Fußball Für die Sportschau könnte es eng werden

Letzte Details der Ausschreibung sind immer noch nicht geklärt. Das Bundeskartellamt hat ein gewichtiges Wort mitzureden. Denn die DFL vergibt die Rechte aller Spiele im Auftrag der Vereine gemeinsam, diese Zentralvermarktung - die Einnahmen werden dann nach einem bestimmten Schlüssel unter den Vereinen verteilt - ist aber ein klassisches Kartell. Dem muss das Amt zustimmen, und es kann Auflagen erteilen. Das Kartellamt wird dem Vernehmen nach unter anderem darauf dringen, dass die Rechte für das Bezahlfernsehen an mindestens zwei Interessenten vergeben werden müssen. An diese sogenannte "No Single Buyer"-Regel muss sich die DFL dann in ihrer Ausschreibung halten, ob sie will oder nicht.

Eigentlich war die DFL gegen eine solche Klausel. Andererseits schafft sie mehr Wettbewerb. Und wahrscheinlich höhere Preise. Verlierer wird wohl Sky sein. Derzeit zeigt der Sender mit inzwischen rund 4,3 Millionen zahlenden Kunden alle Spiele. Die gegenseitige Abhängigkeit ist hoch. "Wenn Sky stark ist, ist die Bundesliga stark. Und wenn die Bundesliga stark ist, ist auch Sky stark", sagte zuletzt Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmidt. Weil das Kartellamt nun auf einen zweiten Interessenten dringt, um mehr Wettbewerb zu garantieren, wird Sky wohl nicht mehr wie bisher alle Rechte kaufen können. "Alle Spiele, alle Tore" - das wird damit vorbei sein.

Vereine streiten über Verteilung der Gelder

So könnte es beispielsweise sein, dass die Live-Partien am Freitag oder am Montag von einem anderen Bezahlsender oder auf bezahlpflichtigen Internetplattformen zu sehen sein werden. Fußballfans, die alle Spiele sehen wollen, brauchen dann möglicherweise zwei Abos und gegebenenfalls auch zwei Decoder. Das würde die Angelegenheit teurer und komplizierter machen. Amazon, die Deutsche Telekom, der US-Kabelunternehmer John Malone mit Unity-Media oder Vodafone mit der neuen Tochter Kabel Deutschland - sie alle könnten für die Pay-Rechte mitbieten,

Aber auch für die bisherige ARD-Sportschau im frei empfangbaren Fernsehen könnte es auch eng werden. Vor allem RTL hat großes Interesse einer Fußball-Zusammenfassung am Samstag, der Kölner Sender hatte zuletzt Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft gezeigt und hohe Quoten erzielt. Aber auch die Discovery-Tochtergesellschaft Eurosport könnte mitbieten - ob für das frei empfangbare Fernsehen oder die Pay-Rechte. Discovery hat bereits die Rechte an den Olympischen Spielen 2018 bis 2024 erworben und damit die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF zunächst aus dem Rennen geworfen. Aber auch Kombinationen aller möglichen Bieter sind denkbar.

Erwartet wird nun, dass die DFL demnächst mehrere Pakete ausschreiben wird, um die sich dann die potenziellen Bieter bewerben können. Dann erst wird auf Seifert und seine Leute die eigentliche Arbeit zukommen. Denn auch die Bundesligavereine sind sich über die Verteilung des Geldsegens nicht einig. Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, VfB Stuttgart, der HSV, 1. FC Köln und Hertha BSC haben sich nach Informationen der Sport-Bild zusammengeschlossen, um eine Reform der Fernsehgeld-Verteilung zu erreichen. "Team Marktwert" nennen sie sich. Bisher werden 65 Prozent der Gelder paritätisch unter den Klubs verteilt. Und 35 Prozent nach Erfolg. Die wenig erfolgreichen Traditionsklubs finden das ungerecht. Der Kampf ums Geld hat begonnen.