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Fußball-Wettskandal:Auch Spanien betroffen

Ein Duell zwischen UD Las Palmas und Rayo Vallecano aus dem Juni 2008 steht im Fokus der Ermittlungen. Auch der dänische Topklub FC Kopenhagen gerät in Verdacht. Zur Affäre rund um den SC Verl gibt es neue Aussagen.

Nun auch das Europameister-Land Spanien: Der Fußball-Wettskandal greift weiter um sich. Mehrere Spiele in der zweiten, dritten und vierten Liga stehen unter dem Verdacht, manipuliert worden zu sein, der nationale spanische Fußballverband (RFEF) ermittelt. Der Zeitung El Pais zufolge sollen möglicherweise bis zu 20 Spieler verwickelt sein - auch Profis aus der Primera División. Eine Bestätigung gab es dafür bislang aber noch nicht.

Im Duell zwischen UD Las Palmas und Rayo Vallecano war von großem Kampf wenig zu sehen.

(Foto: Foto: Imago)

Im Mittelpunkt der spanischen Ermittlungen steht die Zweitligapartie UD Las Palmas gegen Rayo Vallecano (0:0) vom 13. Juni 2008. Las Palmas hatte sich durch das torlose Remis den Klassenverbleib gesichert, für Rayo ging es um nichts mehr. Torwart David Cobeño konnte so aber immerhin die Auszeichnung für den Keeper mit den wenigsten Gegentoren der Liga einheimsen.

Dass sich die Spieler derart passiv in der Partie verhalten und nur zwei Torschüsse abgegeben hatten, war offenbar auch Rayos Trainer Pepe Mel aufgefallen. Er fragte seine Schützlinge in der Pause, ob sie mit dem Gegner einen Stillhaltepakt getroffen hätten. Das verneinten sie aber. Las Palmas bestätigte nun auf seiner Internetseite, dass der RFEF gegen den Zweitligisten auf Gran Canaria und gegen Rayo ermittelt.

Unterdessen berichtet die Sport Bild, dass in dem internationalen Wettskandal auch der dänische Topklub FC Kopenhagen betroffen sein soll. Das bestätigte am Mittwoch Anwalt Burkhard Benecken, nachdem er einen Tag lang Einsicht in die Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft hatte. "Der FC Kopenhagen wird als Verdachtsmannschaft geführt", sagte Benecken der Sport Bild. So soll es unter anderem um die Qualifikationsspiele zur Champions League zwischen Kopenhagen und Apoel Nikosia aus Zypern im August 2009 gehen. Kopenhagen verlor nach einem 1:0 im Hinspiel das Rückspiel überraschend 1:3 und verpasste die Gruppenphase der Königsklasse.

Weitere Vereine ziehen Konsequenzen

Unterdessen zog in Deutschland Sechstligist FC Gütersloh Konsequenzen und stellte einen seiner Spieler frei, der nach Vereinsangaben Geschäftsführer in einem Wettbüro sein soll: "Es besteht der Verdacht, dass er in Kontakt mit dem Spieler gewesen ist, der in Verl die Manipulation gestanden hat", erklärte der Gütersloher Präsident Udo Böning am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa und bestätigte einen Bericht des Westfalen-Blatts.

Der suspendierte Verler Kapitän Patrick Neumann hatte zuvor nach Angaben seines Anwalts zugegeben, 500 Euro für manipulierte Spiele angenommen zu haben. Ein weiterer Verler schilderte nun in der Sport Bild, wie er angeblich zur Manipulation angestiftet worden sein soll.

Gegen eine angebliche Verstrickung in den Wettskandal hat sich der FC Wacker Burghausen zur Wehr gesetzt. Der bayerische Drittligist "möchte sich von diesen Verdächtigungen ausdrücklich distanzieren und wird sich in keinster Form an Spekulationen über mögliche Verwicklungen von SVW-Spielern beteiligen", hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung des Vereins. Der Club war vom ARD-Magazin Fakt in Zusammenhang mit Manipulationen während der Abstiegssaison 2006/2007 gebracht worden.

Transparency fordert Präventivmaßnahmen

Daraufhin verdächtigten verschiedene Medien am Mittwoch damalige Wacker-Spieler. Schon am Dienstag hatte Burghausens Geschäftsführer Florian Hahn jedoch mitgeteilt, dass die federführende Staatsanwaltschaft Bochum bestätigt habe, dass die geäußerten Vorwürfe "nicht Gegenstand des aktuellen Verfahrens" seien.

Um weiteren Wettskandalen im Sport entgegenzuarbeiten, sollten Verbände und Vereine nach Ansicht der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International verstärkt vorbeugend tätig werden. Dies hat die Vorsitzende der deutschen Abteilung, Sylvia Schenk, in der Berliner Zeitung angeregt. In der Wirtschaft gebe es teilweise große Abteilungen in Konzernen, die sich mit Korruptionsabwehr und der Einhaltung von Richtlinien beschäftigten, sagte Schenk.

"Da ist im Fußball bislang wenig passiert. Es gibt kaum Vereine, die diese sogenannte Compliance betreiben. Bei den Verbänden fängt es langsam an. Für ihren engeren Kreis hat die UEFA schon einiges gemacht, aber es muss viel weiter nach unten gehen", fügte sie mit Blick auf die Europäische Fußball-Union hinzu. Fußball sei ein besonders gefährdeter Bereich mit schnell hochgejubelten jungen Leuten, viel Geld und einem problematischen Umfeld.