Fußball-WM "Der Druck liegt jetzt auf Deutschland"

Glückliche Schweden nach dem Sieg gegen Südkorea: Torschütze Andreas Granqvist (links) und Marcus Berg umarmen sich nach Spielende.

(Foto: dpa)
  • Schweden besiegt Südkorea mit 1:0 und freut sich auf das nächste Spiel gegen Deutschland.
  • "Wenn wir gewinnen, sind wir durch", sagt der Torschütze Andreas Granqvist.
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Von Benedikt Warmbrunn, Nischni Nowgorod

Andreas Granqvist wartete im Strafraum, die Hände in die Hüfte gestemmt, Kopf und Oberkörper nach vorne gebeugt, ruhig schaute er sich an, was Hyeon-Woo Jo da veranstaltete. Er sah, dass der Torwart aus dem Tor herauslief. Er sah, dass der Torwart neben das Tor lief. Er sah, dass der Torwart vom Schiedsrichter ermahnt wurde. Er sah, dass der Torwart weiter herumturnte. Dann hörte Granqvist den Pfiff. Er lief an, weiterhin ruhig. Dann schoss er den Ball dorthin, wo Jo nie hingelaufen war, ins rechte Eck. Granqvists Gefühle schwappten über.

In einer ihm kaum zugetrauten Geschwindigkeit beschleunigte Schwedens Kapitän seinen 192 Zentimeter großen Körper zum schwedischen Fanblock, er ballte die Faust, katapultierte sie durch die Luft. Er wirkte wie ein Mann, der in den Sekunden zuvor die Last einer ganzen Nation getragen hatte. Granqvists Tor in der 65. Minute der Partie gegen Südkorea sicherte Schweden am Montag in Nischni Nowgorod den ersten Sieg bei dieser WM, es soll nicht der letzte bleiben. "Deutschland ist der nächste Gegner, den wir schlagen wollen", sagte Trainer Janne Andersson. Das Duell am Samstag in Sotschi ist brisant: Die Schweden könnten mit einem Sieg das Vorrunden-Aus des Titelverteidigers besiegeln. Aber Granqvist warnt vor den Deutschen: "Sie müssen jetzt gewinnen, das wird nicht leicht." Nach Mexikos Erfolg sei es für Schweden wichtig gewesen, ebenfalls drei Punkte zu holen, sagte Trainer Andersson. Dieses 1:0 beruhigte auch all die Debatten, die in den vergangenen Wochen und Monaten rund um Schwedens Auswahl geführt worden waren. Allerdings brachte das 1:0 auch die Gewissheit, dass Granqvist und Co. in diesem Turnier ihrer in der Qualifikation erprobten minimalistischen Arbeitsweise treu bleiben. Die Schweden spielen ihr erstes großes Turnier in diesem Jahrtausend ohne Zlatan Ibrahimovic, obwohl dieser wiederholt verkündet hatte, dass Schweden ohne Zlatan nichts wert sei - wie ja alles ohne ihn wertlos ist, wie er findet. In den vergangenen Monaten hat das schwedische Team Ibrahimovic den Gefallen getan, die Sehnsucht nach ihm aufrechtzuerhalten; viele Spiele endeten ohne eigenen Treffer. In den beiden Qualifikationsduellen gegen Italien reichte am Ende ein einziges Tor. Das Duell mit Südkorea war daher auch das zweier Mannschaften, die ihre Stärke aus dem Kollektiv ziehen. Südkorea hat zwar in Heung-Min Son von Tottenham Hotspur einen Spieler, auf den vieles ausgerichtet ist - dennoch versuchte Trainer Taeyong Shin, in der Vorbereitung die Beobachter zu irritieren, indem er seine Spieler im Training und im Test gegen den Senegal mit falschen Nummern ausstattete. Allein Son soll zuletzt vier verschiedene Nummern getragen haben.

Der Trick schien in den ersten Minuten in Nischni Nowgorod zu funktionieren. War das tatsächlich der torgefährliche Son, der im Trikot mit der Nummer 7 auf die schwedische Abwehr zu rannte? Und war das mit der 9 der kopfballstarke Shin-Wook Kim? Und das mit der 11 Hee-Chan Hwang, der schnelle Angreifer aus Salzburg? Oder war wieder alles vertauscht? In den ersten Minuten jedenfalls gelang es der Auswahl Südkoreas, die schwedische Defensive ein bisschen aufzuwirbeln.

Die beiden Mannschaften schienen sich dann darauf zu einigen, dass sie einander am wenigsten Probleme bereiten, wenn sie kurz hinter der Mittellinie den gegnerischen Spielaufbau attackieren. Bis zur 20. Minute neutralisierten sich die Teams mit dieser Strategie. Dann hatte der Mann, der den Zlatan-Vergleich am häufigsten hören muss, seine erste Szene.

Ola Toivonen flankte von der rechten Seite präzise in die Strafraummitte, dort wartete Marcus Berg, der die Tore erzielen soll, die Ibrahimovic nicht mehr erzielen darf. Ibrahimovic hätte den Ball wohl hammerhart unter die Latte geknallt, vielleicht hätte er eine Pirouette gedreht, vielleicht einen kunstvollen Kopfball auf Kniehöhe angebracht - er hätte jedenfalls ein Tor erzielt, daran zweifelt kein Zlatan-Jünger.

Schweden siegt mithilfe des Videobeweises

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Marcus Berg traf das rechte Knie von Südkoreas Torwart Hyeon-Woo Jo.