TSV 1860 MünchenÜberlegene Löwen wieder nur remis

Lesezeit: 3 Min.

Michael Ebwerwein (beim Schuss) erzielte das frühe 1:0 für die Münchner Gäste, Fürth gelang der insgesamt glückliche Ausgleich.
Michael Ebwerwein (beim Schuss) erzielte das frühe 1:0 für die Münchner Gäste, Fürth gelang der insgesamt glückliche Ausgleich.
Wolfgang Zink/Imago

Achtes Saisonspiel, fünftes Unentschieden: Es läuft weiterhin nicht rund bei den Löwen. Das 1:1 bei Fürth II zeigt immerhin: Der Regionalligist findet allmählich zu sich.

Von Sebastian Leisgang

SZ bei Google bevorzugen

Mittlerweile gibt es im großen Fußball ja nichts mehr, was nicht gemessen werden kann. Es lässt sich ermitteln, wie viele Torschützen mit Schuhgröße 49 in Minute 50 treffen, wie viele Schritte Spieler mit der Nummer 10 im Mittelkreis zurücklegen – und wie viele Heimsiege eine Mannschaft an Freitagabenden erringt, wenn der Wind aus Nordnordost kommt.

Was man weiß, ohne es messen zu müssen: Aus dem Westen und der dortigen Kurve kommt bislang kaum Wind, wenn der TSV 1860 München in dieser Saison im Grünwalder Stadion spielt. Und das, obwohl die Löwen erst am vergangenen Freitag beim 3:0 gegen Schwaben Augsburg den ersten Heimsieg eingefahren haben.

Die Anhänger sind nachsichtig, aber die Mannschaft hat diese Nachsicht in den ersten Wochen der Saison schon ein ums andere Mal auf die Probe gestellt. Doch jetzt, das lässt sich seit Dienstagabend trotz des ernüchternden 1:1 bei der SpVgg Greuther Fürth II sagen, jetzt stoßen die Löwen allmählich ein Fenster auf, durch das man in eine verheißungsvolle Zukunft schauen kann. Und dort draußen, vor den Klappläden, leuchtet es gewiss noch nicht so grell, dass man gar nicht hinschauen könnte, aber es wird – bei allen Mängeln, die es nach wie vor gibt – zumindest etwas heller.

„Man kann auf die Tabelle schauen und sagen: Da gehören wir gerade hin“, sagte Mittelfeldspieler Michael Eberwein in Fürth, „aber ich finde trotzdem, dass wir immer die bessere Mannschaft sind. Wir sind nur noch nicht konsequent genug – sowohl vorn als auch hinten.“ Und so weist die Tabelle der Regionalliga Bayern die Löwen nach dem fünften Unentschieden im achten Saisonspiel als Fünften aus, doch „wir sind immer noch früh in der Saison“, betonte Eberwein.

„Wir hätten nur das 2:0 und 3:0 machen müssen“, sagt Florian Niederlechner – er hatte die Chancen dazu

Schon das Spiel gegen Schwaben Augsburg hatte ein paar Schönheitsfehler. Auch am Freitag waren die Löwen nicht über 90 Minuten derart unantastbar, wie das Resultat hinterher vermuten ließ. Zeitweise wusste Sechzig aber ansehnlich zu kombinieren und legte in Summe eben doch einen Auftritt hin, der in den Augen der breiten und feiernden Masse dazu angetan war, über das Hätte-wäre-wenn hinwegzusehen. So war es nach dem Auftritt in Fürth nun auch.

Gerade in der ersten Hälfte überzeugten die Löwen. Das Spiel war nur etwas mehr als fünf Minuten alt, als Sechzig in Führung ging: Tunay Deniz trat einen Freistoß aus über 30 Metern aufs Tor, Fürths Schlussmann Silas Prüfrock konnte den Ball nicht festhalten, und Eberwein hatte keine Mühe zu vollstrecken (7.).

Damit war das Fenster aus dem Augsburg-Spiel noch etwas weiter geöffnet und die Grundlage für den zweiten Sieg binnen fünf Tagen schon früh gelegt. Florian Niederlechner hätte zügig das zweite Tor nachlegen können, trat aber ein Luftloch (11.) und fand später seinen Meister in Prüfrock (27.). Hinterher sagte der frühere Bundesligastürmer: „Wir haben eine sehr, sehr gute erste Halbzeit gespielt. Fürth hatte gar keine Chance. Wir hätten nur das 2:0 und 3:0 machen müssen.“

Tatsächlich waren die Löwen in der ersten Hälfte ausgesprochen griffig und bereiteten Fürth große Probleme. Doch zu Beginn der zweiten Halbzeit sahen die 4825 Zuschauer, mehr als die Hälfte darunter Löwenfans, wie Sechzig die Partie erst einmal entglitt. Schon vor der Halbzeit hätte Omar Abdel Megeed das 1:1 erzielen können (39.), dann kam Fürth mit Schwung aus der Kabine und schoss tatsächlich den Ausgleich: Nach einem Foul von Dennis Dressel blieb Schiedsrichter Maximilian Riedel nichts anderes übrig, als auf den Elfmeterpunkt zu zeigen – Jakob Engel trat an und traf (65.).

Erst jetzt kam Sechzig wieder besser ins Spiel. Fabio Wagner (66.) und Niederlechner (76.) hätten zurückschlagen können, trafen aber nicht. Und so war es am Ende ein Dienstagabend mit leichtem Wind aus südlicher Richtung, an dem Sechzig schon wieder unentschieden spielte. „Klar fehlen jetzt ein paar Punkte“, sagte Niederlechner, „aber man darf nicht vergessen, wo wir herkommen – und ich verspreche eins: Es werden sicherlich noch mehr werden.“ Schließlich ist das Fenster jetzt offen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Insolvenz des TSV 1860 München
:Ismaik stellt „schwerwiegende strafrechtliche Fragen“

„Vorsätzlich sittenwidrig“: Nach der Insolvenzeröffnung kündigt 1860-Investor Hasan Ismaik juristische Schritte an – gegen das Präsidium, den Geschäftsführer und sogar gegen seinen eigenen Statthalter.

SZ PlusVon Markus Schäflein und Philipp Schneider

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: