Fußball-Regionalliga:Noch ist die Kommandobrücke leer

Enttaeuschung ¦ Unterhaching-Praesident Manfred SCHWABL. Fussball, TSV 1860 Muenchen (1860) - SpVgg Unterhaching (UNT) 3; Fußball

Grübeln über den perfekten Schuss: Hachings Präsident Manfred Schwabl ist noch immer auf Trainersuche.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Die Trainersuche der SpVgg Unterhaching konkretisiert sich langsam. Und Präsident Manfred Schwabl hat auch sonst ziemlich klare Vorstellungen davon, wie sich der Verein für das Unternehmen Wiederaufstieg formieren soll.

Von Stefan Galler

Wie Millionen anderer Fußball-Fans fieberte auch Manfred Schwabl am vergangenen Sonntag mit, als die deutsche U21-Fußball-Nationalmannschaft den Europameistertitel gewann. Der Kampfgeist der Truppe verzückte den Präsidenten der Spielvereinigung Unterhaching - und außerdem wirkte in Karim Adeyemi, 18, ja auch noch einer mit, der in Haching ausgebildet worden war, ehe er für teures Geld nach Salzburg transferiert wurde. "Es tut gut, wie oft unser Verein während der EM-Endrunde wegen Karim erwähnt wurde. Das übertüncht den Abstieg 150 Mal", sagt Schwabl.

Der Präsident ist gerade dabei, den Klub für die Zukunft in der Regionalliga Bayern neu aufzustellen. Dabei fehlt ihm nach der Trennung von Cheftrainer Arie van Lent noch immer die Schlüsselfigur auf der Kommandobrücke. Einen "regionalen Klopp" stellt sich der 55-Jährige dafür vor, zuletzt hat sich der Kandidatenkreis offenbar erheblich gelichtet, "aus 100 Personen" habe er nun zwei Kandidaten gefiltert, die für den Job infrage kämen. "Davon hat einer noch Vertrag, der andere wäre frei", so Schwabl. Und beide kämen aus dem Großraum München, womit Spekulationen in Fankreisen, womöglich könnte der beim FC Ingolstadt nach dem Zweitligaaufstieg verabschiedete Tomas Oral bei den Rot-Blauen anheuern, abgehakt werden können - Oral stammt aus Unterfranken.

Tomas Oral dürfte kein Kandidat sein, aber vielleicht Daniel Bierofka?

Dafür wird ein anderer Name in der Branche heiß gehandelt: Der Münchner Daniel Bierofka könnte jener Kandidat sein, der noch vertraglich gebunden ist, denn der Kontrakt des früheren Löwen-Trainers beim österreichischen Zweitligisten Wacker Innsbruck läuft noch. Doch bei den Tirolern ist ein erbitterter Streit zwischen Verein und Investor entbrannt, die sportliche und finanzielle Zukunft ist alles andere als klar.

Laut Schwabl besteht in der Trainerfrage kein Handlungsdruck: Bis der neue Boss feststeht, werden die bisherigen Assistenztrainer Robert Lechleiter und Roman Tyce die Mannschaft betreuen. Beide haben ihre Verträge mittlerweile verlängert und werden dem Chefcoach zur Seite stehen - keiner der beiden Kandidaten würde laut Schwabl eigene Co-Trainer mitbringen. "Die Schüsse, die wir machen, müssen sitzen", sagt Schwabl, demnach halte sich die Eile in Grenzen: Vom 27. Juni bis 4. Juli steht das Trainingslager in Schlanders/Südtirol auf dem Programm, "bis dahin sollte grundsätzlich alles stehen", sagt Schwabl.

Der Regionalligaauftakt werde laut dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) am 24./25. Juli stattfinden. Auch die Zukunft von Claus Schromm, dem Sportlichen Leiter, der sich seit März eine Auszeit nimmt, soll bis dahin geklärt sein. Nach der Trennung von Mario Himsl, dem bisherigen Chef des Nachwuchsleistungszentrums und künftigen Co-Trainer der deutschen U17-Nationalelf, dürfte Schromm ein Kandidat für dessen Nachfolge sein.

Sandro Wagners U19 spielt Ende Juni gegen Schweinfurt um den Aufstieg in die Bundesliga

Derzeit konzentriere sich alles im Verein auf die Aufstiegsspiele der von Sandro Wagner trainierten U19-Junioren zur Bundesliga gegen Schweinfurt am 20. und 27. Juni. Ein Teil des A-Jugendkaders absolviert unmittelbar danach mit der ersten Mannschaft die Saisonvorbereitung, denn von seiner Personalplanung rückt Schwabl nicht ab: "Neuzugänge kommen nur infrage, wenn man die Position nicht durch Spieler aus dem eigenen Stall besetzen kann. Wir werden keine Durchschnittsverpflichtungen mehr tätigen."

Von den erfahrenen Spielern sollen lediglich Präsidenten-Sohn Markus Schwabl, Dominik Stahl, Josef Welzmüller und Stephan Hain gehalten werden, die finalen Gespräche stehen aber noch aus, weil die Routiniers im Urlaub weilen. Das Gerüst der Stammelf wird durch die hochveranlagten Felix Göttlicher, Niclas Anspach, Jannis Turtschan, Boipelo Mashigo und Fynn Seidel ergänzt, dazu kommen weitere eigene Talente wie Tizian Zimmermann und Dominik Bacher, die zuletzt an 1860 Rosenheim verliehen waren, sowie Viktor Zentrich, Deniz Haimerl, Daniel Hausmann oder Leonard Grob. Lediglich für das Tor soll eine neue Nummer eins geholt werden, "als Übergangslösung" (Schwabl), bis U17-Schlussmann Hannes Heilmair mehr Erfahrung gesammelt hat. Auch im Angriff wird womöglich personell nachgelegt.

Eines sei für ihn völlig klar, betont Schwabl: "Mentalität kommt in Haching von jetzt an immer vor Qualität." Auch das habe die U21-Nationalelf vorbildhaft gezeigt: "Da waren Mannschaften im Turnier, die besser besetzt waren. Aber unsere Jungs haben das Ding geholt."

© SZ/sewi
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