DR Kongo bei der Fußball-WMFeiern, solange der Staatschef es will

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Sie haben es tatsächlich geschafft: Die Spieler der Republik Kongo nach dem Sieg im WM-Playoff.
Sie haben es tatsächlich geschafft: Die Spieler der Republik Kongo nach dem Sieg im WM-Playoff. Sandra Bautista/Straffon/Imago

Vermisste oder gar verschleppte Spieler? Mitnichten. Die Fußballer der Demokratischen Republik Kongo haben ihre WM-Teilnahme einfach nur gebührend zelebriert.

Von Philipp Selldorf

„Am 31. März 2026 endete in Guadalajara mehr als ein halbes Jahrhundert Wartezeit, und es durfte gefeiert werden.“ So prosaisch und zugleich poetisch berichtete der Fußball-Weltverband Fifa in der vorigen Woche über das Finale zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Jamaika, das Kongo bei den Playoffs in Mexiko 1:0 nach Verlängerung gewann. Dem Gewinner sei es nun endlich möglich, „die Last fünf frustrierender Jahrzehnte abzuschütteln“, meldete die Fifa. Denn seit 1974 – seit der Teilnahme des Vorgängerstaates Zaire am Turnier in Deutschland – war das große Land im Herzen des Kontinents nicht mehr an einer WM beteiligt.

Klar, das durfte gefeiert werden – aber gleich so lang, dass die Klubs der kongolesischen Spieler nach dem Osterwochenende Vermisstenmeldungen anzeigen mussten?

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Bei West Ham United im Londoner East End wurde bereits gemutmaßt, der Rechtsverteidiger Aaron Wan-Bissaka sei auf dem Weg zwischen Mittelamerika und Afrika möglicherweise entführt worden. Beim Pokalspiel zwischen West Ham und Leeds United konnte er jedenfalls aufgrund von Abwesenheit seinen Stammplatz nicht einnehmen. Die Hammers verloren im Elfmeterschießen.

Staatschef Felix Tshisekedi ließ für jeden Spieler ein neues Auto springen

Inzwischen ist er wieder aufgetaucht, so wie die Kollegen aus Newcastle, Sevilla, Montpellier, Lille und anderen Städten in Fußball-Europa. West Ham versicherte verständnisvoll, von einer Strafe könne keine Rede sein. Wäre auch nicht klug: Am Freitag steht im Abstiegskampf die Partie gegen den Tabellenletzten Wolverhampton an, da wird er gebraucht. Betis Sevilla hingegen verzichtete darauf, den Angreifer Cédric Bakambu für das Europacup-Spiel in Braga zu nominieren – eine Woche nach dessen Auftritt in Guadalajara. Zwar belegten Bilder von der Ankunft in Kongos Hauptstadt Kinshasa sein Wohlergehen. Allerdings ging es ihm vielleicht sogar zu gut. Er trug einen Sombrero, eine Sonnenbrille und hatte grell gefärbte Haare.

Das kongolesische Team war zur Feier des Triumphs in die Heimat gereist. Dort gab es Blasmusik am Flughafen, eine Parade im offenen Bus und einen Empfang beim Staatschef Felix Tshisekedi, den man besser nicht auslassen sollte. Zumal da er für jeden Spieler Geschenke vorfahren ließ: pro Mann gab es einen nagelneuen Toyota Land Cruiser 300 VXR – neben Geld- und Immobilienpräsenten.

Bevor jetzt jemand die Rechte des Arbeitgebers reklamiert: Es handelt sich hier zweifelsfrei um einen Fall von höherer Gewalt. Eine WM zu erreichen, steht über den Dingen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Spielern zwar nicht mal ein Dreigang-Fahrrad spendiert, nachdem sie sich qualifiziert hatten, aber Deutschland zählt nicht. Es geht bei nunmehr 48 Teilnehmern erst einmal um ganz andere Länder: Usbekistan, die Kapverden, Kongo – oder Bosnien.

Dort musste der Nationaltrainer Sergej Barbarez zwei Tage nach dem Sieg gegen Italien eine Pressekonferenz unterbrechen, weil er vor Rührung in Tränen ausgebrochen war. Bis in den Morgen feierten Zehntausende in Sarajewo, und irgendwo in einem Nachtklub lagen sich auch die Spieler in den Armen und besangen ihr spezielles Glück, das den Stuttgarter Profi und erklärten Anti-Alkoholiker Ermedin Demirovic schwören ließ, allen VfB-Fans im Stadion ein Bier auszugeben – und wenn es ihn 100 000 Euro kosten sollte. Dieses Glücksgefühl am Rande des Fußballgeschäfts resultiere aus „Echtheit und Leidenschaft“, meint Barbarez. Was zählen da ein paar Tage Verspätung?

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