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Fußball-Regionalliga:Erfahrung siegt

v.li.: Adam Jabiri (1. FC Schweinfurt 05), Daniel Adlung (1. FC Schweinfurt 05), 22.05.2021, Aschaffenburg (Deutschland)

Die alten Männer und der Main: Der fast 37-jährige Torjäger Adam Jabiri (links) und der frühere 1860-Zweitligaspieler Daniel Adlung, 33, führen die Schweinfurter Mannschaft an.

(Foto: Frank Scheuring/foto2press/imago)

Der FC Schweinfurt entscheidet mit einem 4:0 in Bayreuth die Meisterschafts-Playoffs vorzeitig - und spielt nun in der Drittliga-Relegation gegen Havelse.

Von Christoph Leischwitz

Das Hans-Walter-Wild-Stadion der SpVgg Bayreuth war am Samstagnachmittag eine Zeitmaschine. Nicht nur, weil auf der Gegengerade diese Banner hingen, die an "Zurück in die Zukunft" erinnerten: "Start 1921, Ziel 2021: Zurück in die Sportschau." Sondern auch, weil da plötzlich wieder Zuschauer waren, mit Bratwurstsemmeln und Bierbechern in der Hand, so, wie das zuletzt irgendwann gefühlt im Fußball-Paläozän gewesen sein muss. Dank einer Sondergenehmigung durften immerhin 500 Besucher zum Spiel gegen den FC Schweinfurt kommen, und es war dann gleich eines der wichtigsten der jüngeren Geschichte: Bayreuth musste Spiel vier der Playoffs um die Regionalliga-Meisterschaft unbedingt gewinnen, um noch eine Chance zu haben, die Aufstiegsspiele zu erreichen.

Doch die Reise in die glorreiche Vergangenheit endete in trübem Niederlangen-Alltag: Der Favorit FC Schweinfurt gewann völlig verdient 4:0 (2:0), ist in der Playoff-Tabelle nicht mehr einzuholen und damit Meister. Eine Handvoll Schnüdel-Fans am Nordwest-Tor des Stadions - Gästefans waren drinnen nicht erlaubt - feierten ausgiebig, die Mannschaft gesellte sich nach Schlusspfiff für ein paar Minuten dazu. "Heute darf Druck abfallen, darauf haben wir ja zehn Wochen hintrainiert", sagte Schweinfurts Trainer Tobias Strobl.

Vor dem Spiel hatte es noch kurz Verwirrung bezüglich des Modus gegeben: Nachdem der Verband tagelang angegeben hatte, der direkte Vergleich entscheide bei Punktgleichheit über die Meisterschaft, hieß es am Samstag, dass das Torverhältnis ausschlaggebend sei. Letztlich war diese Panne aufgrund der Schweinfurter Überlegenheit aber unerheblich.

Es ist nun also die Vergangenheit der traditionsreichen Unterfranken, nicht die der Oberfranken, die bald wiederbelebt werden könnte. Am 12. und 19. Juni treffen die Schnüdel für den Aufstieg in den Profifußball auf den Meister einer überaus kurzen Saison der Regionalliga Nord, den TSV Havelse. Und das verdient, weil sich Schweinfurt in den Playoffs wie eine Profimannschaft präsentierte. Im Auftaktspiel zu Hause gegen Bayreuth war der 2:1-Erfolg aus Sicht der Bayreuther schmeichelhaft niedrig ausgefallen; im Rückspiel dauerte es trotz der Anfeuerungen von der Haupttribüne 43 Minuten, ehe die Gastgeber gefährlich vors gegnerische Tor kamen. Da stand es schon 2:0 für die Schweinfurt, weil deren Routiniers die Schwächen des Gegners gnadenlos offengelegt hatten.

Für den Aufstiegsfall werden vor allem drittligataugliche U23-Spieler gesucht

"Die Erfahrenheit", sagt Strobl auf die Frage, was den Unterschied ausgemacht habe. Dabei denkt er an Spieler wie Adam Jabiri, der die ersten beiden Tore erzielte. Das erste nach einem Torwartfehler des ansonsten starken Sebastian Kolbe (13.), das zweite, nachdem sich die Bayreuther Defensive dem Schweinfurter Pressing ergab, und das nach einem Abstoß (26.). In der zweiten Hälfte konnten es sich die Gäste sogar leisten, einige Großchancen zu vergeben. Die ersten beiden Tore habe man "quasi selbst geschossen", ärgerte sich Bayreuths Trainer Timo Rost, "das ist in so einem Spiel sehr schade". Insgesamt sei Schweinfurt aber "verdient" Meister geworden.

Vor der Pause und vor allem kurz nach Wiederanpfiff hätte das Spiel noch einmal kippen können, fand Strobl. Doch insgesamt war der Sieg in dieser Playoff-Serie zu keiner Zeit gefährdet gewesen. Die Mannschaft hatte sich in der überaus langen Winterpause mit zusätzlicher Erfahrung verstärkt. Daniel Adlung tat in den Playoffs genau das, wofür er laut dem neuen Sportlichen Leiter Robert Hettich aus Fürth an den Main geholt wurde: Er sei einer, der "gerade in so engen Spielen die Ruhe behält". Beziehungsweise dafür sorgt, dass es gar nicht erst eng wird. Wenn die Schweinfurter überhaupt eine Schwäche haben, dann ist es umgekehrt ihr hohes Durchschnittsalter (am Samstag lag es bei 27,5). Zwar wird auch Angreifer Jabiri noch eine erfolgreiche Drittliga-Saison zugetraut. Allerdings wird er noch vor den Aufstiegsspielen gegen Havelse 37 Jahre alt. Für den Aufstiegsfall wird auf Hettich vor allem die Aufgabe zukommen, einige drittligataugliche U23-Spieler zu verpflichten.

Dem Trainer war am Samstag aber noch etwas anderes aufgefallen: dass seine Spieler es einfach "einen Ticken mehr wollten als der Gegner". Die Stimmung in diesen Tagen sei ausgesprochen gut, die Konzentration der Mannschaft trotz aller Euphorie sehr hoch. Etwas überraschend war die 0:2-Niederlage im Ligapokal beim VfB Eichstätt gewesen, weshalb die Schnüdel nun nachsitzen müssen, um sich auch noch für den DFB-Pokal zu qualifizieren: Am Samstag steht ein Trostrundenspiel gegen den TSV Aubstadt an. "Wir haben eine super Qualität in der Breite, das wollen wir in den kommenden Wochen auch nutzen", sagt Strobl.

Ob indes die beiden abschließenden, bedeutungslosen Playoff-Spiele überhaupt noch ausgetragen werden, war am Sonntag noch gar nicht sicher. Schweinfurt jedenfalls hat dank der anstehenden Pokalspiele auch so ausreichend Möglichkeiten, sich auf die entscheidenden Partien gegen Havelse einzustimmen.

© SZ/lein
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