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Fußball und Integration:Özil und Gündoğan sprechen sich mit DFB-Spitze und Steinmeier aus

German President Steinmeier talks to national team players Gundogan and Ozil during a meeting at Bellevue Castle in Berlin

Treffen im Schloss Bellevue: Ilkay Gündoğan, Mesut Özil und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

(Foto: REUTERS)
  • Die Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündoğan haben sich zu einer Aussprache mit der DFB-Spitze und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier getroffen.
  • Das Treffen fand im Vorfeld des Pokalfinales in Berlin statt.
  • Steinmeier teilte mit, er habe den Nationalspielern gesagt: "Heimat gibt es auch im Plural."

Nach ihren umstrittenen Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan haben sich die Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündoğan zu einer Aussprache mit der DFB-Spitze und Bundestrainer Joachim Löw getroffen. Das gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bekannt. Demnach habe das Treffen im Vorfeld des Pokalfinales in Berlin stattgefunden. Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel, Manager Oliver Bierhoff und Generalsekretär Friedrich Curtius nahmen daran teil. Im Anschluss kamen die Nationalspieler im Schloss Bellevue mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen.

"Beide haben uns gegenüber versichert, dass sie mit dieser Aktion kein politisches Signal senden wollten", sagte Grindel und fügte an: "Es verdient Respekt und Anerkennung, dass Mesut Özil und Ilkay Gündoğan persönlich die Irritationen ausräumen wollten. Genauso sage ich aber auch, dass dieser offene und ehrliche Austausch mit den Spielern für uns als DFB wichtig war."

Steinmeier postete auf Facebook: "Wir haben lange gesprochen, über Sport, aber auch über Politik." Der deutsche Fußball habe beide Spieler groß gemacht. Ihre Geschichte spiegele die Erkenntnis wider: "Heimat gibt es auch im Plural." Ein Mensch könne mehr als eine Heimat haben, und neue Heimat finden, schreibt Steinmeier. "Das hat die Bundesrepublik für Millionen von Menschen bewiesen und es hat uns bereichert."

Özil sagte demnach bei dem Treffen: "Ich bin hier aufgewachsen und stehe zu meinem Land." Und Gündoğan betonte: "Meine Familie stammt aus Dursunbey. Ich bin in Gelsenkirchen geboren. So wie die Heimat meiner Eltern auch ein Stück Heimat für mich ist, so ist Deutschland heute eindeutig mein Land und mein Team." Steinmeier sagte daraufhin: "Und mit Deutschland werden Sie Weltmeister!"

Gündoğan twitterte später: "Ich verstehe die Kritik an meinem Handeln. Aber es hat mich persönlich sehr getroffen, mir vorwerfen zu lassen, dass ich unsere Werte nicht respektiere." Er sei deutsche Staatsbürger, der die Nationalhymne singt. Viel wichtiger aber sei ihm: "Meine Kinder werden in diesem Land leben, das meiner Familie faire Chancen gegeben hat." Nun solle es wieder um Fußball, nicht um Politik gehen. "Jetzt zählt nur eins: WIR wollen gewinnen."

Özil und Gündoğan hatten Erdoğan am Sonntag in London getroffen und bei einem Fototermin signierte Trikots ihrer Vereine FC Arsenal bzw. Manchester City überreicht. Gündoğan erklärte dies mit einer Geste der Höflichkeit. Beide Spieler wurden von Löw am vergangenen Dienstag in den vorläufigen Kader für die WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) berufen. "Ich kenne beide Spieler schon seit Jahren und weiß, wie sehr sie sich mit der Nationalmannschaft und unseren Werten in Deutschland identifizieren. Mesut und Ilkay sind nicht nur aufgrund ihrer Entscheidung, für Deutschland spielen zu wollen, weiterhin gute Botschafter für Integration", sagte Bierhoff.

© SZ.de/dpa/sid/ick
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