Die Aufregung war schon zu Beginn des Jahres groß. 1,1 Millionen US-Dollar! So viel wurde noch nie für eine Fußballerin gezahlt! Und dann auch noch für eine Defensivspezialistin statt für eine Torjägerin. Aber die amerikanische Nationalspielerin Naomi Girma war dem englischen Meister FC Chelsea diese kolportierte Summe wert. Damit wurde eine Mauer durchbrochen, deren Fall man lange für nicht möglich hielt. Die Frage, wie lange Girma diesen Rekord halten würde, wurde dann vor gut einem Monat beantwortet, ebenfalls aus England. Die kanadische Stürmerin Olivia Smith wechselte vom FC Liverpool zum FC Arsenal für wohl 1,3 Millionen Dollar (1,15 Millionen Euro). Was allerdings etwas unterging, weil im Juli alle Augen auf die Europameisterschaft in der Schweiz gerichtet waren.
Aber nun ist ohnehin die nächste Stufe erreicht worden, von Lizbeth Ovalle, einer 25 Jahre alten Mexikanerin, die bisher noch nicht außerhalb ihres Heimatlandes angestellt war – und dort nur für einen einzigen Verein gespielt hat. Sie zählte daher (noch) nicht zu den großen internationalen Namen. Ovalle wechselt von Tigres Femenil aus Monterrey zu Orlando Pride in die US-Profiliga NWSL – für 1,5 Millionen Dollar (ca. 1,3 Millionen Euro) laut übereinstimmenden Medienberichten. Der Klub, für den auch Brasiliens Fußballlegende und sechsmalige Weltfußballerin Marta sowie die sambische Angreiferin Barbra Banda spielen, nannte selbst keine Summe, sprach aber bei dem bis zur Saison 2027 geschlossenen Kontrakt von einem „Weltrekord-Deal“.

FC Barcelona:Wenn Frauen für Männer bezahlen müssen
In den vergangenen fünf Jahren gewannen die Fußballerinnen des FC Barcelona so gut wie alles. Nun aber schrumpft der Kader, selbst ein Weggang von Alexia Putellas erscheint nicht mehr ausgeschlossen – wegen der Schulden der Männer.
Schon mit Banda hatte Orlando 2024 einen der teuersten Transfers geschlossen, nach eigenen Angaben betrug die Ablöse an den chinesischen Verein Shanghai Shengli umgerechnet 677 000 Euro. Damit kann Pride zwei unter den bislang sechs wertvollsten Wechseln für sich verbuchen als Statement für die eigenen Ambitionen. „Wir sind fest entschlossen, Jahr für Jahr meisterschaftsfähige Teams aufzubauen. Diese bahnbrechende Verpflichtung steht für unseren Fokus“, sagte Mark Wilf, Eigentümer und Vorsitzender des Titelverteidigers und derzeitigen Drittplatzierten der National Women’s Soccer League. Mit Ovalle will sich Pride laut Wilf weiter „unter den Eliteklubs im globalen Frauenfußball positionieren“.
Die mexikanische Flügelspielerin gab ihr Debüt 2017 und gewann mit Tigres sechsmal die Meisterschaft. In 294 Partien schoss Ovalle 136 Tore und lieferte 103 Vorlagen, für das Nationalteam kommt sie in 81 Länderspielen auf 22 Tore. Ihr berühmtester Treffer gelang ihr im März dieses Jahres, als sie gegen Atlas Guadalajara einen derart kuriosen Abschluss fabrizierte, dass Tiges danach auf Social Media an den Fußball-Weltverband gerichtet schrieb: „Hey Fifa, wir haben eine Puskás-Kandidatin für dich.“ Eine Kandidatin also für die Auszeichnung zum schönsten Tor des Jahres, wobei die Fifa den Frauen seit 2024 in einer eigenen Kategorie den Marta-Award verleiht. Jedenfalls: Spaniens Weltmeisterin Jennifer Hermoso flankte in den Strafraum, Ovalle sprang mit dem Rücken zum Tor ab, um den Ball dann volley mit der Hacke artistisch und platziert zur Führung ins Netz zu schicken.
Da war sie bestens zu sehen, die Zauberkunst der Fußballerin mit dem Spitznamen „la Maga“, die Magierin. Und so bedankte sich zum Abschied Tigres ausgiebig bei Lizbeth Ovalle für „so viel Magie“ in all den Jahren, die sie nun zur teuersten Fußballerin der Welt gemacht hat.

