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Fußball-Wetten:"Ich hab ja leider nichts zu sagen in Deutschland"

Triers Trainer Mario Basler, schon als Spieler ein Zocker, plädiert für die Liberalisierung des Wettmarkts - aus gutem Grund.

Wer gerne mit Fußballwetten reich werden will, sollte lieber nicht auf Mario Basler vertrauen. Jeden Tag tippt der frühere Nationalspieler öffentlich fünf Partien auf der Seite digibet.com - nur ist seine Trefferquote nicht ganz so beeindruckend wie einst bei seinen gefürchteten Freistößen. Am Donnerstag etwa sagte Basler lediglich eines von fünf Spielen richtig voraus. Selbst bei der Partie aus seiner eigenen Liga, der Regionalliga West, lag der Trainer von Eintracht Trier voll daneben.

Mario Basler, Trainer von Eintracht Trier, wirbt für Wettfirmen.

(Foto: Foto: ddp)

Basler ist gewissermaßen das Gesicht von digibet.com: Gleich zweimal grinst er von der Startseite, unter anderem für das Spiel "Du gegen Mario". Dieser Einsatz könnte für den früheren Profi nun unangenehme Folgen haben. Denn private Sportwetten sind in Deutschland verboten. Und die staatliche Glücksspielaufsicht in Rheinland-Pfalz will von dem tippfreudigen Trainer jetzt wissen, ob er zugunsten illegaler Wettanbieter tätig sei. Zwei Wochen hat er Zeit für eine Stellungnahme.

Ein Zocker war Basler schon immer. Auf dem Spielfeld, als er mitunter Eckbälle direkt ins Tor zirkelte. Vor allem aber außerhalb des Stadions. Nachdem ihn der FC Bayern 1999 wegen einer nächtlichen Rangelei in einer Pizzeria suspendiert hatte, standen wilde Berichte in den Zeitungen. Angeblich habe Basler mehrmals große Summen beim Glücksspiel verloren. Vor einer Partie des FC Bayern sei er nächtens ins Casino nach Salzburg gefahren. Und so weiter. Selbst wenn nur die Hälfte stimmt, es wäre schlimm genug.

Den Brief der Glücksspielaufsicht habe er bekommen, sagte Basler am Freitag, und ihn gleich an seine Anwälte übergeben. Dann fügte er noch einen Satz an, der zeigt, wie eng sein Verhältnis zu digibet.com sein muss: "Digibet ist da völlig entspannt, ganz locker."

Wie er selbst das Thema sieht, hatte Basler wenige Tage zuvor am Telefon erzählt. Seit vier Jahren werbe er für Digibet und wolle das auch zwei weitere Jahre tun. "Warum soll ich das lassen, ich habe doch einen Vertrag mit denen?", sagte er. Wenn an seinem Werbeeinsatz etwas illegal wäre, "hätte mich die Staatsanwaltschaft doch schon längst verhaftet". Seiner Meinung nach solle der Staat alle Sportwetten liberalisieren, dann sei auch die Gefahr von Wettskandalen geringer. "Ich hätt's schon längst liberalisiert, aber ich hab' ja leider nichts zu sagen in Deutschland."

Eine Firma aus Gibraltar

Einer der Hauptsponsoren von Baslers Verein Eintracht Trier heißt übrigens nicht digibet.com, sondern digibet.de - ein feiner Unterschied. Digibet.de sitzt in Berlin und nicht in Gibraltar. Die Firma ist legal, denn sie bietet allein Pferdewetten an, was in Deutschland erlaubt ist, einem Gesetz aus dem Jahr 1922 sei Dank.

Trotzdem hat auch Eintracht Trier einen Brief bekommen von der staatlichen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion. Dem Vernehmen nach wundert die Aufseher, dass die Logos von digibet.de und digibet.com ziemlich gleich aussehen. Der Verein möge doch schnellstmöglich etwas gegen diese Verwechslungsgefahr unternehmen. Und nicht nur die Logos sind gleich: Beide Internetseiten sind zudem unter der selben Person registriert.

Für die Pferde-Seite digibet.de wirbt Mario Basler auch, einen wenig vorteilhaften Jockey-Helm auf dem Kopf. Basler ist selbst Mitbesitzer des Trabrennpferds Igor Font. Das gewann schon fast eine Million Euro an Preisgeld. Ganz legal.