Fußball:Rastlos am Rand

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Aubstadt, Deutschland 15. Juli 2021: Regionalliga Bayern - 2021/2022 - TSV Aubstadt vs. Spvgg Unterhaching Trainer Sandr

"Männer, mehr!": Unterhachings Trainer Sandro Wagner zeigt sich bei seinem ersten Auftritt in Aubstadt rastlos - auch weil seine Mannschaft recht uninspiriert spielt.

(Foto: Hilpert/Fotostand/Imago)

Zum Regionalliga-Auftakt spielt die SpVgg Unterhaching 0:0 in Aubstadt. Die Partie zeigt, wie sehr Sandro Wagner als neuer Trainer gefordert ist.

Von Sebastian Leisgang

Das wäre natürlich eine feine Sache gewesen. Zumindest für alle, die der SpVgg Unterhaching zugetan sind. Ein kleines Spektakel hätte das sein können, wenn der Schwablmarkus den Ball aus dem rechten Halbfeld vor das Tor des TSV Aubstadt geschaufelt und da der Wagner gestanden hätte. Vermutlich wäre dann sogar ein Tor gefallen.

Flanke Markus Schwabl, Kopfball Sandro Wagner: Es ist nicht nur eine nette, sondern auch eine ziemlich vielversprechende Idee. Blöd nur, dass der Ball im Aus gelandet wäre, wenn Schwabl Wagner tatsächlich angespielt hätte. Wagner ist mittlerweile ja Trainer, deshalb steht er draußen an der Seitenlinie, als die SpVgg Unterhaching im Eröffnungsspiel der Regionalliga Bayern beim TSV Aubstadt zu Gast ist.

Es ist Donnerstag, ein mäßig schöner Sommerabend, der Himmel wolkenbehagen, das Hachinger Spiel dürftig. Wagner, 33, verschränkt die Arme vor der Brust, die fünfte Minute der Nachspielzeit läuft. Hachings Trainer hat beste Sicht auf das, was sich da auf dem Rasen abspielt. Wagners Blick sagt nichts aus, schwer einzuschätzen, was ihm gerade durch den Kopf geht. Vielleicht wünscht auch er sich, noch einen letzten Kopfball anzusetzen.

Dann pfeift Schiedsrichter Roman Potemkin ab. Es ist eine Erlösung. Für Wagner, für die mitgereisten Fans, für alle Hachinger, die beim 0:0 einen ersten Eindruck gewonnen haben, wie anspruchsvoll die Saison werden könnte. Der Auftakt im Grabfeld, er war ja tatsächlich so etwas wie ein Vorgeschmack auf das, was in dieser Saison Woche für Woche auf Unterhaching zukommen wird: wehrhafte Gegner, die es nicht nur verstehen, mit Hingabe ihr Tor zu verteidigen - sondern auch die Mittel haben, um Wagners Mannschaft mit gezielten Gegenangriffen in die Bredouille zu bringen.

"Wir haben uns vor allem mit Ball viel mehr vorgenommen", sagt Wagner

Vor diesem Hintergrund war das Spiel für Unterhaching in erster Linie eines: lehrreich. "Der Punkt ist gut und wichtig für meine junge Mannschaft", betont Wagner, als er nach der Partie auf einer Bierbank im Mittelkreis des Spielfeldes sitzt und die vergangenen 90 Minuten einordnet. Gerade für die Entwicklung seines Teams habe das Unentschieden eine hohe Bedeutung, unterstreicht Hachings Trainer, schlägt dann aber auch kurz kritische Töne an, als er meint: "Wir haben uns vor allem mit Ball viel mehr vorgenommen."

Uninspiriert und träge, so hatte seine Mannschaft gespielt. Dass sie am Ende trotzdem mit einem Punkt nach Hause fuhr, war äußerst glücklich, denn Aubstadt war dem Tor mehrmals nahe gekommen. Das Spiel veranschaulichte also vor allem zweierlei: zum einen, dass die junge Hachinger Mannschaft wohl eine gewisse Anlaufzeit benötigt, bis sie sich in der Regionalliga zurechtgefunden hat - und zum anderen, wie sehr Sandro Wagner in den nächsten Wochen als Trainer gefordert ist.

In Aubstadt ist Wagner ziemlich rastlos. Als die letzte Viertelstunde gerade angebrochen ist, ruft er: "Männer, mehr!" Seine Männer verlieren den Ball. Es ist nicht Hachings Abend, trotzdem vergeht bis zur Nachspielzeit keine Minute, in der Wagner keine Anweisungen gibt, schon gar keine Sekunde, in der er mal auf der Bank Platz nimmt. Hier ein Zuruf, da ein Einzelgespräch, als das Spiel kurz unterbrochen ist: Wagner coacht ohne Unterlass. "Wir haben eine so junge Mannschaft, da brauchst du einen engagierten Trainer", sagt Manfred Schwabl und nennt Wagners Auftritt am Spielfeldrand "sehr sachlich" und "immer positiv". Mit der Mannschaft selbst ist Hachings Präsident weniger zufrieden - obwohl in Markus Schwabl, Dominik Stahl und Stephan Hain nur drei Spieler im Kader stehen, die als "gestanden" durchgehen.

"Es gibt keine Ausreden", betont Schwabl, "die jungen Leute müssen sich jetzt freischwimmen." Eine Forderung, die auch Wagner einbezieht. Es ist jetzt an ihm, seinen Talenten Hilfestellungen zu geben und ihnen den Weg zu weisen. Von Aubstadt über Eltersdorf bis nach Pipinsried, eine Route durch die Regionalliga, die auch für den Rastlosen Neuland ist.

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