Fußball-WM: Bösewichte – Horacio Troche (1966)

Er galt nach der WM 1996 als Inbegriff des unfairen "Uru". Im Viertelfinale zwischen Uruguay und Deutschland hatte Horacio Troche zuerst Lothar Emmerich das Knie in die Magengrube gerammt, was der Schiedsrichter mit einem Platzverweis ahndete. Auf dem Weg in die Kabine verpasste Troche zum Abschied Uwe Seeler eine schallende Ohrfeige - wohl in der Hoffnung, Seeler würde zurückschlagen und ebenfalls vom Platz gestellt werden. Seeler behielt jedoch die Nerven - im Gegensatz Troches Mitspieler Héctor Silva, der fünf Minuten später ebenfalls einen Platzverweis kassierte. Deutschland gewann 4:0 - und musste am Ende von der Polizei vor den wütenden Uruguayern geschützt werden.

Ein Jahr später trafen sich Troche und Seeler wieder: Der Übeltäter war zu Alemannia Aachen in die deutsche Bundesliga gewechselt, wo er am fünften Spieltag auf Seelers Hamburger SV traf. Anlässlich der Partie, die 2:0 für Aachen endete, entschuldigte sich Troche bei Seeler. Der Deutsche war beeindruckt: "Ich empfand das sportlich wie charakterlich als große Geste." Troche bereicherte den deutschen Fußball auch noch, indem er Anfang der siebziger Jahre eine Saison lang den Landesligisten SV Beuel 06 (Bonn) betreute.

Bild: imago 5. Juni 2010, 14:222010-06-05 14:22:54 © sueddeutsche.de/mikö/aum