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Fußball-Politik:Der Videobeweis wird  offiziell

Das International Football Association Board votiert einstimmig für die Aufnahme des technischen Hilfsmittels ins Regelwerk. Damit kann es schon bei der WM in Russland zum Einsatz kommen - das "Ja" der Fifa gilt nur als Formalie.

Das International Football Association Board (Ifab) hat den Videobeweis offiziell in die Fußballregeln aufgenommen. Die Entscheidung der acht Ifab-Mitglieder am Wochenende in Zürich erfolgte einstimmig. Die Technik ist für die Ligen und Verbände aber nicht verpflichtend. Der Weltverband Fifa stimmt am 16. März über den Einsatz bei der WM im Sommer in Russland ab, ein Ja gilt als Formsache. "Seit heute ist der Video-Assistent Teil des Fußballs", sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino: "Der Videobeweis ist gut für den Fußball, er bringt mehr Fairness. Das ist ein wichtiger Schritt, der große Auswirkungen auf den Fußball der Zukunft haben wird."

Das Ifab ist das für die Fußballregeln maßgebliche Gremium. Vier Mitglieder entsendet die Fifa, je einen die Verbände aus England, Nordirland, Schottland und Wales als Gründungsländer des Fußballs. Die Abstimmung am Samstag folgte auf eine gut zweijährige Testphase, an der die deutsche Bundesliga entscheidenden Anteil hatte. In Deutschlands höchster Spielklasse läuft der Videobeweis seit Saisonbeginn; nach anfänglichen Schwierigkeiten und teils hitzigen Diskussionen funktioniert das System immer besser.

Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, hat angekündigt, bei einem positiven Ifab-Votum werde die Bundesliga auch in der kommenden Saison auf die Neuheit setzen. Eine Entscheidung über den Videobeweis in der zweiten Liga steht unterdessen noch aus. Im DFB-Pokal ist das System seit dem Viertelfinale im Einsatz.

Eine "sehr genaue, akademische Analyse" habe zu der historischen Entscheidung im Ifab geführt, betonte Infantino. "Ich bin überzeugt, dass die Technik dabei helfen wird, dass wir eine gerechtere WM sehen werden. Wir leben in einer digitalen Ära und können die Augen vor solchen Neuerungen nicht mehr verschließen." In den rund 1000 Spielen der zweijährigen Testphase sei die Genauigkeit der Schiedsrichter-Entscheidungen "auf 99 Prozent gestiegen". Und das "ist fast perfekt". "Bei der WM können wir es uns nicht leisten, dass ein potenzieller Schiedsrichter-Fehler gravierende Folgen hat", sagte Infantino: "Wir müssen die Schiedsrichter unterstützen."

Eingeführt werden soll der Videobeweis in der kommenden Saison auch in Spanien und Frankreich. Die italienische Serie A nimmt derzeit wie die Bundesliga bereits an der Testphase teil, die Vereine der englischen Premier League zögern noch. Sicher nicht zum Einsatz kommen wird die Technik in der kommenden Spielzeit in der Champions League des Europa-Verbands Uefa, was Infantino aber durchaus gefallen könnte. In der Königsklasse wird nämlich Uefa-Präsident Aleksander Ceferin, der sich immer mal wieder skeptisch zur Fifa äußert, bei groben Schiedsrichter-Fehlern erklären müssen, warum er Infantinos Linie nicht gefolgt ist.

© SZ vom 05.03.2018 / SID, SZ
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