Postkarte

Brasilien verspricht für das Jahr 2014 "die beste Weltmeisterschaft, die der Planet je gesehen hat" - doch schon gibt es Verzögerungen beim Stadienbau.

Von Peter Burghardt

Der mindestens zweitberühmteste Tintenfisch der Erde war schon abgereist, als in Südafrika der Weltmeister ermittelt wurde. Luiz Inacio Lula da Silva hatte keine Lust mehr auf dieses Finale. Brasilien durfte nicht mitspielen, außerdem ist der Präsident beschäftigt. Anfang Oktober wählt das Volk den Nachfolger des Mannes mit dem Kosenamen Lula, zu deutsch Tintenfisch - der Amtsinhaber aus der Arbeiterpartei PT wünscht sich die frühere Guerillera Dilma Rousseff, zuletzt seine Kabinettschefin. Und sein Stellvertreter José Alencar liegt mit Herzproblemen im Krankenhaus.

Am Fuß der Christus-Statue in Rio wird bereits für die WM 2014 geworben.

(Foto: afp)

Doch er hatte fürs erste sowieso alles gesagt zu dem, was den Globus in vier Jahren in seiner Heimat erwartet. 2014 kehre die WM "ins wahre Zuhause des Fußballs zurück", meldete der brasilianische Verband CBF. Und Lula gab ähnlich bescheiden bekannt: "Wir werden die beste WM organisieren, die der Planet jemals gesehen hat."

Am 13. Juni 2014 geht es los, das Endspiel ist für den 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro vorgesehen. Zur Einstimmung kam der Staatschef im Rahmen einer Afrikatournee in der vergangenen Woche wenigstens kurz in Johannesburg vorbei. Die nächsten Gastgeber und die Fifa stellten dort das Logo für das nächste Turnier vor, drei grüne und gelbe Hände umfassen darauf den Pokal. Eine Jury mit Prominenten wie dem Architekten Oscar Niemeyer, dem Model Giselle Bündchen und der Sängerin Ivete Sangalo hatte das Design ausgewählt.

Es zeige "die Talente der Brasilianer, ihre Freude an der Arbeit, die Landesfarben", erläuterte der einstige Dreher und Gewerkschaftsführer Lula. Mitgebracht hatte er unter anderem die ehemaligen Team- kapitäne Carlos Alberto Torres, Romario und Cafu. Der populäre Politiker und begnadete Entertainer lobte die Südafrikaner, "unvergesslich". Aber für sein Brasilien verspricht er "eine Postkarten-Weltmeisterschaft".

Die Adresse spricht dafür, einerseits. Das Land ist schön, und 190 Millionen Einwohner lieben das Spiel. "In Brasilien ist Fußball eine Religion", informierte Fifa-Pate Joseph Blatter. Sein ebenso machtbewusster Vorgänger war der Brasilianer Joao Havelange, dessen vormaliger Schwiegersohn ist der Verbandsfürst Ricardo Teixeira. Seit 1950 hat die WM nicht mehr in Lateinamerikas Riesenreich vorbeigeschaut, 2016 folgt dann in Rio auch noch Olympia. Das passt zum Aufschwung der Republik, die bald die fünftgrößte Wirtschaftsmacht sein will.

Das Bruttosozialprodukt wächst mit sieben Prozent, chinesische Verhältnisse. Unter dem Volkstribun Lula gelang der Durchbruch, die immer noch katastrophale Armut geht zurück. Mehr als 100 Milliarden Dollar sollen in das Turnier und die Sommerspiele investiert werden, die Ausgabe will Lula im Internet zur Überwachung freigeben. Allerdings ist Brasilien nach wie vor auch das Problem.

Zwölf Spielorte sollen das Fest möglichst weit durch die umfangreiche Nation verteilen. Einige Plätze müssen spätestens vor dem Konföderationen Cup 2013 fertig sein. Aber erst sechs Stadien haben die Hausherren zu bauen begonnen, und Probleme gibt es bei allen Projekten. "Unglaublich, wie spät Brasilien dran ist", klagte Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke der Zeitung O Globo. Das mythenumwobene Maracana in Rio wird demnächst geschlossen und runderneuert, mindestens 270 Millionen Euro soll das kosten, vermutlich noch mehr.

Noch komplizierter wird es im Morumbi von Sao Paulo. Vorläufig wurde die Arena von der Fifa als Ort des Eröffnungsspiels abgewiesen, weil die Renovierung nicht gesichert ist. Eine brasilianische WM ohne Sao Paulo, wo 20 Millionen Menschen leben und eine Menge Geld umsetzen? Die Debatte wächst zum Politikum.

Ähnlich gestritten wird um die Stadien von Manaus im Amazonasgebiet und von Cuiaba nahe der Sojafelder und des Naturschutzgebietes Pantanal. Beide Städte haben nicht mal Erstligisten zu bieten, die bisherigen Heimstätten der lokalen Klubs werden gerade erst eingerissen. In Natal im Nordosten wird gemütlich planiert, in Recife wurde der Bau gestoppt. Die Hauptstadt Brasilia leidet sowieso unter Korruptionsskandalen. Dazu ist unklar, wie all die Reisen gelingen sollen.

Zwar wollen die Veranstalter den Giganten in der Vorrunde in vier Zonen einteilen, damit die Mannschaften und ihre Begleiter nicht ständig viele Stunden lang unterwegs sind. Brasiliens Flugverkehr allerdings ist bereits ohne WM eine Geduldsprobe. Das hat außer mit den Dimensionen mit überfüllten Flughäfen zu tun. Auch die Terminals, Pisten, Straßen und U-Bahnen müssen schleunigst modernisiert und erweitert werden.

Und das Ensemble hat ebenfalls Umbauten nötig nach dem Ausscheiden im Viertelfinale gegen Holland. Noch ist unklar, ob sich nach Carlos Dunga nun Luiz Felipe Scolari, Leonardo oder Corinthians' Mano Menezes als Trainer versucht und den neben Lulas Posten wichtigsten Job Brasiliens übernimmt. Alles andere als der Titel wäre 2014 Vaterlandsverrat, eine junge Selecao soll die Mission in Angriff nehmen und lernen, wie man möglichst attraktiv gewinnt. Ein paar Jeitinhos sollen die gesammelten Schwierigkeiten überwinden, das brasilianische Talent zur improvisiert eleganten Notlösung. Noch 1431 Tage. "Wir werden ein Fest feiern", sagt Lula. Versage Brasilien, dann will der Tintenfisch "nach Südafrika schwimmen."

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