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Fußball-Politik:"Vor Abgrund"

Griechenland drohen nach Eklat harte Strafen von Verbänden. "Der griechische Fußball steht vor dem Abgrund", warnt Uefa- und Fifa-Gesandter Herbert Hübel.

Griechenland droht angesichts der Welle der Gewalt in Stadien ein "Fußball-Grexit". Ein Ausschluss des Landes von internationalen Fußballwettbewerben sei nicht mehr weit entfernt, warnte der Sondergesandte der Uefa und Fifa, Herbert Hübel. Nach dem Skandal um den Klubchef von Paok Saloniki, der mit einem Revolver am Gürtel aufs Feld gestürmt war, ist der Spielbetrieb der Liga von der griechischen Regierung unbefristet ausgesetzt worden: "Der griechische Fußball steht vor dem Abgrund", betonte der Österreicher Hübel. Er werde dem Weltverband nun Bericht erstatten: "Was die Fifa dann machen wird, kann ich nicht sagen", sagte Hübel bei einer Pressekonferenz in Athen.

Der Sondergesandte war zuvor mit dem für Sport zuständigen Vizeminister, Giorgos Vasiliadis, und dem Vorstand des griechischen Fußball-Verbandes zusammengekommen. "Wir sind nicht hier, um Strafen zu verhängen, sondern um Ratschläge zu geben", hatte Hübel vor den Gesprächen angekündigt. Nach dem Treffen teilte er mit, die griechische Seite habe ihm versichert, Maßnahmen zu ergreifen, die der Gewalt im Fußball ein Ende setzen sollten.

Die schwere Krise war am Sonntag von Paok-Präsident Iwan Savvidis ausgelöst worden. Er war beim Topspiel des nordgriechischen Klubs gegen AEK Athen bewaffnet auf den Platz gerannt, um gegen die Annullierung eines Tores seiner Mannschaft (wegen Abseits) zu protestieren. In der Liga steht AEK Athen sechs Spieltage vor Schluss an der Tabellenspitze. Schon vorher hatte es eine Serie von Ausschreitungen bei mehreren Ligaspielen gegeben.

Der Staatsanwalt der griechischen Sportjustiz erhob Anklage gegen Paok und dessen Besitzer. Wie der staatliche Rundfunk unter Berufung auf die Behörde berichtete, legt der Ankläger Vasiliadis ein unerlaubtes Betreten des Spielfeldes zur Last. Außerdem soll der russisch-griechische Geschäftsmann zuvor Unparteiische, Spieler, Trainer und Offizielle bedroht haben.

Nach dem griechischen Sportgesetz droht dem Traditionsverein Paok bei einer Verurteilung ein Punktabzug, eine Geldstrafe von bis zu 50 000 Euro, eine Sperrung der Tribünen oder im schlimmsten Fall ein Zwangsabstieg. Dem Besitzer könnte für drei bis fünf Jahre das Betreten von Fußballstadien verboten werden.

Das im Paok-Stadion geplante Länderspiel (23. März) zwischen Griechenland und der Schweiz dürfte in eine andere Arena verlegt werden, das Kreta-Stadion in Heraklion gilt als Alternative. Die Nationalelf wird vom früheren Bundesliga-Coach Michael Skibbe trainiert, der mit dem Team in den WM-Playoffs gescheitert war.

© SZ vom 15.03.2018 / dpa
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