Financial Fairplay Starkes Zeichen gegen Finanzdoping

Kein anderer Verein gibt so viel Geld für Spieler aus wie Paris Saint-Germain. Damit leisten sich die Franzosen unter anderem Angestellte wie Kylian Mbappé (links) und Neymar.

(Foto: REUTERS)

Was die Uefa nun vorhat, ist ein schlechtes Zeichen für Vereine wie Paris Saint-Germain und Manchester City - aber auch für Fifa-Boss Infantino.

Kommentar von Thomas Kistner

Etwas trocken liest sich auf den ersten Blick, was die Europäische Fußball-Union Uefa jetzt zu ihrem Financial Fairplay Programm (FFP) kundgetan hat: dass dieses zu einer "deutlichen" Gesundung der Klub-Finanzen in Europa geführt und die betrübliche Gesamtverschuldung der europäischen Vereine von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2011 in einen strammen Gewinn von 600 Millionen Euro anno 2017 verwandelt habe.

Das klingt äußerst erfreulich, vor allem, wenn man die jüngste Nachrichtenlage zum Thema FFP dagegensetzt - und genau darauf zielt diese Uefa-Erklärung in eigener Sache ja auch ab. Kürzlich war im Zuge von Football Leaks enthüllt worden, dass und wie 2014 der damalige Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino zwei Großklubs, die in offenkundig eklatantem Ausmaß gegen die FFP-Regeln verstoßen hatten, an den zuständigen Gremien und an fälligen Sanktionen vorbei gelotst haben soll: Paris Saint-Germain und Manchester City. Beide befinden sich in den Händen arabischer Herrscherclans.

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Lob für das FFP, das gerade auf so unverschämte Art ausgehebelt worden ist: Übt sich nun also auch die neue Uefa, nach der affärenumtosten Amtszeit unter dem seit 2015 gesperrten Ex-Präsidenten Michel Platini und unter Infantino, der Skandalnudel auf dem Fifa-Thron, in der branchenüblichen Schönfärberei?

Jetzt müssen die Fachleute ran

Gemach. Eingebettet in ihre generellen Betrachtungen trifft die Uefa eine explosive Ankündigung: Werden "neue Informationen bekannt", die für eine FFP-Bewertung relevant seien, dann werde sie diese nutzen, "um die Zahlen in Frage zu stellen und den betreffenden Verein um Erklärung, Klarstellung oder Widerlegung zu bitten". Und: Sollten diese Informationen zeigen, "dass zuvor abgeschlossene Fälle missbraucht wurden, können diese Fälle wieder geöffnet werden". Heißt im Klartext: Infantinos Begünstigungen von Paris Saint-Germain und Manchester City, deren Finanzdoping nach Aktenlage auf der Hand liegt, werden wohl wieder aufgerollt.

Das ist ein starkes Zeichen der Uefa. Sie will den unter Präsident Aleksandar Ceferin eingeschlagenen Kurs zurück zu alter Seriosität beibehalten. Und in der Logik bedeutet das: Sie muss überall dort mit der Ära Infantino/Platini brechen, wo massive Unstimmigkeiten auftreten.

Infantinos Amtszeit als Generalsekretär in der Europa-Union war eine reichlich düstere, nicht nur wegen der FFP-Sonderbehandlung für Superreiche. Ungeklärt blieben bis heute beispielsweise die massiv unterfütterten Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-Europameisterschaft 2012 an die Ukraine und Polen. Sie sind von der damaligen Uefa-Spitze verschleppt statt aufgearbeitet worden. Hingegen ist heute eine andere Uefa am Wirken, das zeigte auch der letztlich reibungslose Verlauf des politisch heiklen Bewerber-Duells Deutschland/Türkei um die EM 2024.

Was aber nun die FFP-Nachuntersuchung angeht: Die Uefa hat die Tür weit aufgestoßen, jetzt müssen die Fachleute ran. Das sind jene Leute, die nach Aktenlage 2014 von Infantino so dreist umgangen wurden. Und die damals schon protestiert hatten, wenn auch viel zu leise.

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