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Fußball-Politik:Mutko tritt zurück

Moskau reagiert nach langem Zögern auf Doping-Vorwürfe und stellt den bisherigen Organisationschef der Fußball-WM 2018 frei.

Von Johannes Aumüller, Moskau/München

Mutko tritt als Cheforganisator der WM 2018 in Russland zurück

Noch ein Rücktritt: Witalij Mutko, Vize-Regierungschef von Russland, ist nicht mehr Cheforganisator der Fußball-WM 2018 in Russland.

(Foto: Yuri Kochetkov/dpa)

Der umstrittene russische Politiker und Multi-Funktionär Witalij Mutko ist als Präsident des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zurückgetreten. Das erklärte Mutko selbst gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur R-Sport am Mittwoch in Moskau. Seinen Posten als Vize-Premier will er jedoch behalten. "Ich werde mich auf meine Arbeit in der Regierung konzentrieren", sagte Mutko: "Es gibt noch viel Arbeit zu erledigen, aber ich bin zuversichtlich. Alles wird pünktlich fertig sein." Der bisherige Generaldirektor Alexej Sorokin werde ab sofort das Organisationskomitee für die WM führen.

Mutko spielte als damaliger Sportminister im staatlich orchestrierten Doping-System eine zentrale Rolle. Dies ergibt sich unter anderem aus Aussagen und Aufzeichnungen des Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow, der über viele Jahre Teil des Doping-Apparates in Russland war und nach seiner Flucht in die USA 2015 sein Wissen dem FBI sowie der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) offenbarte. Mutko bestritt stets, Teil eines Dopingsystems gewesen zu sein. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sanktionierte ihn dennoch wegen seiner "administrativen" Rolle im System schon Anfang Dezember und schloss ihn lebenslang von allen Olympischen Spielen aus. Durch diesen Schritt waren auch die Verantwortlichen des Fußball-Weltverbandes (Fifa) um Gianni Infantino unter Druck geraten. Doch von deren Seite aus gab es zunächst keine Reaktion.

Vize-Premier will Mutko dennoch bleiben

Erst in dieser Woche kam Bewegung in die Causa. Nach einer Vorstandssitzung des nationalen Fußball-Verbandes am 25. Dezember teilte Mutko mit, dass er sein Amt als Verbandspräsident ruhen lasse, um gegen das Verdikt des IOC vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne Protest einzulegen. Seine Zukunft an der Spitze des WM-Organisationskomitees hatte er da noch offen gelassen beziehungsweise in die Hände von Staatschef Wladimir Putin gelegt. Über seine Position würden "Staatsoberhaupt, Regierungsspitze und Aufsichtsrat entscheiden", erklärte Mutko. Anderthalb Tage später kündigte er dann seinen Rückzug an.

In einer ersten Reaktion bedankte sich der Weltverband bei Mutko für "seinen unschätzbaren Beitrag" an den WM-Vorbereitungen: "Die Fifa wird weiter eng mit dem nationalen Organisationskomitee unter seiner neuen Führung zusammenarbeiten, genau wie mit der russischen Regierung, dem russischen Verband und den Gastgeberstädten", sagte ein Sprecher. Mutkos Nachfolger Sorokin gilt als neuer starker Mann im russischen Fußball. Seit Herbst sitzt er im Council des Weltverbandes, dem höchsten Fifa-Gremium. Zudem gilt es in Moskau als sehr gut möglich, dass er nach der WM auch Präsident des nationalen Fußball-Verbandes wird.

© SZ vom 28.12.2017
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