Fußball: Wettaffäre Erste Geständnisse im Wettskandal

Neue Erkenntnisse über die Wettmafia: Drei Spieler des Regionalligisten SC Verl sollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Manipulationen eingeräumt haben. Europaweit stehen insgesamt mehr als 200 Fußballspiele unter dem Verdacht der Schiebung.

Von Johannes Nitschmann und Klaus Ott

Beim Wettskandal liegen offenbar erste Geständnisse vor. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sollen drei Spieler des Regionalligisten SC Verl eingeräumt haben, bei zwei Spielen der Saison 2008/2009 von der Wettmafia bestochen worden zu sein. Ein weiterer Spieler soll bei den geplanten Spielmanipulationen wieder abgesprungen sein und sich vor den beiden mutmaßlich manipulierten Regionalligapartien jeweils krank gemeldet haben. Die Staatsanwaltschaft Bochum, die dem Verdacht von manipulierten Fußballspielen nachgeht, äußerte sich nicht dazu.

Im Wettskandal sollen die ersten Geständnisse vorliegen.

(Foto: Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach weiteren SZ-Informationen auch wegen der Oberliga-Partie der zweiten Mannschaft von Carl Zeiss Jena gegen den ZFC Meuselwitz (0:2) im Mai 2009. Es ist das erste Spiel aus Ostdeutschland, bei dem ein solcher Verdacht bekannt wird; bislang standen nur West-Klubs wie der VfL Osnabrück, der SSV Ulm 1846 oder der SC Verl im Blickpunkt.

Die Wettmafia soll dafür gesorgt haben, dass Meuselwitz in Jena gewann, und dafür Wettgewinne in Höhe 30.880 Euro kassiert haben. Meuselwitz stieg in die Regionalliga Nord auf. Ein Sprecher von Carl Zeiss Jena sagte, dort sei nichts von dem Verdacht bekannt. Bislang habe sich niemand an den Klub gewandt. "Wir hoffen, dass sich der Verdacht nicht bestätigt."

Die Vereinsführung des SC Verl teilte am Dienstag mit, sie habe die Spieler Tim Hagedorn, 24, und Patrik Neumann, 28, "vom Spiel und Trainingsbetrieb suspendiert". Dies sei im Zuge von Hinweisen "auf versuchte Spielmanipulationen" bei zwei Regionalliga-Partien erfolgt. Diese Hinweise seien an die Staatsanwaltschaft Bochum und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) weitergeleitet worden.

Über Details dieser Hinweise, denen offenkundig Geständnisse von Verler Spielern zugrunde liegen, sei "Stillschweigen vereinbart worden, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden". Die Staatsanwaltschaft Bochum wollte sich dazu auf SZ-Anfrage nicht äußern. Der SC Verl distanzierte sich von "diesen kriminellen Handlungen" und stelle sich vor diejenigen Akteure in seinem Spielerkader, "die nicht an diesen Manipulationen beteiligt sind".

Im Zentrum des Geschehens in Verl steht offenbar ein 34 Jahre alter Kaufmann aus dem westfälischen Lippstadt, der Ende vergangener Woche wegen Betrugsverdachts verhaftet worden war. Der Beschuldigte, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt, soll Verler Spielern nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler mindestens 20.000 Euro dafür gezahlt haben, dass sie die für ihren Klub sportlich bedeutungslosen Punktspiele gegen die U23-Teams von Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Köln absichtlich verlieren.

"Was soll ich tun?"

Der erste Manipulationsversuch in dem Auswärtsspiel der Verler am 30. Mai 2009 in Mönchengladbach war allerdings gescheitert. Bereits nach 41 Spielminuten führte Verl überraschend 3:0. In der Halbzeit soll einer der gekauften Spieler eine SMS an seinen Wettpaten geschickt haben: "Was soll ich tun?" Zwar schaffte Mönchengladbach bis zur 81 Minute, begünstigt durch individuelle Fehler der Ostwestfalen, den Ausgleich, doch in der 89. Minute erzielte Verls Torjäger Christian Knappmann den 4:3-Siegtreffer.

Knappmann war offenbar in den mutmaßlichen Manipulationsversuch nicht eingeweiht. Am 6. Juni 2009, dem letzten Regionalliga-Spieltag der Saison 2008/2009, unterlagen die Verler durch ein Eigentor von Ihsan Kalkan in der 41. Minute gegen die U23 des 1. FC Köln 0:1. Kalkan, der einen abgefälschten Ball ins eigene Netz lenkte, soll jedoch nicht zu den gekauften Spielern zählen. Laut den Ermittlungen setzte die Wettmafia insgesamt 41.550 Euro auf einen Kölner Sieg beim SC Verl und erzielte bei einer Quote von 2,4 einen Gewinn von rund 100.000 Euro; an die gekauften Spieler sollen 20.000 Euro geflossen sein.

Der damalige Verler Trainer Mario Ermisch, der heute beim TuS Dornberg tätig ist, sagte der SZ, er sei nach den Geständnissen seiner früheren Spieler "wie vor den Kopf gestoßen". Er "habe nicht glauben wollen, dass die so was machen".

Nachtrag: Am Mittwoch zitiert die Deutsche-Presseagentur dpa den Vorsitzenden des SC Verl, Peter Mankartz: "Meines Wissens nach hat nicht ein Spieler ein Geständnis abgelegt - weder bei der Staatsanwaltschaft noch bei uns." Zur Suspendierung der Spieler Patrick Neumann und Tim Hagedorn hätten "Anhaltspunkte" geführt.