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Fußball: Schiedsrichter-Affäre:Mysteriöses in der Nacht von Freitag auf Samstag

Amerell hat früh auf viele solcher Belege verwiesen. Sein Anwalt Jürgen Langer warnte, es werde "am Ende nur Verlierer geben"; Amerell sei bloß der erste. Sollte es also einen derartigen, einschlägigen Schriftverkehr über Jahre geben, dürfte es Kempter und dem DFB schwerfallen, den Vorwurf erzwungener Übergriffe aufrecht zu erhalten - so lautet die Rechnung Amerells. An Bedeutung gewänne wohl auch, dass Zwanziger und Spitzenleute Kempters SMS von Januar schon seit 1. Februar kennen.

Als letzte Woche plötzlich ein junger Referee bei den DFB-Ermittlern anzeigte, Kempter sei ihn am 13. Mai 2009 in einem Düsseldorfer Hotelzimmer sexuell angegangen, reagierte der DFB defensiv. Ihn interessiere nur, ob jemand sein Amt missbrauche, Privates unter Mitarbeitern ginge ihn nichts an. Kempter bestreitet den Vorfall, für den DFB war die Sache erledigt. Auf diesem Grat bewegt sich die Affäre, und mit ihr der Verband.

Es gibt auch die drei weiteren Zeugen, die Nötigungen anzeigen. Anwalt Langer ist gespannt, er beobachtet das Internet. Aus einer Facebook-Gruppe zu Kempter, sagt er, hätten sich "in den letzten Tagen einige Schiedsrichter rausgelöscht". Generell sei es ein Unterschied, ob Referees unabhängig voneinander, wie der DFB sagt, Klage führten - "oder ob sie gut verbandelt sind, und Kempter, der Fifa-Referee, ein Idol für den einen oder anderen war." Nichts erscheint undenkbar vor dem Prozess, nicht mal, dass er in letzter Sekunde platzen könnte.

Mysteriöses trug sich Freitagnacht zu. Zunächst rief Franz-Xaver Wack, Ex-Bundesligaschiedsrichter, bei Amerells Ehefrau Margit an, er suche ein Gespräch. Die Ehefrau bat nach Rücksprache mit Anwalt Langer den späten Anrufer zu sich ins Augsburger Hotel. Es gibt dazu Wacks Version, nach der ihm eine Falle gestellt wurde. Doch stehen hier wie auch bezüglich der Gesprächsinhalte drei Zeugen gegen ihn. Margit Amerell sowie die nachts von München gen Augsburg gebrausten Langer und Frau behaupten, Wack habe gesagt, es ginge um zehn Referees, Amerell solle sich Montag "stellen". Und: Wack habe sich dezidiert auf Akteneinsicht beim DFB berufen.

Der DFB versichert, Wack habe kein Amt und auch nie Akteneinsicht erlangt. Nur die drei Referees sähen ihn als Vertrauensmann. Letzteres wurde in einer überfallartig angesetzten kleinen Presserunde am Sonntag verkündet. Selektive Pressearbeit ist ein Merkmal Zwanzigers geworden, auf SZ-Anfrage aber verweist der DFB nur auf die Referees, die hätten diesen Kreis klein und anonym halten wollen; Bild war dabei.

Doch warum überhaupt eine Pressekonferenz, zumal ja diese Referees zugleich ungenannt bleiben wollten? Die wahre Neuigkeit schien, dass plötzlich Franz-Xaver Wack auf der Bühne stand - dessen Auftritt bei Amerells Frau aber nicht thematisiert wurde. Auf Anfrage, ob der jähe Sonntagtermin eine Reaktion auf Wacks misslungenes Augsburg-Abenteuer war, äußerte sich der DFB nicht.

© SZ vom 04.03.2010
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