Fußball:Talente wie Ödegaard: Verschwendet eure Jugend

Vor einem Jahr galt ein 16-jähriger Blondschopf aus Norwegen als große Hoffnung. Heute ist Martin Ödegaard frustriert. Eine Auswahl an zu früh gehypten Fußballern.

Martin Ödegaard

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(Foto: picture alliance / dpa)

Es gibt sie zu Hauf: Früh gefeierte Fußball-Talente, die die Erwartungen der Öffentlichkeit nie erfüllen können. Vor einem Jahr kam einer dieser Auserwählten zu Real Madrid - Martin Ödegaard, ein junger Norweger mit Michel-von-Lönneberga-Frisur. Real gewann im Winter 2014 das Wettbieten um den damals 16-Jährigen gegen europäische Spitzenklubs wie Manchester United und Bayern München. Nach einem Jahr sieht es so aus, als sei der Schritt für Ödegaard zu früh gekommen. Zwar darf der Mittelfeldbubi wegen einer Klausel in seinem Vertrag mit den Profis trainieren, aber seine Spiele bestreitet er (unter Murren) in der dritten spanischen Liga mit dem B-Team. Ob er unter Reals neuem Cheftrainer Zinedine Zidane eine Chance bekommt, ist derzeit ungewiss. Immerhin: Der Franzose kennt Ödegaard aus seiner Zeit als Cheftrainer der zweiten Mannschaft. Ansonsten könnte dem mittlerweile 17-Jährigen ein ähnlicher Karriereverlauf drohen wie etwa ... (tbr)

Marko Marin

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(Foto: dpa)

"German Messi" nannten sie ihn, als Marko Marin 2012 von Werder Bremen für stattliche 13 Millionen zum FC Chelsea umzog. Ein kleiner Wusler, der gerne dribbelt, schnelle Haken schlägt und den Ball als seinen besten Freund betrachtet. Nunja. Marin wurde nicht annähernd so gut wie Messi. Begonnen hat er bei Borussia Mönchengladbach, wo der damals 18-Jährige unter Trainer Jos Luhukay in der Bundesliga debütierte. Sein Spiel machte mitunter echt Spaß, doch seine Leistungen schwankten. Es folgten ein Wechsel an die Weser, immerhin 16 Einsätze für den DFB und die baldige Einsicht, dass ihm für die ganz große Karriere die Fitness und der Wille fehlten. Über die Stationen Sevilla, Florenz und Anderlecht (für alle drei Klubs null Tore) ist er mittlerweile bei Trabzonspor gelandet. Letzte Meldung von dort: Ein Trainingsstreit vor laufenden Kameras. (jbe)

Samid Yesil

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(Foto: AFP)

Sein Spitzname war "Gerd". Wegen seiner Torquote, die an den berühmten Müllergerd rankam. 36 Tore in 41 Spielen in der B-Jugend, 21 Tore in 30 Spielen in der A-Jugend. 20 Tore in 22 Spielen für die deutsche U17-Nationalmannschaft, Samed Yesil war die deutsche Sturmhoffnung, in einem Land, dass eigentlich immer Miroslav Klose spielen ließ. Er wechselte mit dem Selbstbewusstsein seiner Quote von Leverkusen nach Liverpool, Rudi Völler nannte das "mutig". Ob er es dort gepackt hätte, weiß man nicht, er riss sich zweimal das Kreuzband. Jetzt spielt er in der Schweiz beim FC Luzern unter Trainer Markus Babbel. Aufgeben will ihn Liverpool aber offenbar nicht, er ist nur verliehen. Und Jürgen Klopp wird sich an seine Torquote erinnern. (schm)

Freddy Adu

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(Foto: AFP)

Freddy Adu tritt auf die Bühne, um Fußball in Amerika auf die nächste Ebene zu hieven, das war 2004 jedenfalls die Hoffnung. Eine gewaltige Aufgabe für einen 14-Jährigen. Zu diesem Zeitpunkt hat Adu aber auch schon seinen ersten Profivertrag in den USA unterschrieben und millionenschwere Werbeverträge mit Nike und Pepsi - eben wie ein ganz Großer. Der Durchbruch bleibt ihm dann aber verwehrt, wie auch dem amerikanischen Fußball generell. Nach unzähligen Vereinswechseln spielt der heute 26-Jährige nun bei den Tampa Bay Rowdies - ohne Werbeverträge von Brause- und Sportartikelherstellern. (tbr)

Bojan Krkic

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(Foto: REUTERS)

Wie Lionel Messi kommt auch Bojan Krkic aus der Talentschmiede des FC Barcelona. Schnell gibt es Vergleiche. Denn während seiner Zeit im Ausbildungszentrum "La Masia" bricht der kleine Dribbelmann zahlreiche Vereinsrekorde. Nach nur einem Jahr bei der zweiten Mannschaft steigt er zu den Profis auf - und trainiert dort mit dem echten Messi. Als Krkic, Sohn eines serbischen Vaters und einer spanischen Mutter, in der spanischen Liga debütiert, ist er 17 Jahre alt. Im Gegensatz zu Messi setzt er sich allerdings nie richtig durch. Das Leben als Einwechselspieler im Schatten von Messi lastet schwer auf ihm zu und er versucht es bei anderen Klubs: AS Rom, AC Mailand, Ajax Amsterdam und Stoke City. Bei Stoke spielt er jetzt neben Marko Arnautovic, einem weiteren früh gehypten Talent. (tbr)

Takashi Usami

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(Foto: Claus Schunk +49 1716039668)

