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Fußball-WM 2006:Niersbach in der Bredouille

Niersbach, the German Soccer Association President, reacts on stage at Germany's new soccer museum in Dortmund

Wolfgang Niersbach: Schwierige Tage als DFB-Präsident

(Foto: REUTERS)
  • Der Umgang mit einer Zahlung des WM-Organisationskomitees über 6,7 Millionen Euro an die Fifa bringt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in die Bredouille.
  • Einflussreiche Kreise des Verbandes erwägen nach SZ-Informationen eine Strafanzeige gegen Theo Zwanziger wegen Untreue.

Eine veritable Schatzkammer hat sich der deutsche Fußball soeben in Dortmund errichtet. Der Original-Endspielball des WM-Triumphes von 1954 liegt jetzt dort in einem Museum und die Reiseschreibmaschine von Sepp Herberger, die berühmte Mütze des früheren Bundestrainers Helmut Schön und der Schuh von Mario Götze aus dem Endspiel von Rio. Dass der Tauf-Akt dieser Einrichtung am Montag so viele Berichterstatter anlockte, lag trotzdem nicht an den historischen Exponaten. Sondern daran, dass Wolfgang Niersbach zugegen war, der Mann, der gerade im Zuge der Sommermärchen-Affäre in immer größere Erklärungsnot gerät.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wies erneut alle Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Fußball-WM 2006 - sowie die Existenz schwarzer Kassen scharf zurück. Beides hatte der Spiegel am Samstag in einer umfangreichen Titelgeschichte behauptet.

Aber Niersbach und der DFB liefern nach wie vor keine schlüssige Erklärung für den einen "offenen Punkt", wie es der Verbandschef am Montag nannte: eine Überweisung von 6,7 Millionen Euro im April 2005 durch das WM-Organisationskomitee an den Weltverband Fifa. Der DFB sagt, es habe sich dabei um einen Beitrag für ein WM-Kulturprogramm gehandelt, der womöglich zweckentfremdet worden sei. Der Spiegel behauptet, dass diese Bezeichnung nur Vorwand sei; die Summe sei von der Fifa an Robert Louis-Dreyfus geflossen, als Rückzahlung für den Darlehensgeber der angeblichen schwarzen Kasse.

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Es ist aufgrund der Aktenlage erstaunlich, dass der DFB im April 2005 der Fifa eine solche Summe für eine Beteiligung am Kulturprogramm zukommen lassen sollte. Zuvor hatte es immer geheißen, dass die Fifa ihrerseits die deutschen Organisatoren bei deren Kulturprogramm finanziell unterstützen möchte, deutsche Politiker fragten wiederholt nach dem Zuschuss (siehe unten). Merkwürdig ist auch manches, was der DFB bisher zum Thema kommunizierte. In einem Interview, das Niersbach am Wochenende seiner eigenen Verbands-Internetseite gab, las sich das so:

"DFB.de: Trotzdem steht eine Zahlung des WM-Organisationskomitees von 6,7 Millionen Euro an die Fifa aus dem Jahre 2005 im Raum, die möglicherweise zweckwidrig verwendet worden sein soll.

Niersbach: Dass es einen solchen Vorgang gibt, haben wir vergangenen Freitag veröffentlicht. Ich habe diesen Sommer davon erfahren und eine interne Prüfung veranlasst. Zur Aufklärung haben wir verbandsintern den Kontrollausschuss eingeschaltet sowie die externe (...) Wirtschaftskanzlei Freshfields."

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Diese Passagen suggerieren zweierlei. Erstens, dass Niersbach erst im Sommer von der Überweisung erfuhr. Zweitens, dass er sofort größere Untersuchungen einleitete. Doch es erscheint zweifelhaft, ob das tatsächlich so ist.

Der Spiegel schreibt, dass es im Organisationskomitee im April 2005 einen "offiziellen Beschluss" für die eine Überweisung gegeben habe; zum OK zählte auch Niersbach als Vizepräsident. Zudem ließ am Montag der frühere DFB-Chef Theo Zwanziger, den mit Niersbach inzwischen eine innige Feindschaft verbindet, via Anwalt ausrichten, er bitte "seit drei Jahren" Niersbach, "seiner Pflicht zur Aufklärung nachzukommen".