Der ewige Zank um die Regionalliga-Reform hält an. Wieder ein Jahr ohne neue Aufstiegsregelung, erneut steigen nur vier der fünf Regionalligameister auf. Das soll sich schneller ändern als gedacht. In der Pflicht ist auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) um Bernd Neuendorf. Der Präsident schlich sich lange darum herum, die Reform zur Chefsache zu machen und mit einem eigenen Vorstoß Klarheit zu schaffen – um endlich zu ermöglichen, was Fans und viele Vereine so vehement fordern: „Meister müssen aufsteigen.“
Jetzt tritt Neuendorf aufs Gas, er will dem Vernehmen nach bald einen außerordentlichen DFB-Bundestag einberufen und das favorisierte Kompassmodell mit einer Zweidrittel-Mehrheit durchdrücken. In der nächsten Saison sollen aus jeder Staffel zwölf Teilnehmer ausgespielt werden. Zuzüglich der Drittliga-Absteiger und Oberliga-Aufsteiger ergibt das vier Staffeln à 20 Teams, die mittels einer künstlichen Intelligenz gemäß den kürzesten Fahrstrecken gebildet werden sollen.
Der Blick auf die Landkarte der dritten Liga könnte zum Blick in die Zukunft des Regionalliga-Fußballs werden
Nach Jahren des Frusts macht sich bei den Fans Optimismus breit. Sie fordern schon lange das Kompassmodell. Sie erwarten dadurch neue, spannende Duelle. Und für diese Lösung müssen sich alle Regionalligaträger bewegen, das suggeriert Gerechtigkeit. Beim Regionenmodell (Reduzierung der Staffeln Nord, Nordost und Bayern auf zwei gemeinsame) müssten West und Südwest sich nicht anpassen. Zudem würde – politisch kaum vermittelbar – die Regionalliga Nordost, also die alte DDR-Oberliga, geteilt.
Doch das Kompassmodell, das nach einer gerechten Lösung für alle klingt, ist nicht zu Ende gedacht. Der Blick auf die derzeitige Landkarte der dritten Liga könnte zum Blick in die Zukunft des Regionalliga-Fußballs werden. In der Form einer Banane erstrecken sich fast alle Drittligisten von Südbayern über Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen. Acht Bundesländer sind gar nicht vertreten.
Durch das Kompassmodell droht auf lange Sicht ein ähnlicher Effekt in der Regionalliga. Während sich im Westen und Südwesten die wirtschaftlich starken Traditionsvereine samt zahlreicher Zweitvertretungen von Erst- und Zweitligisten tummeln, sind viele Vereine aus Bayern, dem Norden und Teilen des Ostens im Nachteil. Ein flexibles Kompassmodell, samt reduzierter Teilnehmeranzahl von 91 auf 80, kann bedeuten, dass weniger dicht besiedelte und wirtschaftlich schwächere Gegenden von der Viertliga-Landkarte verschwinden. Das kann man im Sinne des Leistungsprinzips so wollen. Aber wenn die Regionalliga aus Teilen des Landes verschwindet, hätte sie ihren Namen nicht mehr verdient. Durch mögliche sieben Zweitvertretungen pro Staffel, deren Kapazitäten für das Kompassmodell ausreichen dürften, würde die Luft für andere Vereine noch dünner.
Die einfachste – und bei den Viertligisten mehrheitsfähige – Alternative nennt sich 22/5. Die dritte Liga würde auf 22 Teams aufgestockt werden. Statt wie bisher vier Teams würden jährlich fünf Vereine absteigen. Dafür könnten stets fünf Teams aus den Regionalligen hochgehen – also alle Meister. Die Staffeln könnten bleiben, wie sie sind. Für den DFB und die meisten aktuellen Drittligisten scheint diese Lösung aber nicht infrage zu kommen. Befürchtet wird ein Qualitätsverlust, ein Spannungsabfall im Abstiegskampf und eine geringere Attraktivität der Liga. Wäre ja auch zu schön, wenn es eine Lösung in der Regionalliga-Frage gäbe, die keine Nachteile hätte.

