Fußball-Regionalliga:"88 Prozent sind Vertragsspieler"

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Auch die Nordost-Staffel pocht darauf, die Saison fortzusetzen. Die Ost-Klubs fühlen sich unfair behandelt, weil die West-Staffel mit Erlaubnis von Nordrhein-Westfalen weiterspielen darf.

Amateur- oder doch Profifußball? Die vierte Liga, bundesweit in fünf Staffeln organisiert (Regionalliga Bayern, Südwest, West, Nordost, Nord), bewegt sich seit Jahren im Grenzbereich zwischen Breitensport und Vollprofitum. Doch nie war eine Definition so wichtig wie jetzt im November-Corona-Lockdown, in dem ausdrücklich nur Geisterspiele in Profiligen erlaubt sind. Auch eine Woche nach den Beschlüssen des Bund-Länder-Gipfels ist die Situation für einige Regionalligen ungeklärt.

Am Donnerstag machte die Regionalliga Nordost deutlich, dass sie bei der Auslegung der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen die Ausnahmeregeln für den Profisport für sich in Anspruch nehmen möchte. Man wolle "möglichst zeitnah und flächendeckend" in den Wettkampf- und Spielbetrieb zurückkehren: "Wir werden uns mit einem Schreiben an die zuständigen Sportminister wenden", erklärte der Geschäftsführer des Nordostdeutschen Verbandes, Holger Fuchs, nach einer Videokonferenz mit den 20 Vereinen. Aktueller Tabellenführer ist Viktoria Berlin - nach einer furiosen Serie von elf Siegen.

"Das ist eine Spielklasse mit professionellen Strukturen, 88 Prozent der Akteure sind Vertragsspieler", betonte Fuchs. Die Mehrzahl der Viertliga-Kicker im Nordosten würden ihren Lebensunterhalt mit Fußball verdienen. Der NOFV wird daher bei den Sportministern der fünf zuständigen ostdeutschen Landesregierungen um Unterstützung und eine andere Sichtweise werben. Die Klubs der Nordost-Staffel waren sich einig: Auch wenn wegen der steigenden Corona-Infektionen der allgemeine Sportbetrieb in Deutschland ruht, müssten bei der Regionalliga - wie bei den Bundesligen und der 3. Liga - die Ausnahmeregelungen für Berufssport gelten. Natürlich müssten alle die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung unterstützen, so Fuchs: "Aber wir sind dafür da, den Fußball zu organisieren und nicht abzusagen."

Allerdings sehen die Hygienekonzepte der Regionalligisten, die nach Ansicht von Fuchs bisher konsequent umgesetzt wurden, regelmäßige Corona-Tests wie in den oberen drei Ligen nicht vor. "Wir haben unterschiedliche Verfügungslagen", verwies Fuchs zudem auf die besondere Situation in den fünf Bundesländern bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen: "Wir müssen erst einmal gleiche Voraussetzungen für alle Vereine schaffen."

Ziel ist, dass Mitte November die derzeitige Zwangspause der Liga aufgehoben wird. Derzeit dürfen die Klubs in Berlin, Brandenburg und teilweise auch in Sachsen zumindest trainieren - in Thüringen und Sachsen-Anhalt nicht. "Wir hoffen auf eine Änderung der Corona-Verordnung, zumal die Regionalligisten in Berlin und Brandenburg bereits die Erlaubnis für den Trainingsbetrieb bekommen haben und in der Regionalliga West sogar der Spielbetrieb fortgesetzt wird", sagte Chris Förster, Geschäftsführer des Tabellenvierten Carl Zeiss Jena, der Ostthüringer Zeitung.

Auch der NOFV verwies ausdrücklich auf die "nicht korrekte" Ungleichbehandlung mit dem Westdeutschen Fußball-Verband (WDFV). Die Regionalliga West - besetzt mit etlichen zweiten Mannschaften von Bundesligisten (Dortmund, Mönchengladbach, Schalke, Köln, Düsseldorf) sowie professionell strukturieren Traditionsklubs (Essen, Münster, Oberhausen, Aachen) - hatte entschieden, den Spielbetrieb nahtlos fortzusetzen, am Mittwochabend fand ein kompletter Spieltag statt. Allerdings war dazu nur die Zustimmung einer Landesregierung (NRW) nötig.

Die Regionalliga Südwest, mit Klubs aus vier Bundesländern, stellt hingegen im November den Betrieb ein. Das Saarland, Hessen und Baden-Württemberg hatten zwar für den Spielbetrieb grünes Licht gegeben, in Rheinland-Pfalz hingegen wurde Viertliga-Fußball als Amateursport deklariert, daher erhielten RW Koblenz, Schott Mainz, der FSV Mainz 05 II und der FK Pirmasens keine Spielerlaubnis. Die Regionalliga Bayern hat sich sogar vorzeitig in die Winterpause verabschiedet.

© SZ vom 06.11.2020 / dpa, SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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