Fußball-WM: Bösewichte – Toni Schumacher (1982)

Bei der WM 1982 gelang Toni Schumacher, was wohl kaum einem Deutschen zuvor gelungen war: Er war in Frankreich unbeliebter als Adolf Hitler. In einer entsprechenden Rangliste lag Deutschlands Nationaltorwart vor dem Nazi-Diktator auf Platz eins. "Toni Schumacher, Beruf Unmensch", schrieb die Sportzeitung L'Équipe. Frankreichs Präsident Francois Mitterand und Bundeskanzler Helmut Schmidt gaben eine Presseerklärung heraus, um die Wogen zu glätten. Was war passiert?

In der 57. Minute des Halbfinales zwischen Frankreich und Deutschland flog der Ball in den Rücken der deutschen Abwehr. Der eingewechselte Patrick Battiston sprintete hinterher. Schumacher stürmte aus dem Tor und sprang auf den Franzosen zu. Der Keeper traf ihn mit der rechten Hüfte und mit angewinkeltem Ellbogen im Gesicht. Battiston wurde bewusstlos vom Platz getragen, mit einer schweren Gehirnerschütterung und einem Halswirbelbruch. Er verlor zwei Zähne. Der Schiedsrichter entschied auf Abstoß, Schumacher wartete offensichtlich ungerührt darauf, weiterspielen zu können. Nach der Partie sagte er in Richtung Battistons: "Wenn es nur die Jacketkronen sind - die bezahle ich ihm gerne." Dass Schumacher im Elfmeterschießen zwei Schüsse hielt und Deutschland den Einzug ins Finale sicherte, machte die Angelegenheit für die Franzosen nur noch schlimmer. Schumacher galt dort noch lange als Inbegriff des "hässlichen Deutschen". In seiner Heimat zementierte seine Biografie "Anpfiff", in der Schumacher vor Dopingvorwürfen und persönlichen Beleidigungen nicht zurückschreckte, den Ruf des Bösewichts.

Bild: imago 5. Juni 2010, 14:222010-06-05 14:22:54 © sueddeutsche.de/mikö/aum