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Fußball: U-21-EM in Schweden:Nicht nur Trainer, auch ein Freund

Nach dem EM-Triumph seiner U21 bekommt Horst Hrubesch Lob von allen Seiten. Dennoch bleibt der 58-Jährige wohltuend antiquiert.

Ulrich Hartmann, Malmö

Der gestresste Fußballtrainer Horst Hrubesch muss jetzt Urlaub machen. Mallorca, Gran Canaria, Florida? "Alles Quatsch", sagte Hrubesch nach dem 4:0-Finalsieg seiner deutschen U-21-Nationalmannschaft, die im schwedischen Malmö gegen England zum ersten Mal in der deutschen Fußballgeschichte Junioren-Europameister geworden ist. "Ich will nirgendwo hin, nur nach Hause, auf meinen Hof in die Lüneburger Heide." Horst Hrubesch, wohnhaft in der Gemeinde Suhlendorf bei Uelzen, ist anders als andere Fußballtrainer. Er ist ein wohltuend antiquierter Anachronist in einer von vielen eitlen Selbstdarstellern bevölkerten Branche.

Trainer mit nie da gewesenem Erfolg: Horst Hrubesch führte die U21-Fußballer zum Europameisterschaftstitel.

(Foto: Foto: Getty)

Früher köpfte er Tore für den Hamburger SV, erzielte 1980 die beiden Treffer zu jenem 2:1-Sieg, der Deutschland zum Europameister machte, und wurde wegen seiner schädelfixierten Spielweise "Kopfballungeheuer" genannt. Hrubesch war schon 28 Jahre alt, als er zu seinem ersten Länderspiel berufen wurde. Er nennt sich einen Spätzünder, "als Spieler wie als Trainer". Aber durch seinen jüngsten Erfolg hat er mit seinen 58 Jahren etwas geschafft, was noch keinem Trainer zuvor gelungen war: Er ist jetzt mit zwei deutschen Auswahlmannschaften gleichzeitig Europameister.

Im Juli 2008 hatte Hrubesch die U-19-Mannschaft in Tschechien zum Titel geführt - und nun schaffte er das auch mit der U21. Die hatte er bloß für dieses eine Turnier übernommen, nachdem Dieter Eilts entlassen worden war und bevor im Herbst Rainer Adrion kommt. "Er war jetzt genau der richtige Trainer für dieses eine Turnier", meinte der Abwehrspieler Andreas Beck.

Hrubesch spreche Klartext und schwafle nicht herum, sagen die Spieler. "Er schnauzt dich zwar auch mal an, aber danach zieht er dich gleich wieder aus dem Dreck", sagt der Torwart Manuel Neuer. Hrubesch sei nicht nur Trainer - sondern auch ein Freund. Hrubesch selbst schätzt Aufrichtigkeit über alles. Als "ehrlich und leistungsbereit" charakterisiert er auch jene, mit denen er sich in seinem Leben - neben den Jugendfußballern - am liebsten beschäftigt: Hrubesch hütet auf seinem Hof in der Heide fünf Edelblut-Haflinger.

Er liebt die Abgeschiedenheit und die Natur. 1980 hat er als Co-Autor ein Buch über das Angeln von Dorschen veröffentlicht. Die 30000 Exemplare sind längst vergriffen, Hrubesch hat selbst keines mehr. "Ich habe nur noch den Schutzumschlag davon", sagt er und lacht, "aber da steckt ein falsches Buch drin."

In den neunziger Jahren hat er verschiedene Klubmannschaften trainiert - Essen, Rostock, Dresden oder Samsun in der Türkei - aber diese Jobs waren ebenso wenig von Erfolg geprägt wie jener als Assistent des gescheiterten Bundestrainers Erich Ribbeck bei der EM 2000. Später wechselte Hrubesch in den Nachwuchsbereich des Fußballbunds und fand dort sein Glück. Mit zwei Titeln ist er jetzt ein Held. "Aber die Anforderungen an ihn wachsen dadurch natürlich", sagt Bundestrainer Joachim Löw. Im Herbst wird Hrubesch die deutsche U-20-Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Ägypten betreuen. Noch ein Erfolg, und er würde manchem im Fußballbund unheimlich.

© SZ vom 01.07.2009
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