Fußball: Wettskandal:Eine "Kernperson" packt aus

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Im Bochumer Wettskandal-Prozess gehen die Enthüllungen weiter. Nun gibt ein Zeuge Einblicke. Er belastet zwei Ex-Osnabrücker schwer, auch ein Qualifikationsspiel zur WM 2010 soll manipuliert worden sein.

Mit neuen Enthüllungen ist am Bochumer Landgericht der Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball fortgesetzt worden. Der noch nicht angeklagte Marijo C. erklärte am Mittwoch im Zeugenstand, dass er an Spielmanipulationen in Deutschland, Belgien, Slowenien, Ungarn und der Schweiz beteiligt gewesen sei. Die Initiative sei allerdings nicht immer von den Wettbetrügern ausgegangen.

VfL Osnabrück - TSV 1860 München

Wird schwer belastet: Der ehemalige Profi des VfL Osnabrück, Thomas Cichon.

(Foto: dpa)

"Es gibt viele Spieler, die Interesse an Manipulationen haben", sagte Marijo C. dem Gericht. Sie hätten dann auch aktiv mitgemacht. "Es gab Spieler, die tatsächlich eingegriffen haben, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen." Auch mit den ehemaligen Profis des VfL Osnabrück, Thomas Cichon und Marcel Schuon, sei über Spielmanipulationen gesprochen worden. "Cichon wollte 100.000 Euro", sagte Marijo C..

"Er hat gesagt, er kennt sich aus, er hat Erfahrung." Cichon habe sogar signalisiert, dass er bereit wäre, als äußerstes Mittel schon in der ersten halben Stunde einen Elfmeter oder einen Platzverweis zu provozieren. Er habe Cichon in Osnabrück getroffen, erklärte C., bei dem Gespräch sei es konkret um Manipulationen der Spiele des Zweitligisten VfL Osnabrück gegangen. "Cichon hat gesagt: Bei Abendspielen ist eine Manipulation leichter möglich, weil der damalige Torhüter Andreas Wessels dann Probleme mit den Augen hat."

Schuon und Cichon seien ausdrücklich zu den Treffen gekommen, um über Spielmanipulationen zu sprechen. "Man musste mit ihnen nicht um den heißen Brei herumreden, sie wussten genau, worum es geht", sagte C. vor der 13. Strafkammer. Während Schuon Manipulationsvorwürfe laut Deutschen Fußball-Bund zumindest teilweise eingeräumt hat und bis Ende August 2012 gesperrt wurde, weist Cichon alle Anschuldigungen zurück.

Laut Marijo C. soll auch ein Qualifikationsspiel zur WM 2010 verschoben worden sein. Der Zeuge erklärte, dass das Spiel Liechtenstein gegen Finnland in der deutschen Gruppe 4 manipuliert wurde: "Wir haben das Länderspiel mit Schiedsrichter Novo Panic manipuliert". Nähere Angaben über die Partie am 9. September 2009 in Vaduz, die 1:1 endete, machte C. nicht. Der bosnische Referee pfiff einen Elfmeter für Finnland, den Jari Litmanen verwandelte (73.) und zeigte dem Liechtensteiner Martin Büchel die Rote Karte (76.).

Panic sollte auch das Qualifikationsspiel zur U21-EM zwischen der Schweiz und Georgien am 18. November 2009 manipulieren, was allerdings misslang. Der Schiedsrichter wurde von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mittlerweile lebenslang gesperrt.

Staatsanwalt Andreas Bachmann bezeichnete den 35 Jahre alten Marijo C. neben Ante Sapina als "Kernperson" der Wettmafia. "Die beiden gehören zur Champions League", sagte der Ankläger. Gegen C. soll Anfang 2011 Anklage erhoben werden. Vor dessen Aussage hatte es ein weiteres Geständnis gegeben. Nach Nürettin G. und Tuna A. hat nun auch Stevan R. zugegeben, an der Manipulation von Fußballspielen beteiligt gewesen zu sein. Betroffen seien dabei vor allem die Mannschaften von Bayern Alzenau und die U 19 von Bielefeld. Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht geht es um über 30 angeblich manipulierte Spiele mit einem Wettgewinn von rund 1,6 Millionen Euro.

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