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Fußball: Schiedsrichter:Affäre Amerell - "Kuss vom Schatz"

Ex-Schiedsrichter-Sprecher Amerell kämpft im TV-Studio bei Kerner um seine Ehre - und packt intime E-Mails jenes Jung-Schiris aus, der ihn beschuldigt.

Die Worte und Sätze künden von einer Romanze. Und sie lassen eine Affäre des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im WM-Jahr unerwartet eskalieren.

"In Liebe", steht da geschrieben und "Bist mein Lover". Oder: "Kuss von deinem Schatz" und "Dein dich liebender Michi". Adressat der herzigen E-Mails ist Manfred Amerell, 63, der frühere Bundesliga-Schiedsrichter, langjährige anerkannte Schiedsrichter-Funktionär und Beschuldigter in der seit Wochen ausartenden DFB-Schiedsrichter-Affäre. Und Amerell ist bestens gerüstet, als er am Donnerstagabend in der Sat1-Talkshow Kerner in die mediale Offensive geht und den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger attackiert.

Lügenvorwürfe, Verschwörungstheorien und mysteriöse Treffen

Einen ganzen Stapel an E-Mails lässt er den TV-Moderator Johannes B. Kerner in Ausschnitten verlesen - und in diesen Schreiben wimmelt es nur so von Liebesbeteuerungen und Sehnsuchtsbekundungen. Der Absender dieser amourösen Botschaften: Michael Kempter.

Kempter ist mit 27 Jahren einer der jüngsten und besten Bundesliga-Schiedsrichter. Er hat vor einigen Wochen diese etwas klebrige Affäre ausgelöst und zunächst gegenüber führenden DFB-Funktionären, später auch in der Öffentlichkeit, den viel älteren Amerell der sexuellen Belästigung in drei Fällen bezichtigt. Danach unterschrieben noch drei weitere Unparteiische eidesstattliche Versicherungen, in denen auch sie derartige Vorwürfe gegen Amerell erheben.

Seitdem geht es rund in Deutschlands Fußball und Deutschlands Schiedsrichter-Zunft. Es geht um Lügenvorwürfe, Verschwörungstheorien und mysteriöse Treffen - und um Richter und Staatsanwälte. Am Donnerstagnachmittag, nur wenige Stunden vor der Aufzeichnung des Fernsehgesprächs in Hamburg bei Kerner, war es in München zu einem außergerichtlichen Vergleich gekommen, der alles andere als ein Friedensschluss ist, sondern den Weg zum Großkonflikt freimacht. Danach darf der DFB zwar weiter behaupten, Amerell habe mehrere Personen belästigt und/oder bedrängt, jedoch wurden Amerell und seinem Anwalt Jürgen Langer die Namen jener drei Schiedsrichter mitgeteilt, die ihn neben Kempter beschuldigen.

Schon kurz nach der Verkündung dieses Deals schwante den Beobachtern, dass die Schlammschlacht jetzt erst so richtig losgehen würde. Und in der Tat folgt der nächste Akt bereits am Abend. Im Stil knapp, aber in der Sache eindeutig, äußerte sich Amerell über das Verhältnis zu Kempter.

"Ich mochte ihn sehr, sehr gerne."

Hatten Sie eine Liebesbeziehung? "Nein, wir haben uns ja kaum gesehen. Da kann man nicht von Liebesbeziehung sprechen." Hatten Sie körperlichen Kontakt? "Es ist drei Mal zwischen uns zu körperlichen Beziehungen gekommen." Haben Sie ihn geliebt? "Ich mochte ihn sehr, sehr gerne. Ich glaube, im Umkehrschluss war es genauso." Warum hat Kempter Sie der Belästigung bezichtigt? "Vielleicht war er eifersüchtig?" Sind Sie bisexuell? "Das könnte man so ausdrücken."

Das sind erstaunliche Bekenntnisse eines verheirateten Familienvaters, dessen Frau sich öffentlich für ihn engagiert. Bis vor kurzem schien ein solcher öffentlicher Dialog in Deutschlands Fußball-Szene unvorstellbar. Der DFB kommt daher wie ein ehrbarer Altherren-Klub, Homo- und Bisexualität sind ein Tabuthema.

Nun aber erschüttert der Fall Amerell die Republik. Vor wenigen Tagen erst war Michael Kempter in einem Fernsehinterview gefragt worden, ob er "hetero-, homo- oder bisexuell" sei. "Ich bin heterosexuell", war die Antwort des Mannes, der einen anderen Mann gegenüber die Worte "mein Schatz" und "dein Lover" fand und in dessen E-Mails sich auch die Passage "Ich habe noch nie richtig ein Mädchen geliebt, nur meine Freunde wie Dich ..." findet.

Jung-Schiri Kempter bestreitet die Mails nicht, wohl aber, ein sexuelles Verhältnis gehabt zu haben. Zur Bild sagte er: "Der Inhalt erklärt sich aus der unglaublichen Drucksituation, das war absoluter Terror. Wenn ich mal nur noch 'Liebe Grüße, Michael' geschrieben habe, war er sofort böse und beleidigt, rief mich an und drohte mir damit, dass es keine Spiele mehr für mich gäbe, wenn ich so was nicht mehr schreiben würde. Ich konnte nicht einfach sagen: 'Ich mache das nicht mehr.'"

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wen Amerell für die Eskalation der Äffäre verantwortlich macht.

Im Video: Außergerichtliche Einigung zwischen DFB und Amerell

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