Als der FC Bayern München 2011 den Japaner Takashi Usami von Gamba Usaka ausleiht, hatte Shinji Kagawa bei Borussia Dortmund gerade bewiesen: Japaner können doch kicken (der BVB freute sich über Kagawas 13 Tore und 12 Vorlagen in der Liga). An Usami, den die Japaner als Riesentalent verehren, stellen die Bayern deswegen genau so riesige Erwartungen. Doch der quirlige, etwas schmalbrüstige Offensiv-Allrounder weiß sich in der Bundesliga nicht durchzusetzen - weder bei Bayern, noch später bei 1899 Hoffenheim. Usami überzeugt jetzt wieder in der japanischen Liga. Und siehe da: Angeblich waren im Winter Bundesligisten am heute 23-Jährigen interessiert. (tbr)

Andreas Ivanschitz

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(Foto: Grimm/Getty)

So viele berühmte Fußballer aus dem Burgenland gibt es ja nicht - aber an Andreas Ivanschitz erinnert man sich auch jenseits der Grenzen Österreichs. Sein linker Fuß veredelte einst das Mittelfeld des FSV Mainz. Dort schoss er immerhin 22 Tore. Doch seit dem Jahr 2013 verliert sich seine Spur ein wenig: Erst ein Wechsel nach Levante und im vergangenen Jahr ein Engagement in der amerikanischen Rentnerliga MLS bei den Seattle Sounders. Dabei stand Ivanschitz einst vor einer großen Karriere. Als 17-Jähriger debütierte er bei Rapid Wien, war bald Kapitän und Nationalspieler und mit 19 Jahren und 361 Tagen sogar der jüngste ÖFB-Spielführer seit Kriegsende. Heute weiß man: Sein Talent hat der Mann aus dem burgenländischen Eisenstadt nie ganz ausgeschöpft. (jbe)

Mario Balotelli

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(Foto: dpa)

Mario Balotelli ist mit reichlich Talent und Muskeln ausgestattet, zudem besitzt er das Selbstbewusstsein eines Zlatan Ibrahimovic und das Gehabe eines Cristiano Ronaldo. Allerdings fehlt dem Stürmer in seiner Karriere seit jeher die Reife, er erregt mehr Aufsehen durch Falschparken oder das Unvermögen, sich alleine ein Trainingsleibchen überzustreifen, als durch sein Können auf dem Platz. Nach seinem Durchbruch bei Inter wechselt er zwischen England und Italien hin und her. Fußballerische Schlagzeilen: Fehlanzeige (außer einem Urknall-Auftritt gegen die DFB-Elf bei der EM 2012). Derzeit ist er von Liverpool nach Mailand ausgeliehen, ist dort aber nur Einwechselspieler. Auch in der Nationalmannschaft spielt er keine Rolle. Einen Status wie Ibrahimovic und Ronaldo wird er wohl nicht mehr erreichen. (tbr)

Richard Sukuta-Pasu

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(Foto: dpa)

Dass Richard Sukuta-Pasu ein Talent ist, sieht man an folgenden Daten: Er wurde deutscher A-Jugendmeister mit Bayer Leverkusen und durchlief alle Jugend-Nationalmannschaften des DFB. Er bekam auch einen Spitznamen von der Boulevard-Presse: "Super-Richie", das war mal ein bekannter Hit. Kritisch wird es, wenn man sich seine weiteren Daten anschaut, denn seine Torquote in der Jugend hielt nicht mit den Leistungen bei den "Herren" mit. In Kaiserslautern traf er als Stürmer in 26 Spielen ein Mal, bei St. Pauli machte er in 22 Spielen zwei Buden, in Belgien bei Cercle Brügge ganze drei in 29 Spielen. Gerade versucht es Sukuta-Pasu bei Energie Cottbus in der dritten Liga. Tore bisher: vier. (schm)

Savio Nsereko

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(Foto: Claus Schunk 01716039668)

"Er ist ein kompletter Spieler, wie früher Kevin Keegan. Er hat alles, eine ausgefeilte Technik und Schnelligkeit. Ich bin von dem Jungen begeistert", sagt U-19-Trainer Horst Hrubesch über Savio Nsereko nach dem EM-Titel mit den Junioren 2008. Viel Lob bekommt der Flügelstürmer zu Beginn seiner Karriere. Viel Geld gibt ihm dann Premier-League-Klub West Ham United 2008, scheinbar zu viel für den 19-Jährigen. Über Partyexzesse und Shoppingtouren berichten englische Medien. West Ham verliert in der Folge das Vertrauen in Nsereko und verkauft ihn. Damit beginnt eine wilde Reise, beruflich wie privat: zehn Klubs in sieben Jahren, dazwischen immer wieder Arbeitslosigkeit. 2012 soll er in Thailand seine Entführung vorgetäuscht haben, um Lösegeld von seiner Familie zu erpressen. Einen solchen Werdegang hatte sich Horst Hrubesch wohl nicht für seinen Schützling vorgestellt. (tbr)

Lars Ricken

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(Foto: dpa)

Das 3:1 von Lars Ricken im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin brannte sich Fußball-Fans ins Gedächtnis. Ricken ist 20 Jahre alt und gerade fünf Sekunden auf dem Platz, als er den Ball aus 20 Metern über Juve-Torhüter Peruzzi ballert. Ein Jahrhundert-Tor. Danach wird dem Stürmer eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Diese Erwartungen erfüllt Ricken aber nie, auch wenn ihm in 302 Bundesliga-Einsätzen 49 Tore gelingen. Immerhin bleibt er Borussia Dortmund treu und geht nicht auf Wanderschaft wie so viele hochgelobte, aber enttäuschende Jungspieler. Beendet 2009 nach 16 Jahren sein Talent-Dasein und seine aktive Fußballkarriere. Bei ihm war mehr drin. (tbr)

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