Fußball: Wettskandal Lehrstuhl für Zocker

Der Angeklagte Ante Sapina muss sich erneut für die Manipulation von Fußballspielen und Wettbetrug verantworten. Vor Gericht prahlt er mit seinem Fachwissen - und beeindruckt damit sogar den Richter.

Von Ulrich Hartmann

Am Donnerstag hat der Wettexperte Ante Sapina wieder über "Value" referiert. "Value" ist ein Lieblingswort des 35-jährigen Kroaten aus Berlin. "Value" bezeichnet für ihn die verheißungsvolle Quote bei einer Wette, und die bedeutete bares Geld für den Wettbetrüger, der sich vor dem Bochumer Landgericht für die neuerliche Manipulation von Fußballspielen und für Wettbetrug, diesmal in 43 Fällen, verantworten muss.

Mimt vor Gericht gerne den Wettexperten: Ante Sapina

(Foto: dpa)

Sapina gibt sich vor Gericht gern als Fachmann, referiert eloquent über Statistiken und Quoten und sagt Sätze wie: "Wetten ist für mich Mathematik." Als Zeuge im parallel laufenden Prozess gegen vier Angeklagte hatte er bereits über seine mathematischen und administrativen Fähigkeiten beim Wetten und beim Wettbetrug doziert und anerkennend klingende Nachfragen vom Richter geerntet.

Auch in diesem zweiten Prozess gegen ihn selbst und fünf weitere Angeklagte hat Sapina den Richter am Donnerstag mit seinem fachlichen Wissen durchaus beeindruckt. "Vielleicht", witzelte Wolfgang Mittrup, "gibt es, wenn Sie wieder frei sind, ja irgendwo mal einen Lehrstuhl für Wetten."

Sapina kokettiert mit seinem Fachwissen und seiner branchenweiten Vernetzung, die nach seiner Verurteilung vor sechs Jahren für Wettbetrügereien mit dem Schiedsrichter Robert Hoyzer noch ausgeprägter geworden ist. Anlässlich der WM 2006 in Deutschland habe er allerhand neue Kontakte knüpfen können, weil er eine gewisse Berühmtheit erlangt und angefangen habe, einigen Leuten als Buchmacher für Wetten zu dienen.

"Ich hatte nie den Plan, dass mein Name in dieser Angelegenheit ein zweites Mal auftaucht", sagte Sapina am Donnerstag. Dann schilderte er detailliert, wie er sich 2006 in einem Berliner Hotel mit österreichischen Wettmaklern und "der Chefetage von Bet-at-Home" getroffen habe, um über den Wettmarkt und die "Zukunft von Live-Wetten in Deutschland" zu sprechen.

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Als er einen Kontakt zum Londoner Buchmacher "Samvo Limited" bekommen habe, sei er groß in den asiatischen Wettmarkt eingestiegen.

Das Lachen ist Ante Sapina offensichtlich noch nicht vergangen.

(Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Sapina durch manipulierte Fußballspiele Wettgewinne von rund 3,4 Millionen Euro erzielt haben könnte. Es ist fraglich, wie viel davon übrig ist, weil einiges womöglich in Einsätze und Spielermanipulationen investiert wurde, und weil auf einem Samvo-Konto auf der Isle of Man, als dessen Besitzer sich Sapina zu erkennen gegeben hat, nur ein Guthaben von 1,2 Millionen Euro verbucht ist, dessen Transfer auf das Konto des Bochumer Landgerichts bislang nicht komplett gelungen ist.

Nachdem bei Sapina mehr als 71.000 Euro gepfändet worden sind, suchen die Ermittler in Russland, Malaysia und China nach weiteren Konten und haben so ihre Mühe bei der Kooperation mit den fernen Instituten.

Sapina, der am Donnerstag erstmals zur Sache ausgesagt hat, gesteht zwar einen Großteil der gegen ihn erhobenen Vorwürfe, ist aber auch stets darum bemüht, die Schwierigkeiten der Spielmanipulation und des Wettbetrugs hervorzuheben.

So gehe "sicher eines von drei Spielen selbst dann in die Hose, wenn man zwei, drei Spieler hat", und von einem Netzwerk der Wettbetrüger könne man auch nicht sprechen. "Jeder war sich selbst, seiner Quote und seinem Wettgewinn der nächste." Dem manischen Wettspieler Sapina ist es immer bloß um "Value" gegangen.

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