Fußball-Regionalliga:Keiner will aufsteigen

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2022 spielte Schwaben Augsburg schon einmal im Rosenaustadion, in einem Test gegen den FCA - Benedikt Schmoll (links, gegen Florian Niederlechner) ist heute Sportlicher Leiter beim TSV. (Foto: Klaus Rainer Krieger/Imago)

In der Bayernliga Süd hat sich ein tiefgreifendes strukturelles Problem aufgetan: Es gibt fast keine Vereine mehr, die sich die Regionalliga leisten können. Das führt nun zu einem Chaos rund um die Relegationsspiele.

Von Christoph Leischwitz

Eigentlich endet die Regionalliga-Saison am kommenden Wochenende, doch wieder einmal gibt es mehrere Mannschaften in Liga vier und in Liga fünf, der Bayernliga, die nicht wissen, wie lange ihre Saison noch dauert. Diesmal ist die Lage sogar noch verworrener als sonst - weil bis Dienstagnachmittag weiterhin nicht klar war, ob aus der Bayernliga Süd überhaupt jemand aufsteigen möchte.

Um schon einmal einen Modus festzulegen, bat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die betroffenen Klubs, bis Montagabend eine Präferenz abzugeben. Dabei kam Folgendes heraus: Sollte Schwaben Augsburg, zurzeit Zweiter der Bayernliga Süd, von seinem Aufstiegsrecht Gebrauch machen, findet eine Dreierrunde Jeder gegen Jeden statt, die Teilnehmer wären der Regionalliga-15. und 16. sowie der Zweite der Bayernliga Nord, jedes Team hätte dabei ein Heimspiel. Verkompliziert wird die Situation allerdings dadurch, dass der Regionalliga-Meister Würzburger Kickers erst am 2. Juni weiß, ob er aufsteigt oder nicht. Sollte es ihnen gelingen, wären die Ergebnisse dieser Dreierrunde völlig obsolet, weil dann alle drei in der Regionalliga spielen.

Sollte hingegen Schwaben Augsburg nicht aufsteigen wollen, entfällt die übliche Relegation. Wegen der Ungewissheit um Würzburg würden dann aber vorab der Regionalliga-17. und der Dritte der Bayernliga Nord eine Relegation um diesen potenziell freien Platz ausspielen.

Das viele Hin und Her mit den vielen Wenn-Dann-Notregelungen kann weder dem Verband noch den Vereinen gefallen. Nötig ist es, weil sich vor allem in der Bayernliga Süd ein tiefgreifendes strukturelles Problem aufgetan hat: Es gibt fast keine Vereine mehr, die sich die Regionalliga leisten können - und der Verband wird sich spätestens jetzt mit der Kritik auseinandersetzen müssen, dieses Problem nicht rechtzeitig erkannt zu haben. Zwar hatten mehrere Vereine die Lizenzunterlagen angefordert, aber meist nur deshalb, um die Kosten realistisch einschätzen zu können. Wenn man sich unter den Bayernligisten und auch dem einen oder anderen Regionalligisten umhört, ist die Meinung ziemlich einhellig. "Es ist ein Zeichen an den Verband, dass er sehr weit weg ist von der Realität", so formuliert es ein Funktionär, der nicht genannt werden will.

Schwaben Augsburg ist im Vergleich zu anderen Vereinen, die in den vergangenen Wochen ihren Antrag zurückzogen, ein Sonderfall

Denn die laufenden Kosten einer Viertliga-Saison seien ohnehin schon sehr hoch. Ab der übernächsten Spielzeit benötigen alle Vereine zudem verpflichtend ein Stadion mit Flutlicht. Und das, so ist es oft zu hören, mache die Zugehörigkeit für viele unmöglich, die sich diese bisher gerade noch leisten konnten. Womöglich besteht das Problem im Süden aber auch schon länger, und es wurde über Jahre kaschiert. Der VfB Eichstätt und die SpVgg Hankofen-Hailing könnten aktuell beide noch aus der Bayernliga Nord aufsteigen. Beide waren auch schon einmal aus der Südstaffel heraus aufgestiegen und dann aufgrund ihrer Lage mitten in Bayern umgruppiert worden.

Schwaben Augsburg ist im Vergleich zu anderen Vereinen, die in den vergangenen Wochen ihren Antrag zurückzogen, ein Sonderfall. Zwar sind im heimischen Ernst-Lehner-Stadion mittelfristig keine Regionalligaspiele möglich, wie Sportdirektor Max Wuschek auf Nachfrage erklärt: Das Stadion falle zurzeit nicht unter die Versammlungsstättenverordnung. Aber das Rosenaustadion, wo auch der FC Augsburg II spielt, stünde als Ausweichstadion bereit. Formal kann sich der Vereinsvorstand bis Freitag mit der Entscheidung Zeit lassen, aber auch die sportliche Leitung hoffte am Dienstag auf eine zeitnahe Mitteilung - schon allein wegen der Kaderplanung für die kommende Spielzeit.

Immerhin: Die verbleibenden Regionalliga-Spiele am letzten Spieltag versprechen in jedem Fall noch Spannung, denn vier Mannschaften können noch 17. werden. Auch hier ist dem BFV ein Malheur passiert: Türkgücü München empfängt den Tabellenletzten FC Memmingen - aber diese Partie findet nicht zeitgleich mit allen anderen statt, sondern schon am Freitagabend, weil am Samstag Drittligist 1860 München das Grünwalder Stadion beansprucht.

Apropos Türkgücü: Der Münchner Verein war zuletzt wieder einmal auf Stadionsuche. Nach SZ-Informationen haben die Neuperlacher jetzt eine Lösung mit mehreren Stadien gefunden - der Verband dürfte aktuell erleichtert sein, nicht auch noch einen Zwangsabsteiger ersetzen zu müssen.

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