Fußball und Sex:Barcelonas Baby-Boom - neun Monate nach 6:2

Iniestas Baby-Boom: Barcelona staunt über einen Anstieg der Geburtenrate - neun Monate nach dem historischem 6:2-Sieg beim Erzrivalen Real Madrid.

Javier Cáceres

Wenn der FC Barcelona gewinnt, verändert sich der Gemütszustand der Stadt; durch Kataloniens Hauptstadt scheinen dann bloß noch Schmetterlinge zu fliegen und keine kackenden Tauben. Es füllen sich Restaurants, Bars und Diskotheken; und anderntags grüßt der Portier freundlicher, strahlt die Sonne stärker, schmecken Croissant und Kaffee besser, ja verkaufen sich sogar mehr Zeitungen als an anderen, bloß gewöhnlichen Tagen.

Andrès Iniesta

Andrés Iniesta bejubelt sein legendäres Nachspielzeit-Tor gegen den FC Chelsea.

(Foto: Foto: Getty)

Selbst über Direkteffekte von Barça-Siegen auf die Libido war hier und da bereits die Rede, und soeben wurde gar eine belastbare Statistik bekannt, die zu belegen scheint, dass die ganz großen Siege erotische Aktivitäten stimulieren. Denn Barcelona staunt über einen ungeahnten Anstieg der Geburtenrate - exakt neun Monate nach Barcelonas historischem 6:2-Sieg im Bernabéu-Stadion gegen den Erzfeind Real Madrid sowie dem legendären Nachspielzeit-Tor von Andrés Iniesta beim FC Chelsea, durch das sich Barça seinerzeit fürs Champions-League-Finale von Rom qualifizierte.

Als Beweis für das Phänomen, das als "Iniestas Baby-Boom" Furore macht, dienen Erhebungen von vier Klinken aus Barcelona. Sie berichteten über einen in der Tat bemerkenswerten Anstieg der Geburtenrate von 45 Prozent. Die Betten in den Entbindungsstationen seien überbucht wie die Touristenklasse bei Iberia.

"Wir haben, wie in solchen Fällen üblich, nachgeforscht, worauf das zurückzuführen sein könnte", sagte der Sprecher einer Klinik dem Sender COM Radio. Und weil aus jener Zeit kein Blackout überliefert war, "sind wir rasch bei Barcelonas Siegen gelandet".

So richtig widersprechen wollte Kataloniens Gesundheitsministerin Marina Geli den Medizinern zwar nicht. Eine Schwangerschaftsepidemie konnte sie allerdings nicht bestätigen, und auch über Wechselwirkungen zwischen Toren in der Champions League und Treffern im Bett schwieg sie sich aus.

Barcelonas Trainer Josep Guardiola wiederum wollte der Kunde bloß Gutes abgewinnen. "Wenn man den Politikern glaubt, ist der Anstieg der Geburtenrate etwas sehr positives, oder? Mir jedenfalls ist er hochwillkommen", erklärte er am Samstag nach dem 1:0-Sieg bei Sporting Gijón (Torschütze: Pedro/29.), der dem FC Barcelona erlaubte, Spitzenreiter der spanischen Liga zu bleiben. Mit fünf Punkten Vorsprung auf Real Madrid, das seinerseits durch Tore von Granero (13.) und Benzema (40./90.) mit 3:1 bei Deportivo La Coruña siegte (Gegentor: Riki, 85.).

Über mögliche Auswirkungen von Reals Sieg auf die Population Madrids kann nur spekuliert werden. Besonders war der Triumph allemal: Es war Reals erster Sieg in La Coruña seit 18 Jahren und zwei Monaten. Beziehungsweise seit nahezu 900 Schwangerschaftswochen.

© SZ vom 01.02.2010
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