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Fußball-WM 2027 in Deutschland:Ein Heimturnier würde helfen

Deutschland Frauenfußball-WM 2011

2011 war das Interesse immens.

(Foto: imago sportfotodienst)

Wird Deutschland Mitgastgeber der WM 2027? Der DFB erhofft sich einen Aufschwung für die deutschen Fußballerinnen - dafür muss er aber weiter lernen und die Bundesliga stärken.

Kommentar von Anna Dreher

Der Werbeclip beginnt mit einer Reminiszenz. Silvia Neid, die Niederländerin Sarina Wiegman und die frühere belgische Nationalspielerin Femke Maes sitzen an einem Tisch, der gedeckt ist mit einem weißen Kaffeeservice. Es erinnert an jenes Porzellan, das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen Nationalspielerinnen zum ersten Titelgewinn bei der Europameisterschaft 1989 als Prämie überreichte. Diese Geschichte ist oft erzählt worden - inzwischen mit einem Schmunzeln. Neid war damals als Spielerin dabei, wie überhaupt bei allen großen Erfolgen, später als Co- und noch später als Bundestrainerin.

Es passt also, dass der DFB Neid für seine Kampagne um die Ausrichtung der WM 2027 engagiert hat, die er am Montag mit dem belgischen und dem niederländischen Verband startete. Neid steht für jene Zeiten - geprägt von zwei WM- und acht EM-Titeln, drei Mal Bronze und ein Mal Gold bei Olympischen Spielen -, an die dringend angeknüpft werden soll. Der Erfolgsfaden war zuletzt zu deutlich abgerissen. Bei der EM 2017 - die der Gastgeber Niederlande unter Bondscoach Wiegman gewann - schied das deutsche Team ebenso im Viertelfinale aus wie bei der WM 2019 in Frankreich. "Wir haben seit vier Jahren keinen Titel mehr gewonnen. Wir müssen aber Titel gewinnen", sagt Neid in einem die Kampagne ergänzenden Video des DFB: "Die Zuschauer müssen in die Stadien kommen, die Mädels brauchen Vorbilder."

2011 gab es immenses öffentliches Interesse - aber nicht die erwünschte nachhaltige Entwicklung

Der DFB erhofft sich einen Aufschwung für den Frauenfußball, wie bei der Austragung der WM 2011. Damals gab es immenses öffentliches Interesse - aber nicht die erwünschte nachhaltige Entwicklung. Daraus gilt es zu lernen. Denn der Erfolg der Nationalmannschaft strahlt auf den Nachwuchsbereich und den Erfolg der Bundesliga ab. Und hier gibt es mit durchschnittlich weniger als tausend Zuschauern pro Spiel sicher noch Entwicklungsmöglichkeiten. Die Übertragung der Partien ist umfassend erweitert worden. Aber der Blick geht vor allem nach England. Dort setzt die Women's Super League mit ihren professionellen Strukturen, hohen Investitionen und einem klaren Plan die Messlatte - zusätzlich motiviert durch die Austragung der EM 2022.

Nur: Das Nationalteam kann eine solche Schubwirkung nicht alleine entfalten. Durch die verpasste Teilnahme an Olympia 2021 betritt die Elf von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg erst 2022 wieder die große Bühne, dadurch geht viel Aufmerksamkeit verloren. Bis zu einer möglichen WM 2027 im eigenen Land vergeht noch mehr Zeit. Ob der Zuschlag an das europäische Trio geht, ist außerdem bei Weitem nicht garantiert. Gegenkandidaten wird es genug geben. Und Fifa-Präsident Gianni Infantino hat die Fußballerinnen längst für seine Zwecke entdeckt.

Wie es mit dem Frauenfußball weitergeht, hängt also vor allem von der Arbeit der Bundesliga und ihrer zwölf Klubs ab. Von Bayern und Wolfsburg, und auch von kleineren wie Essen, Sand oder Meppen. Aber klar: So eine WM würde helfen.

© SZ vom 20.10.2020/chge
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