bedeckt München

Fußball:Eine Frage des Alters? Joachim Löw, 56, ist nicht aus der Zeit gefallen

"Wenn man das sieht, könnte man meinen, dass wir Älteren die jungen Spieler nicht mehr verstehen, aber das ist mit Sicherheit nicht der Fall", sagt Veh. Er mag auch keine Trends, "Trends sind meistens ein Krampf", sagt er, er hat schon zu viele Trends kommen und gehen sehen. Aber natürlich kennt auch Veh die Reflexe des menschlichen Nachahmungstriebs: Heute muss ja kein Klubmanager mehr schlechte Presse fürchten, wenn er den U17-Coach zum Chef macht. Diese Ausnahme ist inzwischen geradezu zur Regel geworden, die Manager vertrauen heute völlig selbstverständlich den Jungdynamikern aus der Jugend und nicht mehr abgebrühten Bescheidwissern wie Friedhelm Funkel oder Ewald Lienen, die längst nur noch in der zweiten Liga ihr Auskommen finden.

Veh ist noch nicht so weit, dass er seine Trainerkarriere offiziell beendet, "ich sage nicht, dass ich nichts mehr mache". Aber seine Einschränkung (es müsste ein "Klub mit viel Potenzial sein, bei dem du mehr gewinnst als verlierst") klingt wie eine indirekte Rückzugsankündigung; Veh weiß ja, dass ihn die Bayern nicht mehr fragen werden, und auch die Verfolgerklubs suchen heute Trainer, die einen akademischen Ansatz mit pädagogischem Enthusiasmus kombinieren und daraus im Idealfall eine identitätsstiftende Spielidee gewinnen.

Stevens, Veh und Schaaf sind nicht zu alt, es ist keine Frage des Geburtsjahres, ansonsten wären auch Favre, 58, oder Joachim Löw, 56, schon aus der Zeit gefallen, und die Champions League hätte sich 2013 strikt weigern müssen, sich vom 68 Jahre alten Jupp Heynckes gewinnen zu lassen. Es geht aktuell eher darum, sich eine gewisse kindliche Restbegeisterung zu erhalten und auf die großen Kinder in der Mannschaft zu übertragen. Stevens, Veh und Schaaf sind eher nicht restbegeistert, sie sind überzeugte Routiniers, deren geübte Handgriffe einer Elf Ruhe und Verlässlichkeit geben können. Stevens war sogar dabei, daraus ein einträgliches Geschäftsmodell zu entwickeln; er reiste als fahrender Klassenverbleibshändler durchs Land, der Teams mittels seriöser Abwehrarbeit, robuster Ansprachen und gemeinsamer Frühstücke vor dem Abstieg rettete.

Stevens hat seine Karriere wegen gesundheitlicher Probleme jetzt offiziell beendet, auch mit dem etwas grimmig gewordenen Schaaf rechnet nach zehn Niederlagen in elf Hannover-Spielen kaum noch einer, und so muss sich die Liga darauf vorbereiten, dass sie womöglich gerade drei prägende Trainer der Nullerjahre verloren hat. Alle drei hatten ihre große Zeit, sie haben der Liga wunderbare Titel, Sprüche und Bilder hinterlassen: Huub Stevens, der Eurofighter in königsblauer Ballonseide, im einen Arm den blendend aussehenden Rudi Assauer, im anderen Arm - unsichtbar - die Null, die immer stehen muss; Thomas Schaaf, der aus Mutterwitz und Micoud eine Meisterraute baut, die den rasenden Rundling Ailton mit Steilpässen beliefert; der spektakulär lässige Veh mit seinem Cowboy-Charme und seinem ungenierten Stuttgarter Meisterfußball.

Vielleicht tröstet es die Liga, dass zumindest Armin Veh vielleicht noch mal wiederkommt. Vielleicht, sagt Veh, werde er noch irgendwo Manager. Man wird gespannt sein dürfen, welche Trainer er dann holt.

© SZ vom 09.04.2016/fued

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite