MeinungFußball-TransferfensterVertragslosigkeit ist der Sommertrend

Kommentar von Felix Haselsteiner

Lesezeit: 2 Min.

Auch Leon Goretzka will noch weiter Fußball spielen - nur wo?
Auch Leon Goretzka will noch weiter Fußball spielen - nur wo?
Vincent Carchietta/Imagn Images via Reuters

Vertragslos, aber glücklich: Spieler wie Goretzka, Alaba, Vlahovic oder Sancho sind noch ohne Kontrakt für die anstehende Saison. Sie alle eint ein radikaler Opportunismus.

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Seit einigen Tagen hat Peter Neururer wieder Sommerurlaub, nach intensiven Wochen: Von Mitte Juli an betreute der 71-Jährige in drei Lehrgängen einmal mehr das VDV-Proficamp, eine inzwischen traditionelle Veranstaltung, die von den Unwägbarkeiten des Profifußballs erzählt. Die Spielergewerkschaft VDV gibt vertragslosen Profifußballern im Sommer die Gelegenheit, sich fit zu halten und ins Schaufenster zu spielen, unter Anleitung von Neururer und vor zahlreichen Scouts. So finden Jahr für Jahr ehemals hochklassige Spieler und Talente Vereine, um ihr Fußballerdasein weiter auszuleben und nicht den Anschluss zu verpassen.

Im Fußballgeschäft galt mal grundsätzlich die Regel, dass Vertragslosigkeit unbedingt zu vermeiden ist. Nicht nur, weil eine Anstellung bei einem Fußballverein Kern des Berufes ist. Auch lief man Gefahr, den Eindruck zu erwecken, nicht gewollt zu sein. Wäre man ein so toller Fußballer, hätte man ja schließlich längst einen Verein gefunden. Weshalb Profis eine hohe Motivation hatten, möglichst schnell wieder unter Vertrag zu stehen und sich mithilfe ihrer Berater bei Vereinen zu bewerben.

Ironisch wirkt dieses alte Bild vom Fußball inzwischen fast schon, im Jahr 2026. Längst ist ein Markt entstanden, in dem mehr Macht bei Spielern und Beratern liegt als bei den Vereinen.

Goretzka, Sancho, Vlahovic, Alaba – sie alle warten ab

Erkennbar ist das an der Liste der elitären vertragslosen Spieler, die nicht bei Neururer im Camp vorspielten, sondern derzeit allein auf Trainingsplätzen gemeinsam mit Personal-Trainern kicken. Klingt nicht allzu fußballromantisch, ist aber sicher teilweise auch Taktik: Abwarten lautet derzeit die Devise für Spieler wie Leon Goretzka, Dusan Vlahovic, Jadon Sancho, David Alaba, Raphaël Guerreiro, Daniel Carvajal, Fabinho und zahlreiche andere. Champions-League-Sieger und WM-Teilnehmer sind derzeit vertragslos, aber dabei wohl mehrheitlich ganz glücklich. Sie alle eint der Glaube daran, dass irgendein europäischer oder zur Not saudi-arabischer respektive US-amerikanischer Verein sich melden wird. Vertragslosigkeit ist fast schon ein Sommertrend. Fehlt noch, dass sich alle gemeinsam auf Ibiza treffen, zu einer Art Luxus-Camp von Millionären, die gegebenenfalls weiterspielen würden, wenn denn die Umstände passen.

Die Zocker-Gedanken liegen auf der Hand. Einerseits können die Spieler Handgelder kassieren, da für sie als Vertragslose keine Ablöse fällig wird. Was der aufnehmende Verein also an den abgebenden Verein normalerweise zahlen muss, soll zumindest teilweise in die eigene Tasche wandern. Trotzdem können sie darauf spekulieren, dass das Paket aus Handgeld plus Gehalt für Spieler und Berater den aufnehmenden Verein am Ende weniger kostet, als es im Fall eines Transfers samt Ablösezahlung an einen anderen Verein für einen angestellten Spieler wäre. Dazu sind auch noch die Verhandlungen leichter, da nur zwei statt wie üblich drei Parteien (Verein A und B plus Spieler) am Tisch sitzen. Das Transferfenster ist auch irrelevant: Vertragslose Spieler müssen sich nicht an die Regel halten, dass bis Ende August Klarheit herrschen muss. Zeitdruck ist also keiner da.

Ein absurdes Theater ergibt sich somit in der Fußball-Blase, in der Spieler und ihre Berater ihre Karrierepläne längst nicht mehr nur nach dem maximalen sportlichen Erfolg ausrichten müssen. Wäre das der Fall, wäre es eindeutig besser, bereits im Juli bei einem Verein unter Vertrag zu stehen und die Vorbereitung auf eine Saison mitzuspielen. Anstatt allein auf Trainingsplätzen Torschussübungen zu machen.

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