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Fußball: Rekord-Transfers:Real Ferrari

Die Fußball-Branche kritisiert nach dem Transfer von Cristiano Ronaldo nach Madrid die Steuervorteile in Spanien. Dort gibt es ein "Beckham-Gesetz".

Javier Cáceres und Christian Zaschke

Noch immer bebt es leicht in der Branche, nachdem bekannt wurde, dass Real Madrid den Portugiesen Cristiano Ronaldo für 94 Millionen Euro von Manchester United kauft. Wirklich überrascht war niemand von dem Transfer, weil er sich lange abgezeichnet hatte, aber als er nun tatsächlich konkret wurde, setzte eben doch europaweit einiges Staunen ein: so viel Geld für einen Fußballer.

Kennst Du den? Treffen sich zwei ziemlich reiche Fußballprofis... Der Portugiese Cristiano Ronaldo (links) und der Brasilianer Kakà im Dezember 2007 bei einer Veranstaltung des Fußball- Weltverbandes in Zürich. Bald dürften sich die beiden bei Real Madrid häufiger sehen.

(Foto: Foto: AFP)

Innerhalb Spaniens kommentieren die Zeitungen den Kauf sehr unterschiedlich. Das Blatt Sport aus Barcelona schreibt: "Angesichts von vier Millionen Arbeitslosen in Spanien ist es obszön, 94 Millionen Euro für einen Fußballer auszugeben." Anders sieht es Marca: "Der weltweite Wirbel um den Transfer zeigt schon jetzt, dass Real mit seiner Entscheidung richtig liegt."

In den großen Klubs herrscht eine Mischung aus Gelassenheit und Empörung. Ernesto Bronzetti, Berater des AC Mailand, sagte der SZ: "Wenn du Geld für einen Fiat 500 hast, kaufst du dir einen Fiat 500. Wenn du Geld für einen Ferrari hast, kaufst du dir einen Ferrari. So einfach ist das." Der Vizepräsident des Klubs, Adriano Galliani, sieht die Sache jedoch nicht so einfach. Er beklagt die Steuervorteile von spanischen Vereinen.

In der Tat hat Spaniens Liga einen enormen Wettbewerbsvorteil. Die Klubs können netto deutlich mehr zahlen, weil sie brutto weniger aufwenden müssen. Seit 2004 werden Spitzenkräfte, die von spanischen Firmen angeheuert werden und sich danach erstmals im Land niederlassen, steuerlich enorm begünstigt.

Sie zahlen für einen Zeitraum von maximal sechs Jahren einen Satz von gerade einmal 24 Prozent - deshalb werden die Verträge von Kakà und Ronaldo für fünf Jahre abgeschlossen, mit einer Option auf ein weiteres Jahr. Dazu kommt, dass ausschließlich das Gehalt in Spanien besteuert wird, etwaige Besitztümer oder Verträge im Ausland jedoch nicht; Ronaldo hat derzeit acht große Werbeverträge.

"Ley Beckham"

Das Gesetz wurde im Dezember 2003 in der Amtszeit des konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar verabschiedet und wird in Spanien auch Ley Beckham genannt, das Beckham-Gesetz, weil der Engländer David Beckham einer der ersten war, die von der Regel profitierten. "Durch dieses Gesetz sind die spanischen Klubs sehr viel wettbewerbsstärker als die Vereine anderer Länder", sagt Bárbara Pardo de Santayana von der Beratungsagentur Ernst & Young.

Diese gab 2007 eine Studie heraus, nach der Real Madrid brutto bis zu 29 Prozentpunkte weniger als ein englischer, 32,5 Prozentpunkte weniger als ein italienischer und 26 Prozentpunkte weniger als ein deutscher Klub aufwenden muss. "Der gemeinsame Markt existiert im Fußball nicht", sagt Pardo de Santayana. Ein Rechenbeispiel: Wenn Ronaldo 94 Millionen Euro kostet und einen Sechsjahresvertrag mit einem Jahressalär von neun Millionen netto im Jahr unterzeichnet, muss Real Madrid brutto rund 166 Millionen Euro zahlen. Der AC Mailand müsste für den gleichen Deal mehr als 200 Millionen Euro aufwenden.

Spekuliert wird bei den Topklubs auch darüber, woher Real das viele Geld nimmt. Bayern-Manager Uli Hoeneß kann sich vorstellen, das Reals neuer Präsident, der Baumilliardär Florentino Pérez, auch privates Geld zuschießt. Pérez stellt das anders dar.

Laut dem Vorgängerpräsidium, das vor knapp zwei Wochen von Pérez abgelöst wurde, hatte Real Ende Mai dieses Jahres 91 Millionen Euro in der Kasse. Für den Ronaldo-Transfer hatte er Geld zurückgelegt, zudem offenbar auch einen Kredit mit der Bank Santander ausgehandelt, der nun laut Marca aktiviert worden ist. Pérez hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er in die Kreditabteilungen der Banken gehen wolle, um die Transfers zu bezahlen. Welche Banken er um wie viel er angezapft hat, ist unklar. Ein weiterer Teil der Finanzierung soll durch Spielerverkäufe erlöst werden.

Was wird aus Ribéry?

Zudem erhält Real von seinem Ausstatter einen vergleichsweise hohen Anteil von jedem verkauften Trikot. In der Vergangenheit haben außerdem die Topspieler 50 Prozent der Persönlichkeitsrechte abgetreten, bei großen Werbeverträgen kassierte Real also gehörig mit. Weitere Einnahmequelle: Die Antrittsgagen für Freundschaftsspiele im Ausland liegen im Millionenbereich und dürften spätestens im kommenden Sommer eine neue Dimension erreichen. Im Jahr 2008 hat Real insgesamt 366 Millionen Euro eingenommen - bis 2011 soll dieser Wert bei 400 bis 500 Millionen jährlich liegen.

In der Zentrale des Wettanbieters Bwin in Wien dürfte man sich in besonderer Weise die Hände reiben: Noch bevor Pérez Präsident wurde, waren die Gespräche über eine Verlängerung des Vertrages des Trikotsponsors bereits weit gediehen. Nach SZ-Informationen hatten sich Bwin und Real vor Pérez' Amtsantritt auf eine Verlängerung des Vertrages zu leicht verbesserten Konditionen geeinigt: Statt bislang 15 Millionen soll nun eine jährliche Fixsumme von 17 Millionen Euro gezahlt werden. Dazu kommt wie bisher eine erfolgsabhängige Prämie von drei Millionen Euro. Pérez will diese Übereinkunft respektieren.

Auch Uli Hoeneß hat das Beben im Markt in seinem Urlaub gespürt. Und dass das Interesse der Spanier am Münchner Franck Ribéry mit dem Riesentransfer Ronaldos erledigt sei - das glaubt er nicht.

© SZ vom 13.06.2009
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